PowerTipp zum Wochenende: Gib Dir Erlaubnis!

Alles ist erlaubtDie letzten zwei Wochen habe ich mit meiner Familie in Florida verbracht. „Schön“, könnte man neidvoll denken, denn sofort erscheint bei den über 30-jährigen Serien-Junkies vermutlich das Intro aus „Miami Vice“ vor dem inneren Auge. Sonnengeflutete, von Palmen gesäumte Highways, fliegende Flamingos und schöne Frauen. Bis auf die fliegenden Flamingos ist das Bild auch nicht ganz unkorrekt, wenn auch sehr 80-er Jahre geschönt. Was uns allerdings als erstes auffiel, als wir mit einem völlig überteuerten Mietwagen den Miami International Airport verließen, waren die zahlreichen Gebotsschilder – immer versehen mit dem unübersehbaren Hinweis „It’s the Law“ oder einem „Florida Law“. Und wir sind – bis jetzt – überrascht, was für eine psychologische Wirkung diese beiden Sätze auf Freigeister wie meinen Mann und mich ausgeübt haben.

Wir waren schon beim Lesen des ersten Hinweisschildes nach wenigen Meilen auf der I95 erschrocken und zugegebenermaßen eingeschüchtert.

Natürlich ist uns klar, dass Vorschriften und Regeln wichtig sind, um Chaos und Anarchie zu vermeiden. Sie bilden einen wichtigen Rahmen, an der sich eine gesunde, demokratische Gesellschaft messen lassen kann und muss. Ein solcher Rahmen hilft, der Verschiedenartigkeit der Menschen eine gemeinsame Wertebasis zu geben, die Orientierung vermittelt und das Leben erleichtert. Regeln und Vorschriften setzen Grenzen, in deren Rahmen wir uns frei bewegen können, dürfen – und müssen!

Allerdings – und das ist mir in den letzten zwei Wochen sehr bewusst geworden – erleidet diese Freiheit erhebliche Dämpfer, wenn man an allen Ecken und Enden an Regeln und Vorschriften erinnert wird – und zwar nicht nur mit einem freundlichen Hinweis, sondern mit dem moralischen Fingerzeit und einer subtilen Drohung „Hältst du dich nicht an die Regel, gibt’s Ärger“. Es entsteht das Gefühl, der staatlichen Willkür ausgeliefert zu sein.

Nun waren wir nur 14 Tage in Florida und ich möchte mir kein Pauschalurteil anmaßen – aber ich habe sehr intensiv beobachtet, wie es mir persönlich ergangen ist. Die überall aufploppenden Erinnerungen an das „Florida Law“, verbunden mit einer übermächtigen Polizeipräsenz überall, haben mich nervös gemacht – und an vielen Stellen extrem aggressiv. Ich fühlte mich in meiner persönlichen Freiheit sehr eingeschränkt. Ich war nicht lange genug vor Ort, um eine gewisse Ignoranz und Dickhäutigkeit zu entwickeln, daher konnte ich beobachten, was das im Kopf bei mir auslöste: Ein Gefühl von Watte. Diese zwei Wochen waren tatsächlich der erste Urlaub in meinem Leben, in dem ich die Management-Bücher, die ich sonst in meiner freien Zeit mit echter Leidenschaft lese, nicht angefasst habe. Mein Mann und ich sind mit keiner neuen Idee nach Hause gekommen – ebenfalls ein völliges Novum.

It's the lawWir haben die Menschen vor Ort oft als sehr humorlos empfunden. Anders als in Kalifornien, das wir vor zwei Jahren vier Wochen lang bereisten, empfanden wir Florida als wenig innovativ und inspirierend. Nicht selten war eine unterschwellige Aggressivität zu spüren und es gab einige Situationen, in denen ich wirkliche tiefe empfundene Angst verspürte.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass ein starker Druck von oben – und ich glaube mittlerweile, es ist egal, ob der Druck vom Staat, Unternehmenslenkern/Führungskräften oder innerhalb der Familie von den Eltern auf die Kinder übertragen wird – dazu führt, dass wir uns vor lauter Angst vor dem Regelbruch und den sich daraus ergebenen Konsequenzen so sehr an die Regeln halten, dass wir vergessen, auch Sachen zu tun, die eigentlich nicht verboten sind. Wir haben Angst, unsere Ziele zu verfolgen, um ja nichts falsch zu machen, um niemanden zu verletzen oder selbst verletzt zu werden. An dieser Stelle verlieren wir unsere Autonomie und unsere Freiheit. Wir verlieren unsere Wünsche und Träume und die Kreativität unseres Denkens. Wir büßen einen Teil unserer menschlichen Würde ein. Das macht uns hilflos – und aggressiv.

Wir haben – und ich kann das zum ersten Mal mit einem echten Gefühl der Wertschätzung und einem tief empfunden Dank sagen – in Deutschland das große Glück, in einer freien Gesellschaft zu leben. Ja, es gibt Regeln, Gebote und Verbote. Aber sie geben uns die Chance, uns an ihnen zu messen, sich in ihrem Rahmen frei zu bewegen. Und wir haben eine so starke Demokratie, dass wir immer noch hinterfragen dürfen, ob bestimmte Regeln, Gebote und Verbote angemessen sind oder überarbeitet werden müssen.

WIR SIND FREI!

Deswegen denke ich, können wir uns manchmal ruhig einiges mehr erlauben, kritisch sein, Fragen stellen und hinterfragen. Schätzen wir die Freiheit, die wir haben, und machen wir uns dieses höchste Gut zu Nutze! Pflegen wir nicht länger die Konsensgesellschaft, in der wir drohen, uns bequem einzurichten, sondern bleiben wir mündige Bürger mit einer eigenen Meinung und eigenen Zielen, Wünschen, Visionen und Träumen.

Leben wir frei nach dem Motto: „Alles ist erlaubt. Nichts ist unmöglich. Was erlaube ich mir heute?“

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