Interview: „Die Kunst des sanften Siegens“ | #Diplomatie | #Softskill | #Charakter

Gerlinde Manz-christ1„Mit einer geballten Faust kann man keinen Händedruck wechseln“, hat Indira Ghandi einmal gesagt un damit sehr treffend beschrieben, dass Aggression keine Nähe herstellen kann. Diplomatie – die Kunst des sanften Siegens – führt viel eher zu einem gewünschten Ergebnis. Wie das gelingen kann, sagt die Buchautorin und Diplomatie-Expertin Gerlinde Manz-Christ in diesem Interview. Ein Exemplar ihres Buches gibt es – wie immer an dieser Stelle – zu gewinnen.

NAME: Dr. Gerlinde Manz-Christ
BERUF: Diplomatin für Wirtschaft und Politik
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: gewinnend – verbindend – sinnstiftend
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: mein iPhone / SPON
Meine Lieblingswebseite: www.iceland.is
Meine eigene Webseite: www.manz-christ.com und www.sanft-siegen.com

Frau Manz-Christ, in Ihrem aktuellen Buch „Die Kunst des sanften Siegens“ vergleichen Sie Bill Clinton mit Angela Merkel. Was hat Ihr Vergleich zutage gefördert?
Zwei Dinge: Mir ist wieder bewusst geworden, wie wichtig es ist, dem ganzen Menschen zu begegnen und nicht nur die Rolle zu sehen, die jemand einnimmt. Und um wertvolle zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, ist es nicht nötig, sich stundenlang mit jemandem zu beschäftigen. Es genügen manchmal schon ein paar Sekunden echter, ungeteilter Aufmerksamkeit und der Kontakt ist hergestellt. Das gilt nicht nur für führende Politiker, sondern auch für die Führung von Unternehmen. Mir fallen meist zwei verschiedene Arten von Führungskräften auf: Es gibt jene, die mit einem Tunnelblick durch die Gänge laufen, ihre Mitarbeiter gar nicht wahrnehmen und sich für den Rest des Tages in ihrem Büro verschanzen. Und dann gibt es auf der anderen Seite jene Unternehmer, die zu jeder möglichen Gelegenheit den Kontakt zu ihrer Belegschaft suchen. Indem sie einen Mitarbeiter für einen kurzen Moment als Menschen sehen und ihm ihre gesammelte Aufmerksamkeit schenken, sorgen sie auf die Dauer für mehr Verbundenheit und eine positivere Grundstimmung am Arbeitsplatz als es so manches teure Motivationsseminar erreichen könnte.

Sie sind der Meinung, mit Diplomatie erfolgreich sein zu können. Was sind denn Ihrer Meinung nach die Erfolgskomponenten diplomatischen Handelns?
In meinem Buch beschreibe ich 10 Prinzipien, die Diplomaten für erfolgreiches Arbeiten anwenden. Diese Erfolgskomponenten für gute Kommunikation und langfristige, haltbare Beziehungen sind unter anderem: Immer das große Ganze sehen und nicht nur eine einzelne Perspektive, den anderen das Gesicht wahren lassen und persönliche Kommunikation. Häufig eilt der Diplomatie der falsche Ruf voraus, weichgespült zu sein und um den heißen Brei herumzureden. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Diplomaten können und müssen oft klar in der Sache sein und sind es auch. Den entscheidenden Unterschied macht hier die Kommunikation, und genau davon können sich meines Erachtens viele Menschen etwas abschauen. Diplomaten bedienen sich eines eleganten Tons und sind im Umgang achtsam. Wenn Sie jemanden auf Ihre Seite ziehen wollen, bringt es schließlich wenig, wenn Sie ihn mit harschen Worten vor den Kopf stoßen. Viel gewinnbringender für beide Seiten ist es, wenn jeder sein Gegenüber vor allem als Mensch wahrnimmt und sich bemüht, die jeweiligen Gedanken und Bedenken zu verstehen und in die eigenen Überlegungen mit einzubeziehen. Auf diese Weise können wir eine Umgebung schaffen, in der letztlich alle gewinnen oder zumindest nicht ihr Gesicht verlieren.

Sie schreiben in Ihrem Buch: „Wo Wirtschaft Krieg ist, gibt es am Schluss nur Verlierer“. Wie können wir denn wieder mehr Frieden in die Wirtschaft bringen?
Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik und der Gesellschaft zeigt sich eine wachsende Verrohung der Sprache. Kriegsmetaphern beschreiben inzwischen ganz normale Zusammenhänge und tagtäglich können wir von Politikern oder Unternehmern lesen, dass sie sich verbale Gefechte geliefert haben. Was wir in diesen Zeiten brauchen, ist eine Rückbesinnung auf ein respektvolles Miteinander, unabhängig davon, ob es sich um Mitarbeitende, den Chef, einen Kunden, den Konkurrenten oder die Umwelt handelt. Denn Respekt ist die notwendige Basis jeder sozialen Einheit. Wenn wir unserem Gegenüber nicht mit einer Grundhaltung des Wohlwollens begegnen kann kein Team, ob im beruflichen oder privaten Bereich, auf Dauer funktionieren. Das gilt nicht nur für „analoge Einheiten“, sondern auch für Beziehungsgeflechte, die über digitale Medien und soziale Netzwerke bestehen. Gegenseitiger Respekt fördert Lebensqualität, Wohlbefinden und Gesundheit – also genau das, was viele Menschen derzeit in Unternehmen und anderen Organisationen vermissen und sie emotional wie physisch erkranken lässt.

Ihrer Meinung nach schlagen langfristige Beziehungen den kurzfristigen Erfolg. Viele Manager mögen dagegenhalten mit dem Totschlagargument „Für Langfristigkeit haben wir keine Zeit.“ Was antworten Sie ihnen?
Das ist vergleichbar mit der Geschichte des Holzhackers, der sich erfolglos bemüht einen Baum mit einer stumpfen Axt zu schlagen. Auf die Empfehlung er solle doch seine Axt schleifen, um schneller und müheloser an sein Ziel zu gelangen, antwortet er „Zum Schleifen habe ich keine Zeit. Ich muss doch den Baum fällen!“ Das eine geht nicht ohne das andere. Fast jeder Unternehmer oder Manager war schon einmal in einer Situation, in der er sich sagte: Jetzt müsste ich dort jemanden kennen! Solche Kontakte knüpfen sich jedoch nicht über Nacht. Die meisten Menschen, die immer zur richtigen Zeit die richtigen Ansprechpartner kennen haben jahrelang, manchmal jahrzehntelang darauf hingearbeitet, sprich, sie haben ihre Axt sorgfältig geschliffen. In diesen Situationen wird deutlich wie wichtig Beziehungspflege und der Aufbau eines Netzwerkes ist. Die Manager, die Sie ansprechen, hangeln sich von Erfolg zu Erfolg, vernachlässigen dabei jedoch den Blick für das große Ganze. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät, um mit dem Aufbau langfristiger Beziehungen zu beginnen.

Viele Führungskräfte führen heute auf Distanz. Mitarbeitermotivation, Konfliktlösung oder Kreativität virtuell und aus der Ferne zu steuern, fällt vielen schwer. Mit welchen Strategien kann es dennoch gelingen?
Die persönliche Kommunikation ist und bleibt das Lebenselixier der Wirtschaft. Unternehmen mit Zukunft haben begriffen, dass sie gerade auf Grund der immer weiter expandierenden digitalen Kommunikationswege ihre Mitarbeiter stärker in den Fokus rücken müssen. Digitale Technologien verlocken dazu, den vermeintlich „leichteren und schnelleren“ Weg zu gehen und ein persönliches Gespräch durch eine E-Mail oder einen kurzen Chat zu ersetzen. Gerade für das Business auf globaler Ebene bieten diese Technologien enorme Chancen. Natürlich lassen sich viele Aufgaben schriftlich erledigen – doch der dahinter stehende Mensch darf nicht vernachlässigt werden. Es ist essentiell und wird künftig noch viel wichtiger werden, dass Führungskräfte dem „Produktionsfaktor Mensch“ mehr, aber vor allem das richtige Maß an Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Hinzu kommt, dass die Basis jeder gelungenen zwischenmenschlichen Beziehung, beruflich wie privat, Vertrauen ist. Das fällt nicht einfach vom Himmel, sondern kann nur durch Nähe, durch intensive und regelmäßige persönliche Gespräche entstehen. Ausgehend davon sollten Vorgesetzte auf persönliche Kommunikation bauen, um eine Basis dafür zu schaffen, dass Dinge in Gang kommen können. So können sich beide Seiten über die anstehende Aufgabe austauschen und ein gegenseitiges Vertrauen entwickeln, dass die Umsetzung entsprechend angegangen wird. Nach einem intensiven Austausch mit dem Vorgesetzten am Anfang eines Projektes sollte der Mitarbeiter erst einmal eine gewisse Zeit lang beschäftigt sein. Das notwendige Feintuning kann dann durchaus in Form von E-Mails und kurzen Telefonaten erfolgen. Gleiches gilt auch für die Kommunikation mit Kunden und Lieferanten. Im persönlichen Gespräch sollte das Grundsätzliche geklärt und eine Roadmap für das weitere gemeinsame Vorgehen festgelegt werden, bevor dann im weiteren Prozess die Abstimmung in Detailfragen wiederum über andere Kanäle geschehen kann.

Unsere Welt ist extrem leistungs- und wettbewerbsorientiert. Für viele zählen nur das schnelle Geld und gute Quartalsergebnisse. Am Beispiel von Volkswagen wird gerade auf erschreckende Art und Weise deutlich, dass das auch nach hinten losgehen kann. Was würden Sie den neuen/alten VW-Managern aus heutiger Sicht empfehlen? Was sollten sie ändern?
Das „Prinzip des ehrbaren Kaufmannes“ mutet heute vielleicht etwas verstaubt an, doch genau darauf sollten sich die Manager wieder besinnen. Nennen wir es stattdessen Unternehmensverantwortung oder „Corporate Social Responsibility“. Unternehmen wie VW haben eine Verantwortung gegenüber der Umwelt, der Gesellschaft und natürlich ihren Kunden. Es sollte nicht sein, dass die Erzielung von Gewinnen alles andere überschattet und dafür billigend Nachteile für Dritte oder, in diesem Fall die Umwelt, in Kauf genommen werden. Ein organisches Unternehmenswachstum mag vielleicht langsamer von Statten gehen als wenn alle Hebel auf Gewinnmaximierung gelegt sind – dafür ist es aber umso nachhaltiger.
Hierzu fällt mir Äsops Fabel vom Wettlauf zwischen der Schildkröte und dem Hasen ein. (Der Hase verspottet die Schildkröte auf Grund ihrer Langsamkeit. Diese fordert den Hasen daraufhin zu einem Wettlauf heraus, worauf sich der Hase siegessicher einlässt. Es kommt, wie es kommen muss: Der Hase prescht mit großen Sprüngen voran, die langsame, aber unermüdliche Schildkröte ist schnell außer Sicht. Siegessicher legt der Hase kurz vor dem Ziel eine Pause ein – und schläft ein. Geweckt wird er erst vom Siegesjubel der Zuschauer: die Schildkröte hat ihn überholt und das Rennen für sich entschieden.)
Übertragen auf Unternehmen wird hier deutlich: Ein schnelles Wachstum und hoher Gewinn machen leichtsinnig, der Fall ist oft nur eine Unachtsamkeit weit entfernt. Beständigkeit und Vertrauen in die eigene Leistung machen sich auf lange Sicht bezahlt.

Wenn Sie eine junge, angehende Führungskraft vor sich hätten, welche drei Tipps würden Sie ihr für ihre kommenden Führungsaufgaben geben?

  1. Verhalte dich respektvoll, begegne jedem gegenüber auf Augenhöhe und mit grundsätzlichem Wohlwollen. Das verhindert oft jene verletzenden Aussagen, die nicht mehr zurückgenommen werden können und die zu Unrecht als „unbedacht“ verharmlost werden.
  2. Bei der Wahrheit bleiben. Nicht umsonst heißt es „Honesty is the best“. Und: So ersparen Sie sich viel Zeit und Ärger, denn die meisten Lügen fliegen früher oder später doch auf.
  3. “Stay true to yourself” oder „Bleib authentisch“.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: Diplomatisch sein und doch Klartext reden, wenn es nötig und nützlich ist.
  • Innovation: Gewohntes verlassen.
  • Anpassungsfähigkeit: Heißt nicht sich zu verbiegen.
  • Kreativität: Es muss nicht immer völlig Neues sein; manchmal bringt auch die Neuinterpretation von Altem Neues hervor.
  • Veränderung: Ist die einzige Konstante im Leben => you better get used to it
  • Angst: Barriere, manchmal aber Motivation, um Innovation und Kreativität voranzutreiben.
  • Zukunft: Bin ich neugierig drauf.
  • Deutschland: Bei Freunden zu Hause.
  • Ich: bin.
  • Beruf: Wofür brennen Sie? Wenn Sie einen großen Teil Ihrer Arbeit damit verbringen können, haben Sie die richtige Wahl getroffen.

 

Das Buch:

Sanftes SiegenGerlinde Manz-Christ
Die Kunst des sanften Siegens

Verlag: Goldegg Verlag
ISBN-13: 978-3902991836

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