Interview: Revolution dank Innovation | #VUCA | #Leadership

Revolution„Business as usual“ zieht sich durch (zu) viele Unternehmensflure. Während unsere VUCA-Welt an den Pfeilern unserer Wirtschaft rüttelt und „junge Wilde“, wie Elon Musk, ganze Branchengebilde ins Wanken bringen, herrscht in vielen Unternehmen der Glaube vor, mit Kosteneinsparungen, Lean Management und altbekannten Geschäftsmodellen der Revolution von  außen die Stirn bieten zu können. Dass dem nicht so ist, zeigt Thorsten Reiter in seinem jüngst erschienenen Buch „Revolution dank Innovation“.

NAME: Thorsten Reiter
BERUF: Autor
Drei Wörter/Eigenschaften, die mich beschreiben: interessiert, lösungsorientiert, bissig
Mein Lieblings-Gadget/meine Lieblings-App: Meine Kalenderapp
Meine Lieblingswebseite: www.reddit.com
Meine eigene Webseite: www.generationthatsy.net

Herr Reiter, Ihr aktuelles Buch „Revolution dank Innovation“ ist eine Kampfansage. Warum – und an wen richtet sie sich?
Sie richtet sich an Firmen und Manager, die glauben durch “business as usual” noch etwas für ihre Unternehmen, ihre Mitarbeiter oder unsere Gesellschaft tun zu können: dem ist nicht so. Organisationen, die in naher Zukunft noch relevant sein möchten, müssen sich neu erfinden, ihre Geschäftsmodelle, ihre Führungsansätze und nicht zuletzt ihre gesamte Kultur hinterfragen. Und die Zeit drängt. Deswegen.

Sie plädieren in Ihrem Buch für „Corporate Entrepreneurship“. Was genau verstehen Sie darunter?
CE ist eine Möglichkeit für etablierte Unternehmen, genauso innovationsstark zu werden, wie es junge Startups sind. Wenn Firmen im Markt reifen, verlieren sie oft diese Innovationsfähigkeit, die sie einst groß gemacht hat. Mit CE an verschiedenen Stellen im Unternehmen – der Mitarbeiter und Führungsebene, in der Geschäftsmodellentwicklung, der Kultur und nicht zuletzt in der gesamten Strategie – können sich Unternehmen diese Fähigkeit zurückerkämpfen.

Was müssen etablierte Unternehmen leisten, an welchen Stellen müssen sie sich wie verändern, um Raum für Unternehmer im Unternehmen zu schaffen?
Wenn möglich, an jeder Stelle. Die Idee ist, jeden Mitarbeiter zum Unternehmen werden zu lassen und so Unternehmertum und Innovationskraft in der gesamten Organisation zu verankern. Dazu müssen Firmen viel Vertrauen in die Fähigkeiten des Einzelnen aufbringen, eine gewisse Risikofreue an den Tag legen und eingefahrene, kontraproduktive Prozesse fallen lassen.

Corporate Entrepreneurship braucht in der Konsequenz allerdings dann auch einen neuen Mitarbeiter-Typus. Wie sollte der idealerweise aussehen? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen müssen Menschen mitbringen und wovon sollten sie sich verabschieden?
Ich glaube, dass jeder Mensch einen tief verankerten Gestaltungswillen hat. Aber zu oft wird dieser unterdrückt, in besonders negativen Fällen gar abgestraft und letztlich verlernt. Es sollte jedem Mitarbeiter offen stehen, zu versuchen, die eigenen Ideen mit den zukünftigen oder aktuellen Bedürfnissen des Unternehmens zusammenzubringen. Welche Ideen letztlich umgesetzt werden, muss natürlich meritrokratisch festgelegt werden. Es geht daher darum, jene Mitarbeiter auszuwählen, die Kreativität, Gestaltungswillen, Reflexionsvermögen und ein Auge für die Entwicklungen um sich herum aufweisen. Diese müssen im Anschluss aber entsprechend gefördert werden, sonst suchen sie sich schnell einen anderen Ort, an dem sie und ihre Ideen wertgeschätzt werden.

In Ihrem Buch fordern Sie auch zum „ökonomischen Ungehorsam“ heraus. Was machen ökonomisch ungehorsame Unternehmen anders oder besser?
Sie verschieben die Grenzen dessen, was in der etablierten Industrie oder Gesellschaftsschicht als “angebracht” angesehen wird, ein Stückchen weiter und bringen so das Wort “frei” in “freie Wirtschaft” zurück. Sie schaffen es, aus Grauzonen wie dem Streamen von Musik und Film, dem Kopieren von Design- und Anwendungselementen oder dem unlimitierten öffentlichen Zugang von geschützten Inhalten tragbare Geschäftsmodelle zu machen.

Vor wenigen Wochen hat Tesla mit dem „Model 3“ Elektromobilität zum kleinen Preis angekündigt. Facebook und Google arbeiten an Drohnen bzw. Satelliten-Lösungen, um die Welt zu vernetzten. Der 3D-Druck könnte ganze Industriefertigungen obsolet machen. Aus allen Richtungen bedrohen disruptive Innovationen viele unserer heimischen (Traditions-)Unternehmen. Was sollten Unternehmen Ihrer Meinung nach gerade jetzt tun, um sich diesen Veränderungen zu stellen?
Mein Buch kaufen und alles, was darin beschrieben wird, umsetzen. Scherz bei Seite: Wir können uns es einfach nicht mehr leisten, Entscheidungen basierend auf der Angst vor der nächsten Jahreshauptversammlung zu treffen. Es wird Zeit für ein bisschen mehr spielerische Auseinandersetzung mit bedrohlichen Herausforderungen und eine Öffnung hin zu unkonventionellen Ansätzen. Wir leben in einer Zeit, in der unglaublich viele Mitarbeiter Lust haben, die zusätzliche Energie und das kreative Potenzial aufzubringen, sich mit all ihren Fähigkeiten für das Wohl der Firma, für die sie arbeiten, einzusetzen. Alles was sie zurück erwarten ist ein bisschen Credit und die Möglichkeit an positiven Entwicklungen auch finanziell beteiligt zu werden. Sie sind schließlich auch diejenigen, die bei schlechter Performance die Last mittragen müssen. Es wird Zeit, diese Bedürfnisse ernst zu nehmen, denn sie sind unmittelbar mit all diesen Veränderungen verknüpft.

Mit welchen Veränderungen werden wir es in Zukunft – vermutlich – noch zu tun bekommen und wie können wir diese Veränderungen aktiv mit gestalten?
Das Gemeinwohl der Gesellschaft hängt jetzt schon zum größten Teil vom Privatsektor ab. Dieser wird in Zukunft nicht mehr darum herumkommen, sich dieser Verantwortung zu stellen. Konsumenten, Mitarbeiter und andere Stakeholder werden dies immer häufiger und lauter fordern. Auch wird es immer mehr zur Verschmelzung von Konsum und Produktion auf institutioneller aber auch auf individueller Ebene kommen. Klassische stationäre Organisationen und Prozesse werden sich zu netzwerkgetriebenen dynamischen wandeln. Dies sind nur wenige Veränderungen, die nicht nur als Herausforderungen für etablierte Unternehmen gesehen werden sollten, sondern auch als Chancen neue Märkte zu finden, zu bedienen oder gar komplett neu zu schaffen. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: Notwendigkeit
  • Innovation: Unternehmertum
  • Anpassungsfähigkeit: Spaß!
  • Kreativität: = Business
  • Veränderung: Ja, bitte!
  • Angst: Keine Zeit!
  • Zukunft: Hat schon gestern begonnen!
  • Deutschland: Wir bleiben dran.
  • Ich: Bin dabei.
  • Beruf: Identität
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Why not?
  • Maschinensteuer (auch: Automatisierungsdividende): hm… muss das sein?

 

Das Buch:

RevolutionThorsten Reiter
Revolution dank Innovation: Mit Corporate Entrepreneurship zurück an die Spitze!

Verlag: Campus Verlag; Auflage
ISBN: 978-3593503370

>> Buch bestellen

 

 

Advertisements

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s