Tomaten vom Mars

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Die Idee eines „Floating Greenhouse“

Dass die EXPO 2015 in Mailand viel Sinnfreies und noch mehr Ärgerliches zu bieten hatte, habe ich hier bereits ausführlich dargestellt. Ein Länderpavillon jedoch hat uns überzeugt. Unsere Nachbarn, die Niederländer, haben verstanden, worum es bei der EXPO geht: Das Vorstellen innovativer Zukunftskonzepte. Und dass das nicht mit elendig viel Text, hochwissenschaftlich und abstrakt geschehen muss, sondern bodenständig und greifbar sein darf, haben sie auf der EXPO in Mailand bewiesen und bekommen von uns die Top-Note „exzellenter Auftritt, spannende Zukunftsvisionen“.

Ein Satz, der mir haften geblieben ist: „The Dutch dare to dream and make it possible„. Und ich glaube, davon können wir Deutschen uns eine gehörige Portion abgucken. Was steckt hinter dem Satz? Eine Vision!

Visionen sind notwendig, um Innovationen überhaupt erst blühen lassen zu können. Wenn wir – auch als Nation – keine Visionen und keine Träume von einer anderen, (besseren) Zukunft haben – in welche Richtung sollen wir dann innovieren? Welche Zukunft soll besser oder anders gestaltet werden, wenn wir uns keine erträumen? Das, was an Innovationen herauskommt, wenn keine Träume und Visionen dahinter stehen, sind bestenfalls Verbesserungen, also inkrementelle Innovationen. Die bringen uns in Zeiten radikaler Veränderung aber nicht weiter!

Wovon also träumen die Niederländer? Ihre Träume muten unverschämt an – aber sie sind ambitioniert und basieren auf heutigen konkreten Mängeln, die in der Zukunft behoben werden sollen.

Hier ein paar Beispiele zur Inspiration:

Da Süßwasser immer knapper wird, arbeiten die Niederländer an der Entwicklung Salz-toleranter Nutzpflanzen. Eine geschmacksvolle und nahrhafte Kartoffelsorte, die Salzwasser-tolerant ist, gibt es bereits. Die Kalifornier dürfte das in Zukunft freuen! Die Bauern, deren Felder zur Zeit brutal ausdürren, hätten eine realistische Perspektive.

20150624_122446Aufgrund der zunehmenden Dürre und des Wassermangels in vielen Ländern der Erde arbeiten die Niederländer an alternativen Nahrungsressourcen. Eine Möglichkeit wäre der Verzehr von Algen anstelle von Fleisch oder der Genuß von Seegras, um Gemüse zu ersetzen. Erste Produkte gibt es bereits – und Neugierige konnten auf der EXPO einen Hamburger probieren, dessen Brot aus Seegras bestand. Wir waren neugierig genug – genau deswegen sind wir ja auch auf die EXPO gekommen – und dieser Hamburger schmeckte richtig gut!

20150624_123645Und auch das Thema „Industrie 4.0“ beschäftigt die Niederländer. Allerdings fokussieren und spezialisieren sie sich hier auf die Entwicklung von Robotern, die als Erntehelfer eingesetzt werden können.

20150624_122837Doch die Niederländer arbeiten nicht nur an der Lösung konkreter terrestrischer Probleme. Auch interstellar habe sie Visionen und träumen von einem Leben auf dem Mars. Das wird jedoch, so haben sie folgerichtig erkannt, erst möglich sein, wenn auch die Ernährung der Menschen vor Ort gesichert ist. Daher forscht die Universität Wageningen an der Kultivierung von Pflanzen auf dem Mars. Und sie sind sicher: Innerhalb der nächsten 10 Jahre haben sie „Tomaten vom Mars“.

20150624_122718Der niederländische Pavillion, der übrigens mehr einer Zeltstadt glich und erfrischend nachhaltig und wenig ausladend und pompös hergerichtet war, hatte noch viel mehr solcher Beispiele zu bieten. Wir saugten die Inspiration dort auf und haben uns gefragt, wie ein doch recht kleines Land an so vielen, wirklich innovativen Ideen arbeiten kann und dabei so überaus erfolgreich ist. Auf des Rätsels Lösung stießen wir, als wir den niederländischen Ausstellungsbereich verließen und am Außenbereich entlang gingen. Dort sahen wir dann die folgende mannsgroße Informationstafel:

20150624_125054Der „Dutch Way“ besteht aus drei recht simplen Zutaten:

  • Der Erkenntnis, dass 1+1=3 ergibt: Zusammenarbeit und Kooperation auf nationaler und internationaler Basis dient den Niederländern konsequent als Erfolgsrezept.
  • Das Teilen von Informationen ist ein integraler Teil der niederländischen Kultur.
  • Erfahrung  und Lernen aus vielen Jahrhunderten: Das Leben auf einem Fleckchen Erde, das unter dem Wasserspiegel liegt, erfordert seit jeher kluge, kreative und effektive (Alltags-)Lösungen.

Wie schon gesagt: Von den Niederländern und ihrem „Dutch Way“ können wir uns einiges abgucken!

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