Generation Y – Umdenken ist angesagt

„Die Jugend liebt (c) Melanie Vogelheutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwätzt, wenn sie arbeiten sollte.“ Kommt einem irgendwie bekannt vor, oder? Wir alle haben die gekürzte Fassung schon von unseren Eltern gehört – meist zusammengestöhnt auf ein „Benimm dich und reiß dich zusammen…“. Obiger Ausspruch ist allerdings deutlich älter und der Verfasser des bekannten Bonmots schon lange tot. Doch uns alle kann beruhigen: Selbst Sokrates hatte vor 2.500 Jahren schon Probleme mit der „Jugend von heute“.

Generationenkonflikte bzw. die nach wie vor mangelhafte Fähigkeit, die Verständnis-Lücke zwischen „Alt“ und „Jung“ zu überbrücken, ist „alter Tobak“. Ich finde, es wird Zeit, auch das Thema „Generation Y“ abzuhaken und zu akzeptieren, dass die „Hightech-Generation“ in vielem vielleicht nicht den altbekannten Verhaltensweisen entspricht, deswegen aber die (Geschäfts-)Welt auch nicht untergehen wird. Wir haben uns lange genug verwundert die Augen gerieben und gefragt, gemutmaßt und evaluiert, ob und wenn ja inwieweit „die jungen Nachrücker“ wirklich so anders sind, woher das Befremdliche denn kommt (und wer die Schuld daran trägt) – und ob nicht gar die Arbeitswelt ins Wanken geriete, je mehr dieser „flippigen, mobilen, oftmals illoyalen, Ich-bezogenen Zielgruppe“ auf den Arbeitsmarkt strömt.
Und ja, ich glaube, die Arbeitswelt gerät ins Wanken. Allerdings ist das nicht allein der Verdienst der Generation Y. Vielmehr denke ich, die Generation Y ist – wie alle anderen Generationen in der Geschichte zuvor auch – ein Produkt ihrer Zeit. Und unsere Zeit ist schnelllebig, multimedial und sie lädt nicht mehr automatisch zur Loyalität ein, wenn Multi-Optionen auf der anderen Seite stehen.

Veränderungen vollziehen sich immer schneller und in einem immer größeren Umfang. Wir leben in einem permanenten Wechselspiel von Beschleunigung und Vergänglichkeit. Seit dem 11. September 2001 stapfen wir von einer Krise in die nächste. Die Generation Y und alle nachfolgenden Generationen – wie auch immer sie dann heißen mögen – kennen eine Wirtschaftswelt ohne Krisen nicht und werden sie vermutlich auch nie mehr kennenlernen. Sie genossen bislang auch kaum den Luxus fester Arbeitsverträge und den Zahn mit dem „Job auf Lebenszeit“ hat man ihnen schon in der Schule gezogen.

Das Recht auf freie Meinung endet nicht vor den Werkstoren

Wie kann man da erwarten, auf eine Jugend und junge Erwachsene zu treffen, die Sitzfleisch mitbringen und loyal sind bis zum Umfallen? Wie können wir verlangen, dass Hierarchien und Positionen klaglos akzeptiert und nicht hinterfragt werden, wenn die Generation Y von klein auf an über Facebook, Twitter und sonstige Kanäle ungefragt und unaufgefordert ihre Meinung äußern konnte? Social Media und das World Wide Web erlauben Meinungsmache unter 18 Jahren, ohne Pöstchen und Positionen erlangt zu haben. Es erscheint daher doch nur logisch und rational verständlich, dass die Fähigkeit zur eigenen Meinung, das Recht, sie zu äußern und die Kompetenz, Dinge zu hinterfragen, nicht vor dem Werkstor abgegeben werden will.

Die Generation Y bringt eine gesunde Wertebasis menschlicher Zusammenarbeit mit

Unsere Welt ändert sich – und mit ihr diejenigen, die einen Großteil dieser Welt in Zukunft gestalten und mit den Folgen einer alt werdenden Gesellschaft leben müssen. Die Herausforderungen von Morgen sind immens, die Chancen vermutlich auch. Und doch ist völlig klar, dass das Zeitalter einer neuen Arbeitskultur – allein schon bedingt durch den demografischen Wandel – angebrochen ist. Und nur zu klar ist auch, dass die heutige Jugend – deren Rente vielleicht noch auf dem Papier existieren wird und die über ein Renteneintrittsalter von 63 Jahren vermutlich in wenigen Jahrzehnten nur noch müde lächelt – nicht ohne Grund schon heute auf Work-Life-Balance und familienkompatible Arbeitsbedingungen pocht. Sie muss ihre Arbeitskraft schließlich in immer häufiger wechselnden Arbeitsumgebungen langfristig erhalten. Mit der 80-Stunden-Klopperei der Eltern klappt das nicht – und so viel Realismus hat die Generation Y, dass sie das folgerichtig erkannt hat.

Je stärker der demografische Wandel fortschreitet, umso mehr rückt nicht nur die Generation Y in den Fokus, sondern auch das zumeist noch ungenutzte Potenzial von Frauen. Und hier wird es spannend, denn die Wünsche und Anforderungen von Frauen an potenzielle Arbeitgeber, decken sich frappierend mit denen der Generation Y, das belegen unsere eigenen Befragungen (kostenfreier Download der „Student-Surveys“ auf http://www.AGENTURohneNAMEN.de) seit Jahren.

Lernen wir daher umzudenken und machen wir uns klar, dass der Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Work-Life-Balance und einem Arbeitsklima, in dem Lob und Anerkennung ausgesprochen werden und Mitbestimmung nicht nur das Recht einer kleinen Elite ist, keine naiven, irrationalen und unerfüllbaren Bedürfnisse sind, sondern eine gesunde Wertebasis menschlicher Zusammenarbeit nach der sich – seien wir ehrlich – viele sehnen, nicht nur die Generation Y!

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