PowerTipp: Arbeite mit den Zutaten, die Du hast!

RezepteGestern morgen las ich in der WELT einen Artikel über Steve Dagworthy. Der Mann war mir bis dato gänzlich unbekannt und als ich den Titel las, verdrehte ich erst die Augen: „Ex-Knacki berät angehende Häftlinge“ stand dort in bester BILD-Manier. Dennoch war meine Neugier geweckt und ich lernte, Mr. Dagworthy erklärt seinen Kunden – unter ihnen viele Banker (ein Schelm, wer Böses dabei denkt…) – was sie im Gefängnis erwartet. Mit seiner Firma „Prison Consulting“ hat er eine Nische gefunden. Ich war und bin immer noch fasziniert! Steve D. ist ein perfektes Beispiel dafür, mit den Zutaten zu arbeiten, die einem das Leben in die Hand gibt.

Auf der Webseite von Prison Consulting heißt es: „Our consultants, both male and female, have experience of prison life from ‘behind the door’, They are graduates of the prison system, ex offenders who are able to offer words of wisdom based on real experience.

Das Konzept ist so einfach wie genial: Ehemalige Delinquenten beraten nun solche, die den Ausblick durch Gitterstäbe noch vor sich haben. Bezeichnet werden sie bei Prison Consulting nicht als „Knastbrüder (oder -schwestern)“, sondern sie haben als „Graduates of the prison system“ eine Transformation der besonderen Art durchlaufen und können als „Consultants“ arbeiten. Ich lasse mir das seit Stunden auf der Zunge zergehen und finde diese Form der „Schicksals-Manipulation“ geradezu genial!

Diese etwas andere „Vom-Tellerwäscher-zum Millionär“-Variante ist unvorstellbar, setzen wir unsere bisherigen moralischen Grundsätze an, basierend auf den Erfahrungen und dem Wissen: Wer einmal vom richtigen Weg abkommt, hat vom Leben nicht mehr so viel zu erwarten. Hartz IV und Sozialhilfe sind die „Best-Case-Szenarien“, ein Dauerverbleib in der (Klein-)Kriminalität die wahrscheinlichste anzunehmende Regularität.

Prison Consulting verdreht jedoch die Vorzeichen: Eine negative Erfahrung, die unter „normalen“ Umständen zur Gesellschaftsächtung führt, ist für diese, die der Ächtung gerade die Stirn bieten müssen, eine positive Erfahrung, von der sie lernen und im besten Fall ihren eigenen Verbleib hinter Gittern besser vorbereiten und überstehen können. Ist das verwerflich? Für die Betroffenen sicherlich nicht!

Das Beispiel von Steve Dagworthy zeigt, dass jede Erfahrung – egal ob gut oder schlecht – die Grundlage für eine Marktnische sein kann. Mr Dagworthy wird als Ex-Häftling nie wieder in seinem originären Beruf des Brookers arbeiten können. Sein Fall vom angesehenen Banker in der City of London zu einem Sträfling kam aus großer Höhe. Unter den Kriminellen hat er quasi eine Art „Quereinstieg“ hingelegt und war entsprechend unvorbereitet. Diese Erfahrung hat ihn gelehrt und er war kreativ und innovativ genug zu erkennen: So wie ihm, geht es anderen auch. „Consulting-Angebote“ in diesem Bereich fehlten offensichtlich und in diese Lücke ist er nun hineingesprungen. Und das laut Artikel in der WELT, mit großem Erfolg. Verwundert bin ich nicht…

Was kann uns dieses Beispiel lehren? Sehr viel, wie ich finde. Allem voran steht die Erkenntnis: Nichts ist unmöglich. Die Barrieren, die wir vermuten, sind oft nur Barrieren in unseren eigenen Köpfen. Trauen wir uns, die Barrieren gedanklich zu durchbrechen, wird plötzlich vieles möglich. Jede Erfahrung, die wir durchlebt haben, macht uns zu individuellen Expertinnen und Experten in einem ganz speziellen Sektor. Basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen und dem, was wir durchlebt haben, sehen wir oft viel besser, an welchen Stellen Beratungs- oder Dienstleistungsbedarfe entstehen.

Ein Handtaschen-Raub im Urlaub macht uns zwar noch nicht zu VersicherungsexpertInnen für Handtaschendiebstähle im Ausland. Aber jede Erfahrung, der wir dauerhaft oder schockhaft ausgesetzt waren oder sind, verändert uns – mal radikal, mal schleichend. Oft lässt sie uns in unsägliche Tiefen der eigenen Psyche hinabblicken. Dieser Anblick ist selten schön und fast immer sehr schmerzhaft. Am Beispiel von Sheryl Sandberg und ihrer offen ausgelebten Trauer wird das gerade deutlich. Ihr Umgang mit dem Verlust ihres Mannes ist – bei aller Tragik – inspirierend für andere, weil sie aus den Zutaten, die ihr das Leben gerade in die Hand gibt, beherzt versucht, ein neues Rezept zu kreieren. Diesen Prozess teilt sie und – zumindest für Außenstehende – wird in ihrem Facebook-Post deutlich, dass sie schon jetzt beginnt, Missstände zu erkennen und Bedarfe zu analysieren. Es würde mich nicht wundern, wenn wir von ihr irgendwann ein weiteres Buch in der Hand halten, wo sie diese Erfahrungen pro-aktiv verarbeitet.

Aber letztlich braucht es nicht immer disruptive Lebensveränderungen, um neue Lebensrezepte zu kreieren. In weniger dramatischen Fällen reicht es

  • neugierig und offen zu bleiben,
  • mutig zu sein,
  • die eigene Komfortzone zu verlassen,
  • den Status Quo zu hinterfragen,
  • in neuen (anderen) Zielgruppen zu denken,
  • die eigenen Kompetenzen durchzuschütteln und anders/neu zusammenzusetzen,
  • innere und äußere Barrieren abzuschütteln,

um neue Wege gehen zu können. Unser eigenes Leben gibt uns die Zutaten in die Hand. Welche Rezepte wir daraus kreieren und welche uns dann letztlich schmecken, entscheiden wir – und nur wir alleine!

 

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