Interview: „UnternehmerIn sein oder nicht sein…“ #Existenzgründung

Katja Brößling1Unsere neue Rubrik in unserem Blog lässt andere zu Wort kommen. Wir interviewen in (un)regelmäßigen Abständen Menschen, die sich – ganz im Sinne von Futability® – freiwillig oder unfreiwillig an neue Situationen anpassen müssen, Veränderungen durchlaufen oder in sehr volatilen Branchen tätig sind und berichten,  wie sie diese Situationen meistern. Aber auch Expertinnen und Experten werden wir in zu unterschiedlichen Themen befragen. Den Anfang macht Katja Brößling, die das Portal She!Works gegründet hat.

NAME: Katja Brößling
BERUF: Dipl.Betriebswirtin Schwerpunkt Marketing
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: ehrgeizig, neugierig, kommunikativ
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: spottster
Meine Lieblingswebseite: http://www.amazon.de
Meine eigene Webseite: www.she-works.de

Unternehmerin sein oder nicht sein – Frau Brößling, Sie haben die Entscheidung schon getroffen und machen sich gerade selbstständig. Warum?
Der Gedanke etwas Eigenes umzusetzen, kreiste schon eine ganze Weile in meinem Kopf. Allerdings fand ich nicht den richtigen Absprung, um meine Komfortzone zu verlassen. Aber ich bekam einen Schubs in Form einer Kündigung. Es nützt einem nichts, wenn man tolle Ideen hat, deren Umsetzung von anderen abhängt. Und je mehr Ideen abgeschmettert werden, desto unkreativer und unzufriedener wird man. Im Moment muss ich meine Ideen auch abstimmen, denn wir gründen als Team. Aber da die Grundidee für das Konzept steht, schwimmen meine Mitgründerin Carolin Schäufele und ich da auf einer Welle.
Natürlich träumt man vom großen Erfolg, und den streben wir auch an, aber im Moment sind Zufriedenheit und Spaß bei der Arbeit die größte Motivation.

Wie hat sich der Morgen nach der endgültigen Entscheidung, das Angestelltendasein gegen die Selbständigkeit auszutauschen, angefühlt? Was war Ihre größte Angst und was Ihre größte (Vor-) Freude?
Angst habe ich eigentlich nie verspürt. Eher Sorge um unsere finanzielle Lage, wenn es nicht so läuft, wie geplant. Die größte Freude war das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung. Ich mache etwas, mit dem ich mich identifizieren kann und mich nicht für andere verbiege.

Wie hat sich ihr Leben aber auch Ihr Arbeiten seitdem verändert?
Mein Leben ist etwas stressiger – allerdings im positiven Sinne. Ich habe mehr Termine, Schreibtischarbeit und unterwegs sein wechseln sich ab. Durch die freie Zeiteinteilung bin ich aber flexibel, was dem Familienleben mit zwei Kindern sehr entgegenkommt. Natürlich sind als Unternehmerin auch die Aufgaben vielfältiger und man hat mehr Verantwortung.

Sie haben mit „SHEworks!“ ein Online-Magazin für Gründerinnen und Unternehmerinnen ins Leben gerufen. Ist das Unternehmerin sein anders, als das Unternehmer sein – oder warum brauchen Frauen aus Ihrer Sicht ein eigenes Online-Magazin?
Frauen gründen anders als Männer. Sie haben oft andere Beweggründe sich selbstständig zu machen, gründen kleiner aber dafür nachhaltiger. Die Politik schreit nach Aktionen, dass noch mehr Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ihren Mut zum Unternehmertum entdecken. Doch die wahre Unterstützung fehlt bzw. ist kaum zu finden, selbst wenn man gezielt sucht. Frauen werden bei der Vergabe von Gründungskrediten genauso benachteiligt wie bei der Lonhzahlung. Aber es gibt mittlerweile andere Wege. Unser Portal wird alle Informationen, die Frau für den Start in die Selbstständigkeit benötigt, bündeln. Das reicht von Beratungsstellen und Netzwerken über Förderprogramme und Finanzierungswegen bis hin zu Altersvorsorge und Kinderbetreuung Außerdem findet Frau bei uns Termine und Veranstaltungen. Aber hauptsächlich wollen wir dafür sorgen, dass Frau auf dem Weg den Mut nicht verliert. Wir wollen mit Erfahrungsberichten Alternativen aufzeigen und Beispiele geben, in denen Frauen sich wiedererkennen. Außerdem werden wir im Laufe der Zeit wirtschaftlich relevante Nachrichten für Unternehmerinnen veröffentlichen.

UnternehmerIn sein – oder nicht sein: Bitte nennen Sie drei Attribute, die man als UnternehmerIn aus Ihrer Sicht unbedingt mitbringen sollte und drei die man sich besser direkt abgewöhnt, bevor man den Weg in die Selbständigkeit wählt.
Wer sich selbstständig macht sollte Risikobereitschaft, Organisations-und Improvisationstalent und Ausdauer mitbringen. Wer mit Selbstzweifeln kämpft, kontaktscheu ist und Angst vor Veränderungen hat, sollte seine Pläne überdenken.

Wenn Sie als Unternehmerin drei Wünsche frei hätten, die Situation von Selbständigen und KleinunternehmerInnen in Deutschland zu verbessern, was würden Sie verändern wollen?

  1. Ich würde mir wünschen, dass die Vergabe von Gründungskrediten vor allem bei Kleinbeträgen vereinfacht wird. Nicht jeder braucht sechsstellige Summen zum Gründen. Und auch das Prozedere mit dem Businessplan sollte mal überdacht werden. 90% der Gründer schreiben den nur für die Bank. Könnten GründerInnen und UnternehmerInnen die wirtschaftliche Entwicklung wirklich vorhersehen, würden sie viel Geld als Wahrsager verdienen und wir wären alle Wirtschaftsweise!
  2. UnternehmerInnen, die meines Erachtens eine große gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, müssen sich auch bei wenig Einkommen selbstständig für das Alter absichern. Hier findet eine Benachteiligung statt, die ich inakzeptabel finde. Ich wünsche mir eine Grundrente, die diese Leistung würdigt (ähnlich der Mütterrente).
  3. Die Bundesministerien binden Gelder in unzähligen Projekten und Initiativen, die zur Steigerung der Gründungszahlen beitragen sollen. Weniger Initiativen dafür mehr monetäre Unterstützung würden eher zielführend sein.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität:  wichtig, wenn Plan A nicht funktioniert
  • Innovation: Ohne Innovationen säßen wir noch mit Feuersteinen vor  einem Holzhaufen
  • Anpassungsfähigkeit: ist was für Chamäleons
  • Kreativität: muss man ausleben
  • Veränderung: hält uns flexibel
  • Angst: sollte niemand haben müssen
  • Zukunft: selbstfahrende Autos
  • Deutschland: ist auf dem Weg von der sozialen Marktwirtschaft hin zum reinen Kapitalismus
  • Ich: mitten im Leben
  • Beruf: sollte Berufung sein
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