Interview: „Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“ |#Kreativität | #Lernen | #Gedächtnisweltmeisterin

Bild: Nils Schwarz
Bild: Nils Schwarz

Lebenslanges Lernen ist eine der Hauptanforderungen in der „Arbeitswelt 4.0“ und Kreativität eine der wichtigsten Kompetenzen in einer veränderungsreichen Welt. Lernen und Kreativität erfordern eines: Die Nutzung unseres Gehirns und das Trainieren der gruaen Massen zwischen unseren Ohren. Die Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger gibt in diesem Interview Tipps, wie wir unser Gehirn zur Höchstleistung animieren können. Ein Exemplar ihres Buches „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt“ gibt es heute zusätzlich zu gewinnen.


NAME: Christiane Stenger
BERUF: Gedächtnistrainerin
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: zuvorkommend, spontan und unkompliziert
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: Meine eigene Gedächtnis-App
Meine Lieblingswebseite: www.memocamp.de
Meine eigene Webseite: www.christianestenger.de

Frau Stenger, Sie sind mehrfache Gedächtnisweltmeisterin. Ich habe Tage gebraucht, bis ich mir meine eigene Telefonnummer merken konnte und finde auswendig lernen ziemlich blöd. Das geht Ihnen offensichtlich nicht so. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Die Gedächtnistechniken, mit denen ich arbeite, haben nichts mit auswendig lernen zu tun. Es geht immer darum, sich Bilder vorzustellen und sich Verknüpfungen und lustige Bilder und Geschichten zu überlegen.

Ist Ihre Gedächtnisleistung eine einmalige Begabung oder könnten wir alle unser Gehirn zu solchen Höchstleistungen trimmen? Wenn ja, was sollten wir dafür tun?
Jeder kann die Techniken lernen und das schöne ist, es macht auch noch Spaß! Versuchen Sie sich einfach immer Bilder vorzustellen und Verknüpfungen zu bereits bekanntem Wissen herzustellen, wenn Sie sich etwas merken möchten. Wenn Sie sich zum Beispiel den Namen von Frau Bach merken möchten, stellen Sie sich vor wie Frau Bach über einen Bach springt oder Bach-Sonaten liebt.

Sie haben ein Buch über das Gehirn veröffentlicht – gewissermaßen eine Gebrauchsanweisung für die graue Masse zwischen unseren Ohren. Was sind denn die aus Ihrer Sicht wichtigsten drei Punkte, die zu beachten sind, damit wir unser Gehirn auf eine leistungsfähige Betriebstemperatur bekommen?
Ausreichend Schlaf und genug Wasser zu trinken, steht für mich da tatsächlich an erster Stelle.
Finden Sie kleine Rituale, die Ihr Hirn aufs Arbeiten einstimmt. Meine Lieblingstechnik um sich gut konzentrieren zu können, ist die Pomodoro-Technik. Stellen Sie dazu einfach Ihren Handy-Timer auf 25 Minuten. In dieser Zeit dürfen Sie sich nur auf Ihre Arbeit konzentrieren und sich nicht von Handy, Mails oder dem Internet ablenken lassen, soweit dies in Ihrem Job möglich ist. Ist die Zeit abgelaufen, dürfen sie fünf Minuten wieder entspannen und dann startet die nächste Pomodoro- Einheit. Nach drei bis vier Runden gibt es dann natürlich eine längere Pause.

Unser Gehirn liebt Muster und wir brauchen die Muster auch, um die Komplexität zu reduzieren. Andererseits sind wir heute ohne lebenslanges Lernen und bewusstes Ver-Lernen kaum noch wettbewerbsfähig. Wie können wir unser Gehirn dazu motivieren, aus Mustern auszubrechen?
Das Wichtigste ist zunächst, sich der eigenen Muster überhaupt bewusst zu sein und mögliche Probleme in der eigenen Arbeitsweise zu erkennen. Danach gilt es, Lösungen und neue Ansätze zu finden und dran zu bleiben. Es dauert nämlich eine Zeit, bis sich neue Gewohnheiten oder Muster etablieren. Stellen Sie sich Ihre Zukunft immer bildlich vor, um sich zu motivieren.

Die Struktur unseres Gehirns ist ja schon ein paar Zehntausend Jahre alt – und ist gerade in den letzten Jahren und Jahrzehnten einer echten Bewährungsprobe unterzogen worden, denn unsere Welt ist nicht nur schnelllebig geworden, sondern auch von Informationen überflutet. Kann sich unser Gehirn überhaupt so schnell anpassen, wie sich unsere Welt verändert?
Im Prinzip ja! Beobachten Sie mal die heutigen Erstklässler, wie die bereits mit den digitalen Errungenschaften umgehen! Diese Kinder wissen dafür allerdings nicht mehr, wie man ein Telefon benutzt oder eine Videokassette einlegt. Aber auch unser Gehirn ist ständig im Wandel. Es wird so, wie wir es benutzen. Man spricht hier von neuronaler Plastizität. Es ist nie zu spät, Neues zu lernen oder sich an neue Gegebenheiten anzupassen.

Viele Menschen stresst die Schnelllebigkeit enorm und selbst wenn ihr Körper zwischendurch Pause kommt – das Gehirn „schaltet nicht ab“ und rotiert weiter. Was hilft, in stressigen Situationen Ruhe in den Kopf zu bekommen?
Das wichtigste ist, Abstand zur Situation zu bekommen und auch Bewegung hilft in jedem Fall, um Stress abzubauen. Gehen Sie also kurz spazieren, holen Sie sich einen Kaffee oder atmen Sie kurz tief durch. Meditation kann langfristig dabei helfen, weniger Stress zu haben. Denn Stress ist eine subjektive Empfindung.

Wenn wir den Stress im Kopf in den Griff bekommen haben, können wir auch wieder kreativ werden. Bitte geben Sie uns doch zum Abschluss drei praktische Tipps, wie wir unser Gehirn für mehr Kreativität am Arbeitsplatz trainieren können.

  1. Geben Sie sich zu Beginn nie mit der ersten Idee zufrieden, sondern suchen Sie so oft es geht auch nach anderen Lösungen.
  2. Nachdem Sie über Ihr Problem gegrübelt haben, beschäftigen Sie sich mit etwas ganz anderem oder schlafen Sie die eine berühmte Nacht darüber. Ihr Gehirn wird Ihnen eine Lösung oder Idee von ganz alleine präsentieren.
  3. Falls Ihnen gar nichts einfällt, tippen Sie mit dem Finger einfach zufällig auf ein Substantiv in einer Tageszeitung und versuchen Sie dieses Wort mit Ihrem Problem in Verbindung zu bringen, um alte Muster zu verlassen und auf neue kreative Ideen zu gelangen.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: hilfreich
  • Innovation: immer gut
  • Anpassungsfähigkeit: Neuronale Plastizität
  • Kreativität: trainierbar
  • Veränderung: ist nicht aufzuhalten
  • Angst: Haben Sie möglichst wenig davon!
  • Zukunft: Wird kommen!
  • Deutschland: Herausforderungen
  • Ich: Tollpatsch
  • Beruf: Den liebe ich!

 

Das Buch:

stenger-hirn-vs.inddChristiane Stenger
Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt

Verlag: Campus Verlag
ISBN-13: 978-3593500126

>> Buch bestellen

 

 

 

 

 

 

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