Interview: „Chefsache Empowerment“ | #Agilität | #Leadership

EmpowermentAgilität und Flexibilität sind die Zauberwörter der Stunde. Je volatiler das Arbeitsumfeld wird, je weniger planbar unternehmerische Prozesse sind, umso mehr (Selbst-)Verantwortung wird von den Mitarbeitenden verlangt um Unternehmen fit zu machen für das 21. Jahrhundert. Dr. Torsten Osthus ist Unternehmer und schreibt in seinem aktuellen Buch über die „Chefsache Empowerment“. Im Interview erzählt er, worum es dabei geht.

NAME: Dr. Torsten Osthus
BERUF: CEO
Meine eigene Webseite: www.torstenosthus.de

Herr Osthus, Ihr aktuelles Buch heißt: „Chefsache Empowerment“. Können Sie erläutern, was genau sich hinter dem Begriff „Empowerment“ verbirgt?
Das ist eine gute Frage, ehrlich gesagt, war der Titel ein Vorschlag vom Verlag und ich musste selbst erst einmal recherchieren, was genau dahinter steckt. Wenn Sie in Wikipedia schauen, finden Sie als Beispiel: „Empowerment bezeichnet Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen (wieder) eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.“
Als ich dann nach Beispielen gesucht habe, wurde deutlich, dass der der Begriff insbesondere im sozialen Bereich benutzt wird. Als ich meine amerikanischen Kollegen gefragt habe, meinten diese sogar, dass Empowerment in den USA eher für die Frauenbewegung steht.
Ich fand den Begriff trotz dieser unterschiedlichen Einordnungen sehr passend, weil es tatsächlich um Eigenverantwortung, die Macht über das eigene Leben geht und „Chefsache Empowerment“ meint in diesem Zusammenhang, dass es Aufgabe des Chefs ist, den Rahmen dafür zu schaffen – denn das ist keine einfache Sache, die schafft keiner alleine. Natürlich, den Weg muss jeder selbst gehen – oder eben auch nicht. Aber dahinter gibt es jemanden, der unterstützt und an mich glaubt, der mir vertraut – und vor allem das ist Chefsache…

Mehr Entscheidungsspielraum für die Mitarbeitenden klingt ja erst einmal sehr gut und erstrebenswert. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer wie gewünscht. Warum nicht?
Das hat viele Gründe, hängt von vielen Faktoren und von der Situation ab. Nur ein kleines Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind Chef und wollen eine Aufgabe delegieren. Natürlich stehen Sie mal wieder unter Zeitdruck und bei ihren Mitarbeitern sieht es nicht anders aus. Was passiert? Sie delegieren die Aufgabe weg, verfassen schnell eine E-Mail oder ein kurzes Statement, was getan werden muss und das so im Vorbeigehen. Und dann warten Sie auf das Ergebnis. Dabei wissen Sie nicht, was der Mitarbeiter unter der Aufgabe verstanden hat, ob er will, ob er es sich zutraut und welche bzw. wieviel Unterstützung er braucht, um die Aufgabe auch wirklich zu erledigen. Wahrscheinlich haben Sie dann auch keine Meilensteine mit ihm besprochen, zu denen Sie sich wieder treffen, um zu kontrollieren. Ich sage dann immer, wer wegdelegiert, bei dem kommt die Aufgabe zurück und nicht das Ergebnis… In Folge sagen dann manche Chefs einfach, sie hätten es mal besser selbst gemacht, statt bei sich zu schauen, woran es liegen könnte…

Sie machen das Empowerment zur Chefsache. Was genau sollen oder müssen Chefs anders machen, damit Empowerment funktioniert?
Es ist ganz einfach, der Fisch stinkt vom Kopf her. Wenn Führung und Empowerment nicht funktionieren, muss ich als Chef bei mir schauen, woran es liegt und was ich verändern muss, damit es funktioniert, damit Mitarbeiter wirklich Vertrauen, Verantwortung übernehmen und über sich hinaus wachsen können. Und wenn etwas schief läuft, darf ich nicht an meinen Absichten, sondern muss an den Konsequenzen meines Handelns anknüpfen, denn Chef sein heißt, immer wieder Scheitern. Die Aussage „das habe ich so nicht gemeint“, funktioniert da nicht.

Mehr Entscheidungsspielraum und mehr Mitbestimmung fordert nicht nur den Chefs, sondern auch den Mitarbeitenden einiges ab. Ihre Rollen ändern sich, wenn Chefs Verantwortung abgeben. Worunter leiden denn die Mitarbeitenden in diesem Moment besonders?
Sie leiden besonders unter dem Nebel, denn keiner weiß genau was hinter der Tür ist durch die man geht. Und da kann das Zutrauen des Chefs Berge versetzen. Denn ein guter Chef sieht die Potentiale des Mitarbeiters weit bevor der Mitarbeiter sie selbst erkennt und unterstützt ihn dabei, diese zu heben. Schwierig wird es für Mitarbeiter besonders, wenn der Chef nicht vertraut und sich in das Was und Wie einmischt, es so gemacht haben will, wie er es in der Vergangenheit gemacht hat, weil das ja funktioniert hat. Hier ist die Devise: Fragen statt sagen und den Mitarbeiter zu seinen Erkenntnissen führen und auf dem Weg begleiten.

Was raten Sie denn den Mitarbeitenden? Wie können sie es schaffen, der Anforderung nach mehr (Eigen-)Verantwortung und mehr Entscheidungsspielraum nachzukommen?
Der Verantwortung nachzukommen ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff. Als Mitarbeiter brauche ich Klarheit über meine Talente und Fähigkeiten, meine Werte und am besten auch eine Vorstellung von der Richtung. Mit diesem Kompass und dem unterstützenden Chef sollte ich mir Räume suchen, in denen ich meine Talente einsetzen und weiter zu Stärken ausbauen kann. Es ist noch nie jemand erfolgreich geworden, in dem er seine Schwächen verbessert, sondern immer durch das Stärken der Stärken.

Für viele Menschen bedeutet das Abgeben bzw. die Übernahme von Verantwortung und Entscheidungsspielraum auch ein raus aus der Komfortzone. Wie kann man Menschen dazu ermutigen, ihre eigene Komfortzone zu verlassen? Welche Strategien helfen?
Das ist ein guter Punkt. Aus meiner Sicht hilft es am meisten, immer mehr Klarheit über den eigenen Kompass zu bekommen, den eigenen Horizont: z.B. Wer will ich in 5-10 Jahren sein? Was will ich tun? Was will ich haben? Dieses Bild hilft, in schwierigen Situationen nicht die Richtung zu verlieren und nicht aufzugeben. Denn das aktuelle Problem ist dann kleiner, gemessen am großen Bild.

Sie sind selbst Unternehmer. Wie schaffen Sie es, dass Ihre Mitarbeitenden Verantwortung übernehmen und über sich selbst herauswachsen?
Ich schaffe Räume, die andere Menschen inspirieren und die Anderen einen Nutzen bringen. Und das auf Basis unserer so gut es geht gelebten Werte, Vertrauen, Verantwortung, Wachstum und Ergebnisse.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: Ist fundamental, um heute erfolgreich zu sein.
  • Innovation: Findet nicht nur auf Produktebene statt, sondern immer mehr auch auf der Ebene der Unternehmenskultur.
  • Anpassungsfähigkeit: Wird zukünftig zum genetischen Erfolgscode von Unternehmen gehören.
  • Kreativität: Ist die Würze des Unternehmertums.
  • Veränderung: Liegt mir im Blut.
  • Angst: Ist normal, manchmal auch hilfreich, sollte nur nicht lähmen.
  • Zukunft: Wird sehr viele Veränderungen hervorbringen, in denen ich mir wie der Mensch mit der Kutsche vorkommen werde, der zum ersten Mal ein Auto sieht.
  • Deutschland: Fehlt eine positive Gründungskultur.
  • Ich: Definiere mich über Wirkung und möchte etwas bewegen.
  • Beruf: Leidenschaftlicher Unternehmer
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Ist grundsätzlich eine sinnvolle Idee, macht Arbeitslose nicht mehr zu Verlierern.
  • Maschinensteuer (auch: Automatisierungsdividende): Fällt mir nichts zu ein.

 

Das Buch:

Chefsache

Torsten Osthus
Chefsache Empowerment

Verlag: Linde
ISBN: 978-3709305997
>> Buch bestellen

 

 

 

 

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