Wo alle das gleiche denken, wird nicht viel gedacht!

Heute morgen erreichte mich die eMail eines langjährigen und von mir sehr geschätzten Kooperationspartners. In seinem soeben veröffentlichten Kommentar wies er auf den Umstand hin, dass bei den Sponsoringtagen 2014 Frauen im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu sagen haben. Die hochkarätige Rednerliste ist ausschließlich männlich besetzt. Ein Einzelfall? Leider nein!

Und bevor Leserinnen und Leser dieses Blogs gleich verschreckt die Seite wegklicken ob der Erwartung feministischer und männerfeindlicher Ergüsse – keine Angst. Ich ärgere mich zwar – immer noch – über fehlende Frauen an entscheidenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – aber das ist nicht Inhalt des heutigen Blogbeitrags.

Vielmehr möchte ich – wie schon so oft in vergangenen Vorträgen und Webinaren, die ich zu dem Thema gehalten habe – wieder einmal auf den Umstand hinweisen, dass wir alle uns keinen Gefallen tun, Frauen konsequent aus bestimmten Zirkeln auszuschließen. Im Gegenteil. Wir schaden uns selbst. Neben der hinlänglich bekannten Tatsache, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in Führungs-, Vorstands- und/oder Aufsichtsratspositionen deutlich erfolgreicher sind (man lese dazu Studien von McKinsey, E&Y oder den Vereinten Nationen), lässt sich – logisch – nicht leugnen, dass dort, wo alle das gleiche denken, nicht viel gedacht wird.

Bildlich gesprochen: Stellen Sie sich vor, ein Team soll ein Marketing-Konzept für eine neue Digitalkamera erarbeiten. Besagtes Team macht sich an die Arbeit. Ihre geballte Ladung Marketing-Kompetenz fließt in das Projekt und heraus kommt das:

UnbenanntEmpörung pur – zumindest bei den Frauen! Hier hat man(n) nicht nachgedacht. Denn überlegen Sie mal, wer Bilder knipst, die Fotoalben der Familie hegt und pflegt und wichtige Alltagsmomente der Familie bildlich festhält? Das sind – häufig – Frauen.

Nehmen wir ein anderes Beispiel. Eines, das in diesem Fall den meisten gut schmeckt und Ihnen allen sicherlich bekannt ist, nämlich Gummibärchen. Ich gebe zu, ich habe nie auch nur im Ansatz darüber nachgedacht, wer Zielgruppe von Gummibärchen ist. Ich bin es definitiv nicht, aber mein Sohn liebt sie, seine Freunde auch. Überrascht war ich dann bei einem Kindergeburtstag, als ein kleiner Junge mir sagte, er möge sie zwar, dürfe sie aber nicht essen. Ich vermutete zuerst gesundheitliche Gründe, doch da er sich mit Wonne durch die anderen Süßigkeiten grub, verwarf ich diese Ursache ganz schnell. Seine ältere Schwester gab mir die Antwort auf seine (und auch ihre) Ablehnung der Gummibärchen.

Die Lösung lag völlig außerhalb meines persönlichen Erfahrungshorizontes, darum bin ich darauf auch nicht ohne Hilfestellung gekommen. Die Geschwister waren islamischen Glaubens. Die „klassischen“ Gummibärchen enthalten Gelatine vom Schwein, sind daher für Menschen mit islamischem Glauben ein verbotenes Lebensmittel. Offensichtlich hat die Firma Haribo das erkannt, denn 2010 brachten sie die Gummibärchen mit einem veränderten Produktzusatz heraus.

UnbenanntAnstelle von Schweinegelatine nutzen sie nun die Gelatine vom Rind. Die Bärchen bekamen ein „Halal-Zeichen“, und nun dürfen tatsächlich alle – gesunden – Kinder Gummibärchen essen. Die veränderte Produktkomponente hat Haribo – theoretisch – zusätzliche Absatzmärkte in 46 Ländern beschert. Das ist eine geschätzte Käuferzielgruppe von 1,6 Milliarden Menschen.

Ein veränderter Zusatz = eine neue Zielgruppe.
Das ist Innovation!

„Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal“, hat Roman Herzog, Bundespräsident a.D., in seiner „Berliner Rede“ am 26. April 1996 gesagt.

Und in der Tat brauchen wir Vielfalt und Innovationskraft heute mehr denn je! Wir befinden uns im globalen Wettbewerb. Zielgruppen und Käufergruppen verändern sich schwarmmäßig permanent und ununterbrochen. Wer heute in den Unternehmen verbissen immer noch nur auf eine Zielgruppe setzt, riskiert seine eigene Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute auf Veranstaltungen wie dem Sponsoringtag 2014 oder zahlreichen anderen Wirtschaftskongressen, Technologietagungen oder sonstigen hochkarätigen Entscheider-Events, den Stimmen der Vielfalt keinen Raum geben will, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt!

Wir brechen auf in eine Zukunft, die mehr Fragen als Antworten bereit halt; Fragen, die wir mit unserem vorhandenen Knowhow nicht mehr immer direkt beantworten können und für die es unter Umstanden verschiedene Lösungen gibt, die nicht für alle einheitliche Gültigkeit haben. Unterschiedliche Lebensläufe, verschiedenartige Lebenseinstellungen, Männer UND Frauen in Führungspositionen, vielfältige Erfahrungen und kulturelle Hintergründe sorgen in unserer komplexen und schnelllebigen Welt für Reibung und setzen produktive, kreative Energie frei, die wir dringend brauchen!

  • WissenschaftlerInnen, Unternehmen und KünstlerInnen können heute weltweit kollaborieren. Und sie tun es ganz oft auch schon. Warum hinter den eigenen Werkstoren ignorieren, was weltweit schon lange praktiziert wird?
  • Wenn Innovationen früher von wenigen Köpfen („Genies“) ausging, so werden Innovationsprozesse heute getrieben durch (weltweite) Kollaboration.
    Warum weiterhin nach dem deutschen Dreisatz agieren?
  • Um Innovationen wirklich zu treiben, brauchen wir unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Erfahrungshorizonte, einzigartige Perspektiven – mit einem Wort: DIVERSITY.
    Mit welchem Ziel suhlen Sie sich weiterhin in Homogenität?
  • Wenn eine Gruppe von Menschen gleich denkt, bringen sie – unabhängig ihrer Bildung und Intelligenz – sehr wahrscheinlich ähnliche Ideen, Vorurteile und Schlussfolgerungen in die Gruppe ein.
    Welche Vorbehalte, Stereotype oder sonstige Blockaden hindern Sie noch daran, das wirtschaftlich Richtige zu tun und zu diversifizieren?

Wer heute zukunftsfähig sein und bleiben will, muss raus aus dem Elfenbeinturm der Homogenität und Einseitigkeit. So schmerzhaft für manche der Prozess der Diversifizierung sein mag, bunte Gesichter und ein buntes Publikum bereichern, bringen neue Ideen und wertvolle Impulse für das eigene Business.

Probieren Sie es mal aus – Sie werden überrascht sein!

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Ein Kommentar

  1. Thomas Sattelberger, ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom, brachte die Einseitigkeit im Recruiting neulich anlässlich des UNICUM Netzwerktreffens auf den Punkt: Pinguine stellen Pinguine ein. Diskriminierung deckt die ganze Palette ab: Mann/Frau, Alt/Jung, Reich/Arm, Gebildet/Ungebildet, ja auch zuviel Homogenität oder Einseitigkeit ist eine Form der Diskriminierung.

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