Interview: „Konventionen abstreifen“ #Querdenken

Anja Förster1Anja Förster ist Business-Querdenkerin aus Überzeugung, Bestseller-Autorin aus Schreibleidenschaft und begeisternde Rednerin. Heute erscheint ihr neues Buch „Macht, was Ihr liebt“. Im Interview erzählt sie, worum es dabei geht.

NAME:    Anja Förster
BERUF: Autorin
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben:  entscheidungsfreudig, neugierig, quirlig
Mein Lieblings-Gadget: mein iPhone
Meine Lieblingswebseite: Spiegel.de – um auf dem Laufenden zu bleiben
Meine eigene Webseite: www.foerster-kreuz.com

Frau Förster, in Ihrem neuen Buch „Macht, was Ihr liebt“, das Anfang März 2015 erschienen ist, fordern Sie die Leserinnen und Leser auf, das zu machen, was sie lieben und nicht das, was von ihnen erwartet wird oder am einfachsten erscheint. Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Warum tun es so wenige?
Der Grund ist schlicht Feigheit. Den eigenen Weg zu erkennen und einzuschlagen, verlangt Arbeit, Energie, Mut und Ausdauer. Das bedeutet auch, sich gegen Widerstand durchzusetzen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Natürlich gibt es Menschen, die ein hohes Maß an Selbstverantwortung überhaupt nicht wollen oder denen das zu anstrengend ist.

Haben Sie persönlich eine Erklärung dafür, warum wir uns in den gelernten Konventionen so gemütlich eingerichtet haben, obwohl sie ja oft gar nicht mehr zu uns, unserem Leben und den Lebensumständen passen?
Es ist nichts Verwerfliches, Konventionen zu respektieren. Würden wir das vollkommen ausblenden, wären wir selbstsüchtige Egomanen und auf Dauer ziemlich einsam. Der Punkt ist ein anderer. Wenn Konventionen zum vorherrschenden oder sogar alleinigen Kriterium für unseren Lebensentwurf werden, wird es problematisch. Menschen, die reflexartig den Erwartungen ihres Umfelds zu entsprechen versuchen, gehen einen verhängnisvollen Deal ein. Erwartungskonformes Denken und Handeln im Austausch für die Zustimmung, Unterstützung und Sympathien der Familie, Freunde und des Chefs. Dieser Deal enthält einen unausgesprochenen Vertragszusatz: Meine Erwartungen nehmen den Platz in der letzten Reihe ein und ich überlasse es anderen, mein Leben zu steuern. Damit vergeben wir die Chance, zu sein, wer wir wirklich sind und zu werden, wozu wir fähig sind.

Den kreativen Umgang mit uns und unserem Leben lernen wir nicht zwangsläufig in der Schule und in der Ausbildung noch viel weniger. Wie können denn konkrete erste Schritte aussehen, der Aufforderung Neues zu tun, nachzukommen?
Alles beginnt damit, präsent und wach zu sein und ganz bei dem, was ich gerade tue. Das hört sich selbstverständlich an, aber die meisten Menschen eilen fleißig und geschäftig wie Roboter durch ihr Leben und sind nie wirklich da. Der zweite wichtige Aspekt ist,  dass ich mir meiner Freiheit zur Wahl bewusst werde. Wo immer wir im Leben stehen, wir können immer wieder aufs Neue wählen.

Eine Ihrer Botschaften im Buch heißt: „Seid unbequem“. Das wird vermutlich viele irritieren, die glauben und gelernt haben, dass Anpassung um jeden Preis den Job und die Karriere sichert. Was sagen Sie diesen Menschen?
Tatsächlich suggeriert unser System den Menschen immer noch: Pass dich an, mach was von dir erwartet wird und du wirst belohnt mit wohlverdienter und fairer Arbeitsplatzsicherheit. Das Problem ist, dass dieses Versprechen heute nicht mehr zu halten ist. Weder von den Politikern, noch der Wirtschaft oder den Gewerkschaften. Und was ebenso schmerzhaft ist: Es gibt einen verdammt hohen Preis, den man für die Anpassung zahlt und das ist die eigene Austauschbarkeit. Deshalb ist es so wichtig zu begreifen, dass es heute und in Zukunft nur noch eine Sicherheit gibt: Du selbst. Und das bedeutet, jeden Tag daran zu arbeiten, mein persönliches Potenzial zu entfesseln und meine Talente zur Geltung zu bringen.

Eine weitere Kernaussage lautet: „Seid außergewöhnlich“. Jetzt lässt das aktuelle Schul-, Ausbildungs- und Hochschulsystem oft sehr wenig Spielraum für Individualität.
So ist es und das ist schlimm. Viel wichtiger als jungen Menschen statisches Wissen einzubimsen, wäre es, ihnen beizubringen, interessante Probleme selbst zu finden und zu lösen. Zu was Kinder und Jugendliche in der Lage wären, wenn wir ihnen die kreative Problemlösungskompetenz nicht systematisch abtrainieren würden, zeigt der Fall von Jack Andraka aus Crownsville in den USA. Im Alter von nur 15 Jahren gewann er einen der renommiertesten Wissenschaftspreise, dotiert mit 75.000 Dollar. Er hat einen Urin-Teststreifen entwickelt, mit dem man Krebserkrankungen nachweisen kann. 26.000 Mal kostengünstiger, 90 Prozent zuverlässiger und 168 Mal schneller als jedes andere bis heute bekannte Verfahren. Eine medizinische Sensation! Ganze Fakultäten waren an dieser Aufgabe bislang gescheitert. Und von 200 Professoren, die er bat, in deren Labors seine Erfindung testen zu dürfen, schickten ihm 199 Absagen, weil sie die Tragweite seiner Idee nicht verstanden oder schlicht nicht glauben konnten, dass ein Jugendlicher ernsthafte medizinische Forschung betreiben kann. Das spannendste an dieser Geschichte finde ich die Aussagen der Eltern von Jack. Auf die Frage, wie sie sich das Genie ihres Sohn erklärten, sagen sie: „Schon als er drei war, haben wir uns geweigert, seine Fragen zu beantworten. Wir haben stattdessen gesagt: Finde es selbst heraus!“ Also, liebe Eltern, Lehrer, Professoren, Chefs und Politiker: Das ist der Weg!

Welche innere (gedankliche) Hürde müssen Menschen nehmen, um ihr Wunschkonzert wieder selbst dirigieren zu können und Luftschlösser zu bauen?
Unser Leben ist kein Zufallsprodukt. Wir haben die Freiheit, ihm unseren Stempel aufzudrücken. Dazu müssen wir die irrige Vorstellung abschütteln, dass wir Treibgut des Lebens sind und das Leben eben so hinnehmen müssen, wie es ist. Wir haben die Freiheit, unser Leben gestalten und es in eine für uns spannende Richtung zu lenken. Wer das erst mal begriffen hat, wird nie mehr dieselbe sein.

Ihr Buch ist ein Appell zur Rückkehr gedanklicher und individueller Freiheit. Was können wir als Gesellschaft gewinnen, wenn sich mehr Menschen diesem Appell anschließen?
Betrachten wir es einfach mal anders herum: Wir können uns dem Gedanken der Freiheit verweigern. Mit dem Finger auf die Umstände zeigen und darüber lamentieren, dass die Welt eben so ist wie sie ist. Aber als selbsternannte Opfer der Umstände bremsen wir den Fortschritt aus und vertun unsere Chancen. Das sollten wir nicht zulassen! Unser Buch ist eine Anstiftung, die Welt zu gestalten und ein Mutmacher für alle, die etwas bewegen wollen in ihrem Leben und in ihrem Umfeld.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: Entscheidend in einer Zeit, in der die einzige Konstante die Veränderung ist.
  • Innovation: DER Schlüssel zur Zukunft.
  • Anpassungsfähigkeit: Richtig und wichtig, so lange wir es nicht mit Selbstaufgabe erwechseln
  • Kreativität: Tragen wir alle in uns, wurde uns aber mit dem Durchlaufen des Bildungssystems abtrainiert.
  • Veränderung: Kann schmerzhaft und anstrengend sein, aber eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt.
  • Angst: gehört zum Leben dazu und ist unser Begleiter, wenn wir Neuland betreten.
  • Zukunft: Ich freu’ mich drauf.
  • Deutschland: Mag ich.
  • Ich: bin ich mit allen Ecken und Kanten.
  • Beruf: Meine Begeisterung und Leidenschaft sind mein Beruf.

 

Macht was ihr liebt von Anja FoersterOriginalausgabe
Klappenbroschur, 207 Seiten
12,5 x 20 cm
€ 12,99 (D), € 13,40 (A), UVP 18,90 CHF
ISBN 978-3-570-55265-0
März 2015 / Pantheon Verlag

>> Buch bestellen

 

 

Wer Anja Förster live erleben will, hat dazu am 25. April 2015 in Bonn die Möglichkeit.
Anja Förster hält die Keynote im Rahmen der women&work, Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen.
Der Eintritt ist kostenfrei!

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