Mit einem Glas Erdbeermarmelade fängt es an | #KuenstlicheIntelligenz | #Digitalisierung | #IoT

ErdbeerglasEs war ein kurzer Moment, der mich heute mittag ans Nachdenken brachte und zu einem tiefen Aha-Erlebnis führte. Und es fing ganz banal an. Mit einem Glas Erdbeermarmelade.

Ich war mit meinem Sohn – fast 12 Jahre alt – in der Küche, als er sich ein sehr verspätetes Frühstück gönnte. Auf sein Toast sollte Marmelade und unser letztes Glas selbstgemachter Erdbeermarmelade lachte ihn an. Er bekam das Glas jedoch nicht auf und gab es vertrauensvoll an mich weiter.

Meine Hände – mittlerweile kleiner als seine – hatten auch nicht die entsprechende Wirkung und so empfahl ich ihm, zu seinem Vater zu gehen, um bei ihm sein Glück zu versuchen.

Nach wenigen Minuten kam er – mit einem geöffneten Glas – zurück in die Küche, sah mich an und sagte: „Mama, es wird so gut sein, wenn wir unseren ersten Haushaltsroboter haben. Dann macht der nämlich solche Jobs und ich muss mir nicht immer jemanden suchen, der so ein blödes Glas für mich aufmachen kann.“

Er erklärte mir dann noch, dass Roboterhände mittlerweile ja solche Dinge tun können und brummelte dann noch irgendwas von wegen „und wenn die das können, dann können die noch ganz andere Sachen, das wird so cool, wenn wir sowas zu Hause haben…!“ – sprach’s und ließ mich verdattert in der Küche stehen.

Ich gebe es zu, es hat ein paar – fast schon geschockte Sekunden – gedauert, bis seine Sätze sich vollends in meinem Gehirn breit gemacht hatten. Und dann setzte der Aha-Moment ein. Ich lernte:

  • dass zwischen seinem und meinem Interesse für die Künstliche Intelligenz Welten liegen. Während ich mich frage, ob und wenn ja was wir von all den Erfindungen brauchen und welche Auswirkungen das haben wird, integriert er die Roboter schon in unseren Haushalt, noch bevor sie überhaupt auf dem Markt sind.
  • wie schnell man seine Jobs verlieren kann. Ich gebe zu, ich reiße mich keineswegs darum, Marmeladengläser aufzumachen – aber die Selbstverständlichkeit, mit der ein vorher gewohnter „Eltern-Job“ plötzlich an eine Künstliche Intelligenz ausgelagert wird, ist bezeichnend für das, was in der Wirtschaftswelt gerade passiert. Es ist erst nur das Marmeladenglas – aber mein Sohn hat ja schon ganz richtig erkannt, wenn die Roboter Gläser öffnen können, können die auch noch viel, viel mehr. Welche „Eltern-Jobs“ werden wohl zukünftige Generationen überhaupt nicht mehr ausführen müssen, weil „RobiCare – die freundliche Haushaltshilfe“ alles macht? Nochmal: Ich reiße mich nicht um die Jobs, aber es gibt zurzeit noch sehr viele freundliche menschliche Haushaltshilfen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, Haushaltsarbeit zu erleichtern. Wir haben zwar keine solche Person, aber  wenn es nach meinem Sohn ginge, werden wir auch nie eine einstellen – er hat ja gedanklich den Roboter schon gekauft und die Software installiert.
  • dass wir uns mit großer Sicherheit damit abfinden müssen, dass wir den Themen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Industrie 4.0 vielleicht noch skeptisch bis ängstlich gegenüber stehen – aber die sogenannten „Millenials“, wie mein Sohn, die digitalisiert und vernetzt aufwachsen, der Faszination der Technik längst erlegen sind. Sie kennen ja auch kein Lebensumfeld ohne Technik. Ich frage mich, zu welchen Generationskonflikten uns das noch führen wird.

Ich habe in meinem Futability®-Buch geschrieben, dass „der Generationenkonflikt heute nicht nur eine Kontroverse über Moral, Werte und Normen ist, sondern vor allem über die Art und Weise ob, wie, wo, wann und womit wir kommunizieren und kooperieren.“

Vorhin ist mir klar geworden, dass die Kooperation, an die ich automatisch denke, nicht zwingend die sein muss, an die mein Sohn in ein paar Jahren denken wird, wenn er im Berufsleben steht.

Während ich noch – geprägt durch meine Erfahrung und meine Sozialisierung des 20. Jahrhunderts – automatisch an die Kooperation zwischen Mensch-und-Mensch denke und tatsächlich bewusst lernen muss, die Kooperation zwischen Mensch-und-Maschine in meine Überlegungen einzubeziehen, wird es der nächsten Generation vermutlich genau andersherum gehen. Sie haben die Mensch-Maschine-Kooperation so verinnerlicht, dass sie wieder bewusst lernen müssen, an den entscheidenden Stellen die Maschine durch den Menschen zu ersetzen.

Das bedeutet: Wir brauchen uns gegenseitig. In den Unternehmen und der Gesellschaft sollte alles daran gesetzt werden, die Kooperation der Generationen zu fördern, um den „technologischen Graben“, der durch die Generationen verläuft, mit Brücken zu versehen. Wir werden zukünftig gebraucht, um an eine Welt der menschlichen Kooperation zu erinnern, während die nachrückende Generation uns zeigt – und manchmal nur durch das Öffnen eines Marmeladenglases – dass  die Integration der Mensch-Maschine-Kooperation mühelos erfolgen kann.

Ich muss noch ein bisschen länger darüber nachdenken, ob mir die Integration der Mensch-Maschine-Kooperation behagt oder nicht. Ich werde dazu in den kommenden zweieinhalb Wochen vermutlich viel Zeit haben – und lernen. Wir verbringen die Osterferien in Tokio, Singapur und Kuala Lumpur und werden auf den Spuren der digitalen Revolution wandeln.

Ich erwarte, einen echten Technologie-Schock zu erleben – bei meinem Sohn erwarte ich den seit heute nicht mehr…

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