PowerTipp: Heute ein Vorbild sein

VorbildDen heutigen Blogbeitrag möchte ich drei Personen des öffentlichen Lebens widmen: Angela Merkel, Josef Blatter und Anshu Jain – und durch sie stellvertretend auch allen anderen, die vergessen haben, was sie in ihrer (Macht-)Position in allererster Linie sind: Vorbilder.

Merkel, Blatter und Jain sind Menschen, die ganz offensichtlich Macht haben und Strukturen und Macht-Apparate beherrschen, die in meinen Augen immer intransparenter werden und sich zunehmend jener demokratischen Grundsätze und jenes menschlichen Miteinanders entziehen, mit dem ich groß geworden bin und die mir zu Schulzeiten von „Alt-68er-Lehrern“ eingetrimmt wurden.

Ich bin gerade sehr deprimiert, dass es so weit gekommen ist. Es wäre so einfach, die Schuld auf die zu schieben, die durch ihre Politik, ihr Handeln und ihre Kommunikation dafür gesorgt haben, dass ein demokratisches System aus den Fugen gerät, dass kaufmännische Grundsätze der Lächerlichkeit preisgegeben und menschliche und gesellschaftliche Werte mit Füßen getreten werden.

Und ja, ich denke, Merkel, Blatter und Jain sind – stellvertretend neben sehr vielen anderen Akteuren der derzeitigen (Welt-)Politik und (Welt-)Wirtschaft – Verursacher eines Systems, das unter verschiedenen Deckmänteln demokratische Prinzipien untergräbt und die Wirtschaft auf unsägliche Art und Weise korrumpiert – zum Schaden aller!

Dass diese Stellvertreter jedoch ein fragwürdiges System aufrechterhalten können, das haben wir, meiner Meinung nach, alle mit zu verantworten. Wenn wir eine Vorratsdatenspeicherung klaglos hinnehmen, wenn wir unser Konto immer noch bei der Deutschen Bank führen, wenn wir uns als Konsumenten und mündige Bürger blenden lassen von wilden Versprechungen, wenn wir nicht mehr wählen gehen, wenn wir aufhören, einen kritischen Geist zu pflegen und einen noch kritischeren Diskurs zu führen, dann müssen wir uns wirklich nicht wundern, dass eine wertvolle Wertebasis zugrunde geht.

Ich finde es beschämend zu sehen, wie groß die Bereitschaft geworden ist, sich von den immer wieder gezielt entzündeten Nebelkerzen einhüllen zu lassen. Warum ist das so? Weil das eigene Denken zu anstrengend geworden ist? Weil es in dem Wust an Tweets, Facebook-Nachrichten und „Live-Tickern“ zu ermüdend ist, die wirklich wichtigen Entwicklungen unserer Gesellschaft von dem unwichtigen Hintergrundrauschen zu trennen?

Dabei sind wir doch alle keine Unbeteiligten! Wir sind evolutionsgeschichtlich zwar nur Durchgangsreisende auf dieser Welt – aber welchen Fußabdruck hinterlassen wir denn gerade?

Was läuft schief, wenn Frau Merkel in jedem ZDF-Polit-Barometer unverdrossen ihren Beliebtheitsstatus verteidigen kann – trotz BND-Affäre, No-Spy-Abkommen, Maut, Vorratsdatenspeicherung und einem Nein zur Homo-Ehe?

Welchen Wert haben Recht und Gesetz, wenn Manipulation und Korruption so häufig nur mit einem Klaps auf die Finger bestraft werden und Männer wie Blatter oder Jain unantastbar scheinen – obwohl sie die herrschenden Skandale als Präsident bzw. Vorstand mit zu verantworten haben? Falls nicht ursächlich, dann doch zumindest aufgrund ihrer jetzigen Position!

Und zu welcher Bedeutungslosigkeit ist der Satz „Ich trage Verantwortung“ verkommen, wenn er immer wieder von Menschen gefaselt wird, die tatsächlich die Verantwortung für einen Missstand tragen – sich aber trotz dieser Verantwortung eben dieser nicht stellen? Stattdessen ergehen sie sich in verbaler Diarrhö und zeigen nicht selten wieder mit dem Finger auf andere oder entzünden eine neue Nebelkerze…

„Heute ein Vorbild sein“ heißt der heutige PowerTipp. Da die, die aufgrund ihrer (Macht-)Position und medialen Sichtbarkeit Vorbilder sein könnten, immer seltener auch welche sind, fällt die Verantwortung dafür zunehmend auf uns selbst zurück.

Und in Zeiten völliger Transparenz dank Facebook, Twitter, Google und vielen anderen Online-Kanälen, sind wir alle Vorbilder – ob wir wollen oder nicht. Jeden Tag, mit jedem Tweet, den wir absetzen, jedem Bild, das wir bei Facebook posten und jedem Kommentar und jeder eMail, die wir schreiben.

Weil wir die Empfänger nie sehen und unsere Follower auch gar nicht mehr alle persönlich kennen können, vergessen wir nur zu schnell, dass das, was wir äußern, von Menschen gelesen werden kann, die das, was wir tun – oder unterlassen – als Vorbild nehmen könnten für eigenes Tun oder Unterlassen.

Und ein Vorbild zu sein ist anstrengend. Jede/r der/die Kinder hat, weiß das. Einem Kind in einer irrationalen, korrupten Welt noch wirkliche Werte zu vermitteln, ist schwierig. Einem Kind zu erklären, dass ein bestimmtes Verhalten nicht rechtens oder sogar verboten ist, obwohl es von Personen des öffentlichen Lebens selbstverständlich (und oftmals ohne nennenswerte Konsequenz) trotzdem gelebt wird, ist ein buchstäblicher Tanz auf Messers Schneide: Wessen Wort und Verhalten wird irgendwann mehr wiegen? Das der Eltern, das einer Peer-Group, die Informationen nur noch schluckt, aber nicht mehr kaut und verdaut – oder das der Menschen mit (medialer) Macht?

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, eine Vision für das eigene Leben zu haben und sich Gedanken darüber zu machen, welchen individuellen Fußabdruck jede/r von uns auf dieser Welt hinterlassen möchte.

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, eine klare Wertehaltung zu haben, Recht und Unrecht zu erkennen und zu leben – auch wenn zunehmend rechtschaffende Vorbilder im öffentlichen Leben fehlen.

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, Verantwortung zu tragen und für das, was wir tun oder nicht tun, gerade zu stehen. Für die Art und Weise wie wir leben, konsumieren und kommunizieren.

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, sich seiner eigenen Fehlbarkeit in einer schnelllebigen Welt bewusst zu sein und Demut als Korrektiv zu nutzen.

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, sich der eigenen Menschlichkeit bewusst zu werden und trotz aller Virtualität, die unser Leben umgibt, nicht zu vergessen, dass Wertschätzung, Empathie und Menschenliebe unsere Kommunikation leiten sollten – gerade weil wir die Empfänger unserer Nachrichten sehr oft nicht sehen, hören oder kennen.

Heute ein Vorbild zu sein bedeutet, nachhaltig zu handeln und zukunftsorientiert zu denken, damit unsere Kinder und deren Nachkommen noch (oder wieder) eine lebensfreundliche Welt bewohnen können.

Heute ein Vorbild zu sein ist eine bewusste Lebensaufgabe!

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2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel und Ja, Ja und nochmals Ja. Zu dem Thema mediale Präsenz fällt mir ein weiterer Punkt ein. Die von uns gewählten Vertreter trauen sich nicht etwas zu sagen oder zu ändern, da es sofort kommentiert, verteilt, be- und verurteilt wird. Und sich Kritik zu stellen in Zeiten, in der jede Wählerstimme zählt, die erreichte Position gefährdet, … wer von unseren Politikern und Verantwortlichen macht das denn noch. Was im Umkehrschluss übrigens für uns „Konsumenten“ auch bedeutet, nicht sofort jeden Ausrutscher oder neuen Gedanken durch den medialen Kakao zu ziehen sondern Änderungen zu wollen, zu fordern und mitzutragen.

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