Interview: „Inclusive Leadership“ | #Leadership | #Führung

Peter WuffliIn unserer schnelllebigen, komplexen und veränderungsstarken Welt sind Führungskräfte oft nicht zu beneiden. Von ihnen wird nicht nur verlangt, den Überblick und die Kosten im Augen zu beahlten, sondern sie sollen die Mitarbeitenden auf Augenhöhe führen, coachen, motivieren und zu Kreativität und Innovationskraft anregen. Gleichzeitig sollen sie auch ihre eigene Performance und Gesundheit selbstverständlich nicht ignorieren. Der Schweizer Peter A. Wuffli ist seit vielen Jahren erfolgreiche Führungskraft und hat mit seinem kürzlich erschienenen Buch „Inclusive Leadership“ eine neue Sichtweise in das Dauerthema Führung eingebracht. In diesem Interview stellt er das Konzept vor.


NAME: Peter A. Wuffli
BERUF: Verwaltungsrat und Stifter
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: neugierig, ausgeglichen, zielorientiert
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: Peekfinder
Meine Lieblingswebseite: kann mich nicht entscheiden
Meine eigene Webseite (unsere Stiftung): www.elea-foundation.org

Herr Wuffli, Sie haben ein Buch über „Inclusive Leadership“ geschrieben. Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Inclusive Leadership“?
Ich habe in meinem Buch einen Bezugsrahmen entwickelt, der auf verschiedenen Ebenen Brücken schlägt, zwischen Theorie und Praxis, zu Führungsaspekten zwischen verschiedenen Sektoren unserer Gesellschaft, wie etwa Wirtschaft, Politik oder Philanthropie, und zu partnerschaftlichem Führungsverhalten zwischen und innerhalb von Organisationen. Inclusive Leadership ist ein Begriff, der die ganzheitlichen, integrierten Führungsanforderungen unserer Zeit auf den Punkt bringt.

In Ihrem Vorwort schreiben Sie, dass es allein bei Amazon rund 128.000 Suchergebnisse für Bücher rund um das Thema Leadership gibt. Sie schreiben aber auch, dass wir dennoch immer noch weit davon entfernt sind, Leadership wirklich zu verstehen. Warum?
Führung bzw. Leadership sind komplizierte, mehrschichtige Begriffe, die im Wandel der Zeit unterschiedliche Prägungen erfahren haben. Steht die Führungspersönlichkeit oder das Führungssystem im Vordergrund? Wie misst sich der Erfolg von Leadership? Welche Rolle spielen Ethik und Werte? Kann – und wenn ja, wie? – Führung erlernt und entwickelt werden? Dies sind nur einige der zentralen und kontrovers beantworteten Fragestellungen. In meinem Buch konzentriere ich mich auf das Thema, wie sich Führungsanforderungen vor dem Hintergrund der beschleunigten Globalisierung der letzten 30-40 Jahre gewandelt haben, und welche Orientierungshilfen dabei nützlich sein können. Dabei gebe ich viele praktische Ratschläge aufgrund dessen, was ich in den letzten dreissig Jahren diesbezüglich erfahren und gelernt habe.

Ihre Zeit als Führungskraft verlief parallel zur wachsenden Globalisierung und der zunehmenden Konnektivität durch das Internet. Wenn Sie zurückblicken auf Führung damals und heute, was hat sich verändert?
Die Sicht auf die Welt hat sich von einer fragmentierten (Erste, Zweite, Dritte Welt) Perspektive in eine ganzheitliche entwickelt. Heute wird die Welt komplex und vernetzt wahrgenommen und es wird ihr hohes Veränderungstempo attestiert. Daraus ergeben sich veränderte Anforderungen an die Führung: in viel mehr Bereichen als früher muss grenzüberschreitend gedacht und gehandelt werden. Unsere ethischen Wertvorstellungen stehen im Wettbewerb. Unsere Geschäftsmodelle müssen sich global differenzieren. Arbeitsgruppen sind verschiedenartiger zusammengesetzt, was höhere Anforderungen an Teamarbeit stellt.

Sie sind in der Schweiz geboren und seit vielen Jahren erfolgreiche Führungskraft sowohl in globalen Unternehmen als auch in großen Schweizer Konzernen. Gibt es prägnante Unterschiede zwischen dem Führungsstil in der Schweiz, in Deutschland und den anglo-amerikanischen Ländern?
Es ist die Idee von Inclusive Leadership, das gemeinsame zu betonen und nicht die Unterschiede. Selbstverständlich gibt es viele Unterschiedlichkeiten zwischen schweizerischen, deutschen und angelsächsischen Kulturräumen. Es gibt solche aber auch zwischen mehr industriell geprägten Branchen und Dienstleistungsunternehmen. Oder zwischen gewinnorientierten Organisationen und solchen, die stärker gemeinnützig ausgeprägt sind. Mir geht es in Inclusive Leadership darum, ganzheitliche, integrierte Führungskulturen zu entwickeln, die von Verständnis und Respekt für das Unterschiedliche geprägt sind, und nicht Polarisierungen betonen.

Die Welt heute ist komplexer, mehrdeutiger, ungewisser und volatiler als in der Vergangenheit. Was sehen Sie heute als die größten Herausforderungen für Führungskräfte?
Die Wahlmöglichkeiten sind in den letzten Jahren explodiert. Mit diesen Freiheiten verantwortungsvoll umzugehen setzt Orientierung an ethischen Leitlinien und Wertvorstellungen voraus. Diese Orientierung zu entwickeln und ihr in einer Organisation zur täglichen Realität zu verhelfen ist äußerst anspruchsvoll. Zur erfolgreichen Bewältigung dieser Aufgabe möchte ich mit meinem Buch einen Beitrag leisten.

Was sollten Ihrer Meinung nach Unternehmen tun bzw. welche Voraussetzungen müssen in einem Unternehmen gegeben sein, um „Inclusive Leadership“ umsetzen zu können?
Da gibt es keine Rezepte: Jedes Unternehmen und jede Führungspersönlichkeit hat einen ganz besonderen Charakter, der die jeweiligen Führungskulturen prägt. Wichtig scheint mir, sich Raum und Zeit für Reflexionen über grundlegende Fragen zu nehmen, die über die drängenden Fragen des Tagesgeschäfts hinausgehen. Das setzt Verständnis für die Relevanz und Wichtigkeit solcher Themen voraus.

Was raten Sie einer jungen Führungskraft: Welche Kompetenzen und Fähigkeiten sollte sie unbedingt mitbringen, um in einer veränderungsreichen Welt Führungsverantwortung zu übernehmen?
Zunächst: Die Welt kennenlernen (nicht nur Flughäfen, Konferenzräume und Hotelzimmer) und sich mit verschiedenartigsten Menschen und Situationen an den unterschiedlichsten Orten auseinanderzusetzen; dann: Herausforderungen suchen, die besondere Lernchancen ermöglichen, über die entsprechenden Erfahrungen nachdenken und Lehren daraus ziehen; schließlich: Familie und Freunde pflegen und nie das persönliche, soziale Umfeld dem vermeintlichen beruflichen Erfolg opfern.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: Eine erfolgsentscheidende Geisteshaltung.
  • Innovation: Mit der digitalen Transformation von immer mehr Lebensbereichen stehen wir am Anfang eines vermutlich präzedenzlosen Innovationsschubs.
  • Anpassungsfähigkeit: Überlebenswichtig für die Entwicklung der Menschheit.
  • Kreativität: Eine knappe Ressource, vor allem bei erwachsenen Menschen. Sollte deshalb gezielt gefördert werden, wenn man auf sie trifft.
  • Veränderung: Schwierig für alle; dennoch zwingend.
  • Angst: Eine der großen menschlichen Antriebskräfte und deshalb für manche Führungskräfte attraktiv. Mir persönlich ist allerdings Motivation durch zukunftsweisende Ideen lieber.
  • Zukunft: Für einen strukturellen Optimisten wie mich eher rosig.
  • Deutschland: Ein wichtiger Nachbar der Schweiz, mit dem wir vielfältig, intensiv und eng verbunden sind. In vielem teilen wir Geschichte und Kultur, und wir schätzen die Deutschen als Abnehmer unserer Produkte und Dienstleistungen, als Besucher unserer Tourismusregionen und als Lieferant von bei uns knappen Talenten.
  • Ich: Wird allgemein überschätzt…
  • Beruf: In meinem Fall das Privileg, mein Potential in vielfältigen Bereichen zu realisieren.
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Ökonomischer und ethischer Unsinn.
  • Maschinensteuer (auch: Automatisierungsdividende): Verstehe ich nicht. Für mich als Liberalen sind Staatsanteile und Steuerquoten in Europa eher zu hoch als zu niedrig. Wir brauchen keine neuen Steuern.

Das Buch:

Inclusive LeadershipPeter A. Wuffli
Inclusive Leadership – A framework for the Global Era

Springer Verlag
ISBN: 978-3-319-23561-5
Sprache: Englisch

>> Buch bestellen

 

 

 

 

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