Industrie 4.0: Ein Dilemma mit ungewissem Ausgang?

Quelle: http://tiny.cc/wxboux
Quelle: http://tiny.cc/wxboux

Globalisierung und Konnektivität haben unsere Welt nachhaltig und irreversibel verändert. „Industrie 4.0 ist auf dem Weg, die gesamte Welt der komplexen Fertigungsprozesse zu revolutionieren“, steht es im Frühjahr 2014 in einer Pressemeldung vom VDI. Und der Beweis dafür lässt nicht lange auf sich warten: Im Juni 2014 verkündete das Unternehmen Foxconn, Auftragsfertiger für Apple und immer wieder in den Schlagzeilen wegen extrem schlechter Arbeitsbedingungen, das Unternehmen habe eine Armee aus 10.000 „Foxbots“ gekauft, die theoretisch bis zu 300 Millionen iPhones pro Jahr herstellen können soll. Die Themen Überstunden, Leistungsdruck und schlechte Bezahlung wären damit vom Tisch.

In den Wochen danach mehrten sich Nachrichten dieser Art. Am 9. Oktober 2014 beispielsweise berichtete DIE WELT von der „Pflegerin mit den Gummi-Händen“ und zeigte auf dem dazu passenden Bild die Roboter-Frau Aiko Chihara, die verblüffend (oder erschreckend?) menschlich aussieht. Zur Welt gebracht hat diese Roboter-Frau der Konzern Toshiba. Und Aiko ist von Geburt an voll einsatzfähig. Sie kann ihre Arme und Hände bewegen, sprechen und Bettlaken und Kissen wenden. Zusätzlich beherrscht sie die japanische Zeichensprache. Der Prototyp der Menschmaschine soll in der Pflege eingesetzt werden und bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio in Serie gehen, um dann in Gestalt junger Frauen zur Besucherbetreuung eingesetzt zu werden. Lebende Messehostessen waren gestern…

Auch Nestlé setzt auf die Technikaffinität der Japaner. Im Weihnachtsgeschäft 2014 trat „Pepper“ seinen Dienst an. Die 1,20 Meter großen Roboter auf Rollen können zwar keinen George Clooney ersetzen, sollen aber interaktiv mit den Kunden kommunizieren können.

Quelle: www.toshiba.co.jp/about/press/2014_10/pr0601.htm
Quelle: http://www.toshiba.co.jp/about/press/2014_10/pr0601.htm

Und Cynthia Breazeal, Professorin am MIT, hat Jibo entwickelt, einen 500 US-Dollar teuren Roboter, der Menschen am Gesicht erkennt, ihnen zuhört und auf Wunsch Pizza bestellen oder einen Termin im Kalender eintragen kann. Immerhin gibt es für diesen Prototyp schon 5.000 Vorbestellungen – und das wird erst der Anfang sein.

Das McKinsey Global Institute vermutet, dass Roboter und Maschinen bis 2025 schätzungsweise 140 Millionen Wissensarbeiter durch intelligente Technik ersetzen könnten.

Der “Visor” von Geordi La Forge aus der Serie “Star Trek – The next Generation” wirkt plötzlich nicht mehr wie Science Fiction, sondern wie eine vorweggenommene Marketing-Kampagne für eine Welt, in der die Technik schier endlose Möglichkeiten bietet.

Muss uns diese Entwicklung Angst machen?

Die Antwort ist ein klares „das kommt darauf an“. Wir haben uns quasi selbst in ein Dilemma mit ungewissem Ausgang manövriert. Mit jeder technischen Entwicklung werden weitere technische Entwicklungen in Gang gesetzt und potenzieren damit auch die Vergänglichkeit unserer Arbeitskompetenzen.

Wird „Industrie 4.0“ in naher Zukunft flächendeckend Realität, dann wird die Anzahl der Wissens- und Routinetätigkeiten in der Tat dramatisch abnehmen (ketzerisch gefragt: Ist das in Zeiten des demografischen Wandels vielleicht sogar gewollt…?). Gleichzeitig werden aber auch neue Jobs und Berufsfelder entstehen und der Anteil kreativer Jobs wird steigen. Auch der Bedarf an hochqualifizierten Visionären und technologischen Tausendsassas wird wachsen und weltweit unglaublich spannende Jobperspektiven bieten. Die wichtigsten Sozialkompetenzen dieser neuen Jobs werden sein:

  • Kreativität,
  • Kommunikationsfähigkeit,
  • soziale Interaktion,
  • Empathie,
  • eine gestärkte Persönlichkeit und
  • die Fähigkeit komplexen Denkens.

Unser Bildungssystem reagiert aber langsam bis gar nicht auf die dramatische Veränderung der bald schon automatisierten Arbeitswelt. Steuern wir hier nicht aktiv dagegen, werden wir gespaltenere Arbeitsmärkte als heute erleben: Die, in denen kreative „Out-of-the-Box-Denker“ und hochqualifizierte Technik-Freaks gutbezahlte Jobs ergattern und die, in denen gering qualifizierte Menschen unter teils prekären Bedingungen werden arbeiten müssen – vermutlich mit geringen Aufstiegschancen und einem hohen Risiko des Jobverlustes.

Das wird den Druck auf die Mobilität erhöhen und Gesellschaften weltweit verändern – zum Besseren nur dann, wenn wir die große Herausforderung der Zukunft meistern: Je weiter die globale Technologisierung voran schreitet und je konnektiver unsere Welt wird, umso höher wird das Wissens- und (Weiter-)Bildungskapital in Zukunft gehandelt werden. Wir können uns Nicht-Wissen und Nicht-Lernen in Zukunft nicht mehr leisten!

Advertisements

One comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s