Quartals-Denk-Stopp | #Vision | #Strategie

Die (Finanz-)Krisen der letzten Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Die Welt ist VUCA geworden und das eigene Business immer schwieriger zu kalkulieren. Die Folge: Anleger, Unternehmer und Führungskräfte verlieren sich immer öfter in der „Quartalsdenke“. Drei bis vier Monate Planung in die Zukunft ist das, was die nervösen Märkte, Kunden und Unternehmen gerade so noch zulassen. Jeder Blick darüber hinaus wird verschwommen, unkalkulierbar, riskant und daher oft und gern vermieden. Ein Fehler!

In dieser Quartalsdenke liegen große Gefahren. Die Wirtschaft ist so volatil geworden, dass ein Verharren im Quartalsdenken einem Verharren im Status Quo gleichkommt. Notwendige Richtungsänderungen könnten dabei übersehen und entscheidende Marktentwicklungen ignoriert werden, wenn der mentale und unternehmerische Horizont nur die nächsten drei bis vier Monate abbildet.

Erste Zeichen deuten bereits in diese Richtung. Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb der IW Köln in einer Pressemeldung, dass die deutsche Wirtschaft zwar immer mehr Geld für die Entwicklung neuer Produkte und Prozesse ausgibt. Bei mittelständischen Unternehmen stagnieren jedoch gleichzeitig die Innovationsaufwendungen. Der Grund dafür sei allerdings ein positiver: Vielen Mittelständlern fehle aufgrund voller Auftragsbücher schlicht die Zeit, sich um Innovationen zu kümmern.

Volle Auftragsbücher sind positiv – in der Tat. Volle Auftragsbücher sind in diesem Fall aber gleichzusetzen mit einer „Quartalsdenke“, denn sie suggerieren ein zukünftig gut gehendes Business. Verkannt wird dabei oft, dass die vollen Auftragsbücher im Regelfall das Ergebnis guter Arbeit in der Vergangenheit sind. Volle Auftragsbücher dürfen nicht verschleiern, dass der heutige Auslastungsstatus in vielen Fällen nichts, aber auch gar nichts darüber aussagt, wie gefragt Produkte und Dienstleistungen in einigen Wochen, Monaten oder Jahren sein werden.

Wird der Erfolg eines Unternehmens nur von vollen Auftragsbüchern oder guten Quartalszahlen abhängig gemacht, wächst die Gefahr markt- und entwicklungsrelevanter Fehleinschätzungen. Ein Geschäftsführer äußerte kürzlich in einem Gespräch mit mir: “Ich verbringe den Großteil meiner Arbeitszeit damit, über die Zukunft nachzudenken.

Über die Zukunft nachzudenken, also den Horizont über die nächsten drei bis vier Monate hinaus zu erweitern, bedeutet, sich Zeit zu nehmen, das Business, die Branche und mögliche Trends in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Das ist Aufgabe der Geschäftsführung. Denn wenn sie frühzeitig(er) erkennt, an welchen Stellen es haken könnte und Schlaglöcher auf dem Weg in die Zukunft erkennt, kann sie rechtzeitig anfangen, ein Reparaturteam loszuschicken, um den Weg  in eine neue Richtung zu ebnen.

Was passiert, wenn diese Weitsicht und die Zeit zum Nachdenken und damit auch das Gespür für den Markt fehlt, zeigen ganz plastisch einige historisch verbürgte Sätze:

  • Das Telefon hat einfach zu viele Mängel, als dass man es für Zwecke der Kommunikation einsetzen könnte. Das Gerät ist wertlos für uns.”
    Internes Papier der Western Union, 1876
  • “Wegen der begrenzten Anzahl an Chauffeuren wird die weltweite Nachfrage nach Automobilen die Zahl 5000 nicht übersteigen.”
    Marktanalyse von Mercdes-Benz aus dem Jahre 1900
  • “Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.”
    Thomas J. Watson, Vorstandsvorsitzender von IBM, 1943
  • “Es gibt keinen Grund, warum sich irgendjemand einen Computer in sein Haus stellen sollte.”
    Ken Olson, Präsident, Vorsitzender und Gründer von Digital Equipment Corp., 1977

Gerade im Windschatten von “Industrie 4.0” und “Big Data” können sich Unternehmen einen eindimensionalen Quartalsblick nicht mehr leisten. Visionäres Denken verträgt kein starres Korsett und benötigt gedanklichen Freiraum. Genau den unterwandert die Quartalsdenke jedoch durch den Druck des kurzfristigen Erfolgs, den sie immer wieder anfacht.

In schnelllebigen Zeiten hängt die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen nicht nur von den nächsten Monaten ab, sondern vor allem von dem Bild und den Ideen, die sie für die Zukunft entwickeln. Von den Maßnahmen und Möglichkeiten, die sie als mögliche Szenarien durchdenken und als „Plan B“ im Kopf haben, sollten sich Märkte und Branchen plötzlich und unverhofft verändern.

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3 Kommentare

  1. Liebe Frau Vogel,

    vielen Dank für diesen schönen Beitrag.
    In der psychosomatischen Krankenhausbehandlung sehen wir die „Quartalsdenke“ tatsächlich als einen der Gründe für die grundsätzlich erhöhte Anspannung vieler Menschen an und erleben immer häufiger, dass Patienten aufgrund der fehlenden Nachhaltigkeit Motivation, Hoffnung und Mut verlieren. Dies wiederum sind häufig Gründe und Auslöser für Burn-out Entwicklungen und depressive Trends!
    Wir freuen uns immer sehr, wenn es Menschen und Unternehmen schaffen sich von der Quartalsdenke zu lösen um sich um die reale Nachhaltigkeit zu kümmern – daher halten wir Beiträge zu diesem Thema von Ihnen und jedem von uns für sehr wichtig.

    Herzliche Grüße

    Fritjof Nelting

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    1. Lieber Herr Nelting,

      vielen Dank für das Feedback aus anderer Perspektive. Das ist sehr spannend, denn es untermauert, dass Menschen ein Zukunftsbedürfnis haben. Wird dieses durch die „Quartalsdenke“ blockiert, wird gleichzeitig auch der kreative Geist und die gedankliche Mobilität in ein ungesundes Korsett gesteckt, das Druck erzeugt.
      Wir sollten uns wirklich unbedingt treffen – ich melde mich nach der women&work bei Ihnen für einen neuen Anlauf ;-).

      Herzliche Grüße und ein erholsames langes Wochenende,
      Melanie Vogel

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