[Futability®-Tipp] 5 Schritte wie aus Konflikten Chancen werden |#Diplomatie

Konflikt als ChanceAuf dem Blog von Christina Wenz läuft zurzeit eine Blogparade zum Thema „Konflikt als Chance“. Das Thema hat mich angesprochen, aber ich konnte viele Tage lang nicht so richtig erfassen, was ich mit dem Thema anfangen soll bzw. welche Schlüsse ich selbst daraus ziehen kann. Heute nun, endlich, hatte ich einen Geistesblitz, den ich gern teilen möchte.

Das Wort Konflikt kommt aus dem Lateinischen „confligere“, was so viel heißt wie „zusammentreffen, kämpfen“. Und ich glaube, allein hier beginnt schon das erste Problem mit dem Wort als solches: Wenn ein Konflikt als „Kampf“ zwischen zwei unterschiedlichen Interessen gesehen wird, kann es nur um „Sieg“ oder „Niederlage“ gehen. Das ist das, was die Menschheitsgeschichte uns gelehrt hat. (Kriegerische) Konflikte entstehen, weil es eine scheinbare Unvereinbarkeit zwischen zwei Parteien gibt, die sich im schlimmsten Fall wie zwei Kampfhähne gegenüberstehen und aufeinander losgehen.

In diesem Szenario liegt erst einmal keine Chance. Beziehungsweise hat in diesem Szenario nur die Partei eine Chance, die cleverer, geschickter, stärker, mächtiger oder klüger ist, denn zumindest der Klügere gibt nach und geht einer Auseinandersetzung aus dem Weg. Aber ist das eine wirkliche Chance? Wer klug ist und einer Auseinandersetzung aus dem Weg geht, gibt unter Umständen seine eigene Position, seine eigene Wertehaltung, seine eigenen Überzeugungen auf. Das empfinde ich nicht als Chance, sondern als eine sehr bittere Niederlage mit langfristigen Nach- und Nebenwirkungen.

Also wie und wo entsteht aus einem Konflikt eine Chance? Aus meiner persönlichen Sicht durch diese 5 Schritte:

  1. Kein Konflikt, sondern ein Unterschied:
    Wenn wir unterschiedliche Interessen, Meinungen, Haltungen oder Werte zuerst einmal nicht als „Konflikt“ betiteln, sondern möglichst wertneutral als das betrachten, was sie tatsächlich sind: vielfältige Unterschiede, mit denen ich nicht übereinstimme. In diesem Moment entfällt die Kampfhaltung, die in dem Wort „Konflikt“ mitschwingt.
  2. Ich und die anderen – die anderen und ich:
    Nehme ich Unterschiede bewusst wahr und erkenne ich an, dass meine Haltung von anderen an einem bestimmten Punkt nicht geteilt wird, besteht der nächste Schritt darin anzuerkennen, dass die anderen das gleiche Recht und die gleiche Freiheit haben, auch meine Haltung nicht teilen zu müssen.
  3. Neutralität wahren
    Unterschiedliche Haltungen, Meinungen und Werte sind noch kein Verbrechen, solange sie die Persönlichkeitsrechte von Menschen nicht verletzen oder mit Gewalthandlungen verknüpft sind. Unterschiede werden immer dann zum tatsächlichen Konflikt, wenn wir sie positiv oder negativ bewerten, wenn wir ein „gut“ oder „böse“, ein „richtig“ oder „falsch“ dahinter setzen. Denn in diesem Moment verlieren wir nicht nur unsere eigene Neutralität – auch der Boden, auf dem wir uns mit den anderen bewegen ist ebenfalls keine neutrale Zone mehr.
  4. Emotion vs. Bedürfnis
    Können wir unsere Neutralität wahren, wird unterschiedlichen Haltungen, Meinungen, Werten und Ansichten die Emotionalität genommen. Das heißt nicht, dass wir nicht emotional betroffen sind – aber wir sind leichter in der Lage, unsere eigenen Emotionen in Schach zu halten und einer Situation die „Hitzigkeit“ zu nehmen, die schnell zur Eskalation (verbal oder handgreiflich) führen kann. Wir können dann sehr viel freier schauen, welche Bedürfnisse die Menschen, Parteien oder Gruppen mit den Werten, Handlungen oder Haltungen verbinden, die mit meinen eigenen so konträr laufen.
  5. Bilanzieren
    Vielleicht ergeben sich durch das Betrachten der Bedürfnisse Gemeinsamkeiten, die eben nur auf unterschiedliche Art und Weise befriedigt wurden. Ist das der Fall, kann auf Basis der gemeinsamen Bedürfnisse eine Annäherung stattfinden. Vielleicht kann man sich gemeinsam auf neue Strategien oder einen sinnvollen Mittelweg einigen. Die Chance auf Gemeinsamkeiten wächst!
    Kommt man zu dem Schluss, dass auch die Bedürfnislage völlig unterschiedlich ist, wird – auf geschäftlicher oder privater Ebene – eine Kooperation oder Zusammenarbeit vermutlich wenig Sinn machen. An dieser Stelle können beide Seiten dann „konfliktfrei“ auseinandergehen. Niemand hat das Gesicht verloren.
    Auf politischer und gesellschaftlicher Ebene hingegen wäre aus meiner Sicht genau jetzt der Zeitpunkt gekommen entweder über Formen der Ko-Existenz nachzudenken oder sich über mögliche neue Bedürfnisse, Werte und Ziele zu verständigen. An dieser Stelle greift die Kunst der Diplomatie – und die Fähigkeit des kreativen und visionären Denkens. Auch hierin liegen viele Chancen!
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2 comments

  1. Liebe Melanie, ich freue mich sehr, dass Dich die Blogparade angesprochen hat und dass Du dabei bist 🙂 Dein Artikel gefällt mir sehr gut und Deine 5 Schritte sind klasse! Herzlichen Dank und liebe Grüße, Christina Wenz

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  2. Liebe Melanie, ich freue mich riesig, dass Dich die Blogparade angesprochen hat und dass Du dabei bist. Dein Artikel gefällt mir sehr gut und Deine 5 Schritte sind wirklich toll! Herzlichen Dank und liebe Grüße, Christina Wenz

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