Neujahrsansprache für eine vergessene Zielgruppe

Glasses of champagne with splash, isolated on whiteZum neuen Jahr möchte ich meine Gedanken einmal einer Zielgruppe widmen, die in keinen Ansprachen bedacht und so gut wie nie erwähnt wird, wenn es um Wirtschaftskrisen oder Konjunkturaussichten geht. Eine Zielgruppe, die jährlich wächst (und zwar weltweit), die trotzdem keine Lobby hat, oft unter prekären Bedingungen arbeitet und nicht selten mit einem Fuß im Knast und mit dem zweiten im Armenhaus steht. Die Rede ist von den Einzelunternehmerinnen und Einzelunternehmern in Deutschland – eine aus meiner Sicht völlig unterschätzte (Wähler-)Gruppe, um die sich die Politik seit Jahren nur in Fußnoten kümmert.

2013 zählte das DIW in einer Studie in Deutschland 2,6 Millionen Einzelunternehmen. Ihre Zahl hat sich zwischen dem Jahr 2000 und 2011 um rund 800.000 erhöht. Insgesamt sind 57% der Selbständigen in Deutschland EinzelkämpferInnen. Zum Vergleich: Europaweit sind 72% der UnternehmerInnen solo unterwegs.

In dieser Masse gibt es viele, die sehr erfolgreich sind – aber es gibt eben auch jene, die sich mit viel Glück gerade so über Wasser halten. Und nicht alle von ihnen haben die Selbständigkeit frei gewählt. Nicht wenige wählen sie, um nicht in einer Arbeitslosenstatistik und damit auf dem beruflichen und gesellschaftlichen Abstellgleis zu landen. Von den Müttern ganz zu schweigen, deren Kinder als Karrierekiller gelten und für die die Selbständigkeit oft die einzige Möglichkeit ist, zum Familieneinkommen beizutragen.

Ich habe in keinem Wahlkampf und von keiner Partei mal folgende Vorschläge zur Vereinfachung klein-unternehmerischer Selbständigkeit gehört wie zum Beispiel:

  • Verpflichtung der Banken, Einzel- und Kleinstunternehmern sowie Freiberuflern ein Firmenkonto zu moderaten Konditionen zu eröffnen (mit dem Verbot der fristlosen Kündigung in den ersten 5 Jahren der unternehmerischen Selbstständigkeit, weil die Umsätze „nicht hoch genug“ sind),
  • Vereinfachter Zugang zu Krediten, Gründungsfinanzierungen und – was noch viel wichtiger ist – Wachstumsfinanzierungen auch dann, wenn dahinter keine patentierte neue Technik steht, sondern schlicht eine innovative Dienstleistung,
  • Abschaffung der Scheinselbständigkeit,
  • Unbürokratische Selbständigen-Hilfe (z. B. im Krankheitsfall oder familiären Not-Situationen).

Der letzte Punkt dient einer Lösung für den Fall, dass berufliche (Einzel-)Selbständige plötzlich erkanken, ihr Geschäft aufgeben müssen und nicht wissen, wie sie neben Krankheit nun auch noch den Lebensunterhalt verdienen können, denn von den Menschen hören wir so gut wie nichts. Und trotzdem gibt es sie, diese unsichtbaren KämpferInnen unserer Wirtschaft.

Diesen 2,6 Millionen EinzelunternehmerInnen sei dieser Post gewidmet.
Ihnen allen wünschen wir ein inspiratives, gesundes und erfolgreiches neues Jahr.

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2 comments

  1. Danke für den Beitrag! Das ist wirkich ein unterschätztes und viel zu wenig beachtetes Thema, was viel stärker in die Öffentlichkeit gehört. Ich möchte da noch die Legionen von Kunst- und KreativarbeiterInnen ergänzen.

    Warüber ich mich stundenlang aufregen kann ist, dass man mit einem Einkommen besteuert wird, bei dem man unter der Armutsgrenze liegt. Während man ja auch schon fast 20% auf das Einkommen an Umsatzsteuer erwirtschaftet hat, die man ja mal direkt abgibt. Oder andersherum, man erwirtschaftet ein Einkommen, mit dem man mit Ach und Krach über die Runden käme, liegt nach der Steuer aber unter der Armutsgrenze, muss zum Amt gehen und wird von Steuergeldern unterstützt.
    Da stimmt doch irgendwas nicht !

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