#MeinungsWelle: Arbeitsmarkt 4.0 | #ArbeitenVierNull | #MeinungsWelle

Meinungswelle_Arbeitsmarkt40_AntwortenEnde Januar habe ich hier auf dem Blog die erste #MeinungsWelle gestartet und wollte wissen, „Was ist Ihre ganz persönliche Meinung zum Thema Arbeitsmarkt 4.0?“ Anlass war die Nachricht des WEF, dass 5 Millionen Jobs in den kommenden fünf Jahren der vierten Industriellen Revolution zum Opfer fallen würden. Hier sind die Antworten aus der Umfrage und ein paar zusätzliche Gedanken von mir dazu.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung der Pressemeldung des WEF hielt ich ein Webinar im Rahmen unseres Futability®-Fridays zum Thema „Unsere Welt ist VUCA – Wo bleibt der Mensch?“. Auch dort präsentierte ich die Zahlen, kommentierte sie – bis mich dann eine Teilnehmerin plötzlich per Chat fragte, in welchem Verhältnis denn die 5 Millionen Jobs stehen würden. Es sei vor allem von „White Collar Jobs“ die Rede – aber viele gäbe es denn insgesamt in den vom WEF befragten Ländern?

Diese Frage konnte ich ad hoc nicht beantworten, versprach der Teilnehmerin aber, mich mal schlau zu machen. Und das tat ich dann auch. Ich fragte als erstes dort nach, wo die Zahlen veröffentlicht wurden, beim WEF selbst. Von dort habe ich bis heute leider keine Antwort auf meine Frage erhalten.

Was ist ein Wissensarbeiter?

Also versuchte ich, deutsche Quellen anzuzapfen. Beim IW Köln erhielt ich auf meine Nachfrage die Antwort, dass die „Anfrage nach einer Statistik zu Wissensarbeitern mehrere Tücken birgt“:

  1. gäbe es verschiedene Definitionen von Wissensarbeitern, zum Beispiel diese von Dieter Spath aus der Office 21 Studie vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, 2009:
    „Charakteristisch für Wissensarbeit ist, dass diese häufig komplex, wenig determiniert und folglich schwer in vorgegebenen Abläufen standardisierbar ist. Wissensarbeit ist hochgradig sowohl personen- aber auch kommunikationsorientiert und wird immer mehr in übergreifenden Teams erbracht. Wissensarbeit schafft ständig neues Wissen und baut auf Erfahrungen anderer auf. Dabei agieren Wissensarbeiter stark autonom und sind somit wenig direkt ‘anleitbar’. Darüber hinaus stellt Wissensarbeit neue Anforderungen an die Arbeitsprozessorganisation, betriebliche Steuerungssysteme, die Gestaltung der Arbeitsplätze bzw. der Büroraumumgebung insgesamt und nicht zuletzt an die Führung und Motivation von Mitarbeitern.”
    Oder diese hier von James M. Manyika, Partner bei McKinsey, Silicon Valley, USA: Er grenzt die Definition des Wissensarbeiters auf komplexes Erfahrungswissen („tacit knowledge“) ein und stellt dem Routinetätigkeiten gegenüber, die vornehmlich der Wissensverarbeitung dienen („transactional labour“).
  2. würde bei den Statistiken zu den Erwerbstätigen nicht zwischen den Tätigkeiten innerhalb von Berufsgruppen unterschieden, das heißt, bei erwerbstätigen Ingenieuren oder Technikern kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass alle von ihnen Wissensarbeiter sind, obwohl auch solche, die nicht im Bereich Forschung und Entwicklung arbeiten, vielleicht Wissensarbeiter sind.

„Daher wird es schwer sein, zumindest aus der amtlichen Statistik solche Zahlen herauszulesen, denn man kann dort weder sehen, wer eher nur Routinearbeiten verrichtet oder innovativ auf seinem Erfahrungswissen aufbauend neues Wissen erarbeitet“, schrieb mir die Researcherin aus dem IW Köln.

Ihrer Meinung nach, so sagte sie mir später bei einem Telefongespräch, seien die Zahlen des WEF zu hoch gegriffen. Das sahen übrigens auch 67 % derjenigen so, die an meiner #MeinungsWelle mitmachten.

Chart 1

Ich selbst kann dieser Meinung so nicht leichten Herzens zustimmen. Ich habe mich im Rahmen meiner Buchrecherche drei Jahre mit dem Thema der Transformation und ihren (möglichen) Folgen beschäftigt und es ist völlig klar: Die Arbeitswelt wird sich  wandeln, das wird Arbeitsplätze kosten – und ich persönlich denke, nicht wenige. Jeder Wandel hat Konsequenzen – und die Folgen spüren wir schon heute. Auch das zeigt die #MeinungsWelle deutlich: 90 % der Befragten spüren die Veränderung ganz oder zumindest teilweise.

Dilemmata sind vorprogrammiert

Und als ich heute meine Google-Alerts zum Thema „Digitalisierung“ durchforstete, stieß ich auf diese Meldung: „Telekom-Vorstand rechnet mit Jobverlusten durch Digitalisierung„. Es lohnt sich sehr, diese Kurzmeldung zu lesen, denn in ihr ist knapp und präzise auf den Punkt gebracht, was ich seit drei Jahren vermute und in meinem Buch sehr ausführlich erläutert habe: Menschen, die sich weiterbilden und den Veränderungen anpassen, werden relative Jobsicherheit haben. Und von denen, die sich nicht verändern, weiterbilden und anpassen wollen, werden sich die Unternehmen über kurz oder lang trennen (müssen) – deutlicher habe ich bisher noch keinen Personalvorstand dazu gehört.

Viele Menschen wird das in massive Dilemmata stürzen, denn – auch das hat Herr Illek von der Telekom sehr richtig erkannt: Man kann die Menschen weder zu Weiterbildung noch zu Veränderung zwingen, Veränderung kann nur freiwillig erfolgen. Zumindest die Teilnehmenden an meiner #MeinungsWelle haben erkannt, dass Weiterbildung elementar ist:

Chart 2

Doch heute morgen stolperte ich noch über einen weiteren Grund, weswegen ich glaube, dass die Zahlen des WEF – egal, ob wir sie in Relation setzen können oder nicht – vielleicht sogar noch zu niedrig gegriffen sind. Eine Meldung aus der Hotellerie ließ mich aufhorchen. Ich zitiere aus dem Artikel aus der „Gastronomie & Hotellerie – das Unternehmer-Magazin„: „Androiden als Servicekräfte, das ist bereits die gelebte Zukunft – in den Aloft Hotels. Nach dem Pilotprojekt in einem Haus in Kalifornien, versorgen nun die “Botlr“ genannten Roboter die Gäste in anderen US-Hotels der Lifestylemarke von Starwood Hotels. Auch an Bord der schwimmenden Luxushotels gibt es nun Service-Roboter. An Bord soll “Pepper”, so der Name des drahtigen Mitarbeiters, menschliche Reaktionen von Gästen erkennen können und diese betreuen und unterhalten. Ein erster Testlauf an Bord der “Aida Stella” sei positiv verlaufen. Die ersten ‘Peppers’ werden bereits im Frühjahr nächsten Jahres an Bord von “Aida Prima” und “Costa Diadema” zum Einsatz kommen und sollen Gäste beim Einchecken sowie der Orientierung an Bord unterstützen. Darüber sollen sie auch Restaurantempfehlungen, Veranstaltungs- und Ausflugstipps – in Deutsch, Englisch oder Italienisch – erteilern. Bis zum Sommer 2016 soll eine Vielzahl von Robotern an Bord der Costa- und Aida-Flotte anheuern.

Mein Buch ist an dieser Stelle schon veraltet, denn das habe auch ich so schnell nicht vermutet. Insofern hat die Frage aus der #MeinungsWelle „Ich werde meinen heutigen Job auch in fünf Jahren noch ausüben“ noch einmal eine ganz andere Dimension und Brisanz bekommen, finde ich. Und auch die Antworten lassen zumindest auf eine Unsicherheit schließen:

Chart 3

Insofern ist in diesem Kontext die Antwort auf die letzte Frage meiner #MeinungsWelle spannend:

Chart 4

Auch ich gehöre zu der Gruppe, die viele Chancen sieht. Ich bin aber auch davon überzeugt, dass sich diese Chancen nicht wie Himmelstore öffnen, sondern bewusst,  visionär und individuell erarbeitet werden müssen.

Dazu braucht es Veränderungswillen – und erneut auch hier die Basis der Freiwilligkeit.

>> Gesamt-Ergebnisse der Umfrage kostenfrei downloaden

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