PowerTipp: „Aber“ ist ein Motivationsblocker

Und statt aberVielleicht haben Sie diesen Tipp auch schon gehört „Nutzen Sie ‚und‘ statt ‚aber‘“. Gerade in einigen anglo-amerikanischen Management-Ratgebern taucht diese Empfehlung immer mal wieder in der ein oder anderen Form auf. Ich muss gestehen, dass ich bis vor wenigen Tagen mit diesem Rat wenig anfangen konnte, denn die englische Sprache ist, so finde ich, leichter modulierbar als die deutsche. Ich fand es schwierig, diese Übung sprachlich umzusetzen und habe die Erfahrung auch im Rahmen meines Lehrauftrags bei Studierenden gemacht. Das Unverständnis war groß und die Handhabbarkeit in der praktischen Umsetzung gering. Im Rahmen einer Ausbildung, die ich gerade mache, habe ich jedoch eine Erkenntnis dazu gewonnen, die mir jetzt hilft, das kleine Wort „aber“ bewusster zu nutzen – oder eben auch nicht zu nutzen.

Wir alle kennen und nutzen Sätze wie: „Ich würde das ja gern machen, aber…“ oder „Es wäre toll, wenn das ginge, aber…“. Das kleine Wörtchen „aber“ klingt nach Faulheit, Lethargie und billigen Ausreden – und nicht selten, steckt ein Fünkchen Wahrheit dahinter. Denn wenn wir darauf achten, nutzen wir das „aber“ häufig dann, wenn es darum geht, Dinge zu ändern, Dinge anders zu tun oder bei uns selbst ein Muster durchbrechen zu wollen oder zu müssen.

„Aber“ ist wie ein individueller kleiner Schutzschild, der uns vor zu viel Disruption in unserem Leben bewahrt. Das ist nicht verkehrt, wenn wir das „aber“ einsetzen, indem wir z.B. anstelle von „Ich würde gern den ungeliebten Job wechseln, aber ich kann meine Kollegen nicht mit dem idiotischen Chef alleine lassen“ sagen: „Ich spiele mit dem Gedanken, den Job zu wechseln, weil er mir keinen Spaß macht, aber ich möchte mir sicher sein, dass ein Jobwechsel die Lösung für mein Problem mit dem idiotischen Chef ist.“

Im ersten Aber-Satz werden die potenziellen Interessen anderer vor eine Entscheidung geschoben – im zweiten Satz wird das aber bewusst eingesetzt, die eigenen Überlegungen in Bezug auf das eigene Problem zu reflektieren. In diesem Fall schützt ein „aber“ vor vorschnellen Entscheidungen, die man im Nachhinein vielleicht bereut.

Das „aber“ hat jedoch eine starke motivationsblockende Wirkung, die nicht zu unterschätzen ist. Träumt man zum Beispiel von einem tollen neuen Traumjob und setzt dahinter ein „…aber so einen Job gibt’s ja eh nicht“, hebt das „aber“ den vorher gehegten Traum auf. Er platzt gedanklich und emotional wie eine Seifenblase. Die Motivation und das Kribbeln der Vorfreude auf den Traumjob ist sogar schon dann weg, wenn wir uns einen solchen Satz nur vorstellen.

Und genau darin liegt das Problem vom Wort „aber“: „Aber“ drosselt Motivation, „aber“ revidiert, negiert und tötet Wünsche, Träume und Ideen. „Aber“ unterbindet jede Form von Kreativität und hat damit rational und emotional eine vergiftende Wirkung.

Anders verhält sich das, wenn man das „aber” im Anschluss an eine negative Aussage bringt, z.B. „Ich habe einen idiotischen Chef, aber meine Kollegen sind einsame spitze”. In diesem Kontext wiegen die großartigen Kollegen rational und emotional viel stärker als der idiotische Chef. Im deutschen Sprachgebrauch ist es also nicht notwendig, auf das Wort „aber“ zu verzichten. Entscheidend ist vielmehr, dass wir es wohldosiert an der richtigen Stelle einsetzen.

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