Interview: #Nachhaltigkeit als Zukunftskonzept

Marcus NoackVor einigen Wochen telefonierte ich mit Marcus Noack, dem Geschäftsführer von JOBVERDE.de und einem langjährigen Kooperationspartner von uns. Wir kamen ins Plaudern und plötzlich sprachen wir über die Themen Innovation und Nachhaltigkeit. Ich war der Meinung, innovative Unternehmen sind immer auch nachhaltig agierende Unternehmen. Er widersprach mir und sagte, er sehe das genau anders herum. Nachhaltig agierende Unternehmen sind immer auch innovativ. Wir hatten unglaublich Spaß an der darauf folgenden Diskussion. Das führte dazu, dass wir das Thema „Innovation und Nachhaltigkeit“ auf der innovation@work – dem ersten Messe-Kongress für Zukunftsgestalter am 4. November 2016 in Bonn gemeinsam aufgreifen werden. Denn wir glauben, dazu gibt es noch viel zu sagen. Das Gespräch führte aber auch zu diesem Interview: „Nachhaltigkeit als Zukunftskonzept“.

NAME: Marcus Noack
BERUF: Bürokaufmann / Studium Betriebswirtschaft International Communication
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: visionär, neugierig und hartnäckig
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: habe ich nicht
Meine Lieblingswebseite: airbnb
Meine eigene Webseite: JOBVERDE.de

Sie betreiben seit drei Jahren das Jobportal „JOBVERDE.de“, das den Fokus vor allem auf Jobs aus dem großen Themenkomplex „Nachhaltigkeit“ anbietet. Was war die Initialzündung für ein solches Portal?
Durch den Betrieb der deutschlandweiten Nachhaltigkeitsplattform Umwelthauptstadt.de beschäftigen wir uns seit nunmehr fünf Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit. Im Laufe der Jahre sind immer mehr Partnerunternehmen mit dem Wunsch an uns herangetreten, ihre offenen Stellenanzeigen auf Umwelthauptstadt.de zu veröffentlichen. Zum damaligen Zeitpunkt standen uns auf der Internetplattform aber nur begrenzte Präsentationsmöglichkeiten für Stellenanzeigen zur Verfügung. Nach einer intensiven Marktforschung entschlossen wir uns, unser Produktportfolio um einen Stellenmarkt zu erweitern.

Was genau verstehen Sie unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“?
Nun ja, die gleichberechtigte Betrachtung sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Themen finde ich erst einmal richtig. Wenn die Menschen heutzutage aber über Nachhaltigkeit sprechen, tun sie dies oft so, als wäre Nachhaltigkeit etwas Neues, was es mitnichten ist. Durch die Begleiterscheinungen der Globalisierung und dem Anspruch an ständiges Wirtschaftswachstum müssen wir heute schauen, dass wir unseren Konsum nicht auf dem Rücken zukünftiger Generationen oder ärmerer Länder austragen. Nachhaltigkeit sollte meiner Meinung nach bedeuten, dass man sich Gedanken über sein Handeln macht und seine Umwelt miteinbezieht. Nachhaltigkeit darf jedoch nicht mit Verzicht gleichgesetzt werden. Die Wirtschaft muss intelligente Lösungen schaffen, die beispielsweise die schnelllebige Wegwerfgesellschaft kontrollieren und Produkten eine längere Lebensdauer und vielleicht sogar eine Mehrfachnutzung ermöglichen. Die Politik sollte für mehr Aufklärung im Bezug auf Konsum und dessen Auswirkungen sorgen.

Sind nachhaltige Jobs zukunftssicherer oder wertschöpfender als andere Jobs?
Das ist eine gute Frage, die wissenschaftlich so sicher noch nicht belegt ist. Nachhaltige Jobs unterscheiden sich von „normalen“ Jobs jedoch darin, dass sie einen nachhaltigen Anspruch verfolgen und unter anderem Zustände und Situationen optimieren sollen. In naher Zukunft wird es sicherlich nicht ausschließlich nachhaltige Jobs geben, jedoch ist auch jetzt schon der Anspruch der Unternehmen an das Personal ein anderer als noch vor 20 Jahren. Ein nachhaltiges Grundverständnis wird heutzutage von zahlreichen Unternehmen vorausgesetzt und das nicht zuletzt, um die Unternehmen zukunftssicher zu machen.

Woran lässt sich Nachhaltigkeit in den Unternehmen messen?
Für die Messung einer nachhaltigen Ausrichtung eines Unternehmens gibt es zahlreiche Kriterien, angefangen von der Optimierung des Energieverbrauchs, über die Auswahl der Lieferanten bis hin zu sozialen Programmen, die dem Wohle der Belegschaft dienen. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann sich die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen anschauen oder einmal auf die Website des Deutschen Nachhaltigkeitsrates gehen und dort nach dem DNK suchen.

Warum sollten sich Unternehmen aus Ihrer Sicht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ befassen?
Weil es die Pflicht eines jeden Unternehmers ist, sich über sein Handeln und die Zukunft Gedanken zu machen. Jedes Unternehmen, das langfristig plant, befasst sich zwangsläufig mit dem Thema Nachhaltigkeit, auch wenn das Wort vielleicht nicht fällt.

Ist nachhaltiges Handeln gleichzeitig auch ethisches Handeln?
Definitiv, da nachhaltiges Handeln ja die komplette Umwelt einbezieht und eben nicht nur die Ökologie oder die Wirtschaft betrachtet.

Wenn Sie die Zukunft frei gestalten könnten und alles möglich wäre, wie sähe dann aus Ihrer Sicht eine nachhaltig wertschöpfende Wirtschaftswelt aus?
Die bräuchte ich selbst gar nicht neu erfinden, da sich hierüber schon etliche kluge Köpfe Gedanken gemacht haben, so beispielsweise die Initiatoren des Cradle-to-Cradle-Ansatzes um Prof. Dr. Braungart. Die Wirtschaft sollte schauen, dass die Lebenszyklen nicht immer kürzer sondern smarter werden und man Produkte nicht wegwirft sondern ihnen ein neues Leben schenkt oder deren Reste im Kreislauf weiter verwendet werden können.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: heutzutage sollte man flexibel sein, um im “Berufs”-Leben bestehen zu können.
  • Innovation: nur innovative und nachhaltige Unternehmen werden langfristigen Erfolg haben.
  • Anpassungsfähigkeit: nur wer anpassungsfähig ist, wird mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten können.
  • Kreativität: ist der Schlüssel der meisten Erfolge
  • Veränderung: kann oftmals eine Chance sein…
  • Angst: ist als Bauchgefühl ein nicht zu unterschätzender Ratgeber
  • Zukunft: sollte man als Chance wahrnehmen
  • Deutschland: sollte unternehmerfreundlicher werden
  • Ich: möchte gerne noch viele neue Projekte in inspirierenden Teams umsetzen
  • Beruf: sagt nur etwas darüber aus was jemand gelernt hat, nichts aber über die wahren Qualitäten einer Person

Wer JOBVERDE.de kennenlernen möchte, hat dazu am 25. April 2015 auf der women&work in Bonn Gelegenheit. Marcus Noack ist Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Wertschöpfung Mensch„, die gleich im Anschluss an die Keynote von Anja Förster stattfindet.

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