Interview: „Lernen vom Silicon Valley“ | #Innovation

Silicon ValleyDas Silicon Valley, einer der bedeutendsten IT- und High-Tech-Standorte weltweit, liegt in der wunderschönen San Franciso Bay Area, in Spuckweite zur Stanford University. Beheimatet sind hier – unter anderem – die „Big Four“ – Alphabet, Apple, Amazon und Facebook. Vom Silicon Valley ausgehend, erobern disruptive Innovationen seit Anfang der 50er Jahre den Globus. Was macht diese Region so besonders und was können wir tun, um einen Hauch Silicon Valley nach Deutschland zu holen? Ein paar Tipps und Insights gibt Eve Simon, eine Pendlerin zwischen den Welten – dem Silicon Valley und Düsseldorf.

NAME: Eve Simon
BERUF: Igniter (oder auch Communications & Change Consultant and Coach)
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: kreativ, gestaltend, integrativ (oder wie Freunde sagen ‚a peaceful warrior‘)
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: whatsapp, Shazam, my fitnesspal
Meine Lieblingswebseite: peerspace und 1000 andere
Meine eigene Webseite: www.inwibo.com, www.ladies-lead.com

Frau Simon, Sie wandern zwischen zwei Welten – der Stadt Düsseldorf in Deutschland und dem Silicon Valley in Kalifornien. Was schätzen Sie an den beiden Welten?
Ich habe ein wahnsinniges Glück, dies zurzeit möglich machen zu können – das Beste von beiden Seiten. Die unendliche Kreativität hier im Silicon Valley. Sie liefert mir Inspiration und neue Impulse für meine Arbeit. Menschen sind mutig hier, sie verlassen die Komfortzone und gestalten Neues – am laufenden Band. Deutschland dagegen, meine Heimat, schätze ich besonders durch den sozialen und integrativen Denkansatz. Wir handeln nachhaltig und zuverlässig, dies bietet viel Sicherheit und ein kollektiveres Miteinander.

Das Silicon Valley ist ein regelrechter Innovations-Inkubator. Woran liegt es, dass von diesem vergleichbar kleinen Fleck der Erde bahnbrechende Erfindungen unser digitales Zeitalter diktieren?
Die Antwort kommt darauf an, wen sie fragen und sie ist nicht so schnell zu beantworten. Die Bay Area ist eco-systemisch ein aufgeladener Ort – das Wasser, die Berge und natürlich der Andreas Graben, aber auch das Multikulturelle und der Spirit dieses Ortes liefert seit vielen Jahren den Raum für neue Impulse und Bewegungen. Menschen probieren sich und die Dinge hier aus. Transformation kann passieren, wenn man dafür Raum gibt. Und der Erfolgsfaktor der Start-up Szene ist der Tanz zwischen Geeks, Investoren und zustimmender Kultur ausschlaggebend.

Was zeichnet den kalifornischen Innovationsgeist aus?
Was die Menschen hier in Silicon Valley haben ist der Wille, Neues zu schaffen und dabei ein Risiko einzugehen ohne die Angst vor dem Scheitern.

Momentan gibt es Bestrebungen, eine vergleichbare Innovations- und Start-Up-Szene in Deutschland zu etablieren, um ein deutsches Silicon Valley als Gegenpol zu positionieren. Wird das Ihrer Meinung nach funktionieren?
Ob Berlin, Düsseldorf oder München – um es Silicon Valley gleich zu tun, muss noch einiges passieren. SV wird uns immer eine Nase voraus sein. In Berlin sind viele Kreative, aber kein Geld. In München ist das Geld aber keine kreative Kultur und so weiter. Ich sehe das ganze eher als positiven Wandel der neuen Arbeitskultur, wo wir uns allerorts hin entwickeln müssen. Co-Working Plätze z.B. sind in der Zukunft nicht nur für Start-ups oder Freiberufler, sie stehen für ein neues Umfeld der Arbeitswelt; statt Gegenpol würde ich dies als kollaborativen Schritt sehen. Innovation ist Teil des evolutionären Wandels und dies passiert heute schneller als in der Vergangenheit, dies lebt uns Silicon Valley vor und Deutschland sollte da natürlich mithalten – und kann mithalten, durch Initiativen wie in Berlin.

Wir sind in Deutschland zwar innovativ – jedoch fehlt häufig ein echter Entrepreneurgeist. Die Angst zu scheitern ist in unserer Leistungsgesellschaft immer noch tief verankert. Was können wir uns hier aus Kalifornien abgucken?
Wir sind innovativ mit einem hohen Standard an qualitativem Outcome. In Silicon Valley geht es nicht hauptsächlich um Qualität, sondern um das Schaffen und Kreieren. Es gibt kein Versagen, nur ein Lernen und Optimieren. Wenn wir also unseren Blickwinkel ändern und einen Fehler nicht als Scheitern, sondern als Schritt der Entwicklung betrachten, sind wir schon ein ganzes Stück weiter. Kultur braucht Zeit sich zu verändern. Was essen Sie zum Frühstück, Frau Vogel? Versuchen Sie mal die nächsten Tage jeweils den Morgen mit einer anderen Mahlzeit aus einem anderen Land zu beginnen und schauen Sie, auf welchen Weg sie sich dabei machenJ

Die vierte Industrielle Revolution wird Jobs kosten, so sagen viele Studien. Teilt man diese Befürchtungen in den USA? Wenn ja, wie gehen die US-Amerikaner damit um?
Einige verlieren ihren Job und neue Jobs werden geschaffen. Industrialisierung 1.0 hat uns dies vorgemacht. Die Amerikaner sind ebenfalls eher daran gewöhnt keine Jobsicherheit zu haben. Eine große Diskussion herrscht hier über das Thema AI (artificial intelligence) und was dies für die Menschheit bedeutet.

Bitte geben Sie uns doch zum Abschluss drei Tipps, die jeder von uns umsetzen kann, um einen Hauch „Silicon Valley-Innovationsgeist“ in das eigene Unternehmen einzuhauchen.

  1. Meetings anders abhalten als gewohnt.
  2. Einige Räume anders gestalten als die Norm
  3. Interne ‚TedTalks‘ oder Pitch-Veranstaltungen initiieren

Den wichtigsten Beitrag jedoch liefern Manager und somit muss man die Führungskultur verändern und weiterentwickeln um wirklich Raum für Kreativität zu geben. Innovation ist nicht der Job einer Abteilung oder wie heute oft der Trend eines Inkubators, sondern tolle Ideen stecken in jedem und dieses Potential sollten Unternehmen weiter ausschöpfen.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: unbedingt notwendig
  • Innovation: finde ich toll
  • Anpassungsfähigkeit: wird überschätzt
  • Kreativität: hat jeder
  • Veränderung: passiert ständig
  • Angst: ist unreal
  • Zukunft: bin gespannt
  • Deutschland: ist schön
  • Ich: und wir
  • Beruf: Berufung
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: sollte man sich in Kanada und Finnland ansehen
  • Maschinensteuer (auch: Automatisierungsdividende): seriously?!
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