5 Lebensdimensionen, die zu einem „Big Picture“ verhelfen | #Vision | #OutOfTheBox

Meine Studierendengruppen im letzten Semester haben mir wieder sehr deutlich eine elementare Frage vor Augen geführt: Wie groß ist eigentlich unser „Big Picture“?

Mit dem „Big Picture“ – neu-deutsch für „das große Ganze“ – ist unsere Fähigkeit beschrieben, über uns selbst nicht nur hinauszuschauen, sondern im besten Fall auch über uns selbst hinauszuwachsen, Ziele zu verfolgen, den Blick über den Tellerrand zu werfen und dabei ruhig auch mal Wagnisse und kalkulierte Risiken einzugehen, um nicht nur unsere persönlichen (Lebens-)Visionen zu verfolgen, sondern auch die Welt im besten Fall besser zu verlassen, als wir sie vorgefunden haben.

Bei meinen Studierenden, die nun mittlerweile im Schnitt 15 bis 20 Jahre jünger sind als ich, stelle ich mit ein wenig Erschrecken fest, dass ihnen das „Big Pictures“ sehr häufig nicht nur fehlt, sondern wenn größere Ziele vorhanden sind, Angst ihre Handlungen diktiert.

In einer Welt, die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich aus den Fugen gerät, kann ich das Bedürfnis nach Sicherheit aus tiefstem Herzen nachvollziehen. Jedoch erlebe ich bei meinen Studierenden, dass sie genau dieses Sicherheitsbedürfnis an sehr vielen Stellen blockiert. Und nicht nur sie.

Im letzten Kurs bekam meine Studierendengruppe die Hausaufgabe, das Lehrthema „Innovational Leadership“ mit einer Umfrage zu vertiefen. Sie sollten sich fünf Fragen zu einem Thema ihrer Wahl ausdenken, die sie gern vertiefend bearbeiten wollten. Die inhaltliche Ausgestaltung und auch die Schwerpunktsetzung blieben ihnen überlassen – sie sollten hier nach Lust und Interesse agieren und forschen. Zu den von ihnen ausgedachten Fragen sollten sie dann mindestens 10 Menschen befragen – entweder online oder durch persönliche Interviews – und die Ergebnisse am nächsten Seminartag der Gruppe präsentieren.

Die Schwerpunktsetzungen und Ergebnisse waren hoch interessant. Natürlich ist keine der Befragungen repräsentativ – aber sie alle geben interessante Einblicke in das Thema Innovation und Leadership.

Eine Studentin der Naturwissenschaften beispielsweise hat 16 Naturwissenschaftler_innen aus ihrem Umfeld zum Thema „Innovation“ befragt und ihre Ergebnisse passen zu meinen Beobachtungen eines nicht oder wenn nur gering vorhandenen „Big Pictures“.  In ihrer Umfrage fand sie heraus, dass bei den 16 befragten Naturwissenschaftlern die eigene „Vision“ – also das „Big Picture“ einen geringeren Stellenwert hat als Arbeitslosigkeit und der Druck, den sie verspüren, wenn sie an ihre berufliche Zukunft denken. Bis auf eine Person haben alle angegeben, ihrer beruflichen Vision den „Laufpass“ zu geben, wenn sie stattdessen einen sicheren Job und ein sicheres Einkommen haben können.

Auch hinsichtlich der Frage, ob die Bereitschaft da wäre, Ideen und Innovationen in einem eigenen Start-Up umzusetzen, antworteten fast 80% mit „nein“. Die Begründungen: Treue und Verpflichtung dem Team oder dem Unternehmen gegenüber und Angst vor Eigenständig-/Selbständigkeit.

Die Befragung eines BWL-Studenten, der sich mit dem Thema der Ausgestaltung von Arbeitsplätzen beschäftigt hat, ergab ähnliche Ergebnisse: Ein hohes Maß an Sicherheit und Kontrollierbarkeit, der Wunsch nach Bekanntem und wenig Fantasie, neue Dinge auszuprobieren, bestimmten auch hier das Bild.

Es ist leider wenig verwunderlich, dass sich das „Big Picture“ so wenig mutig und zu neuen Ufern aufbrechend anhört, denn auch die Studierenden bewegen sich in einer VUCA-Welt, die sie oft kaum verstehen – und wenn doch, dann fehlen ihnen viele Jahre Lebenserfahrung, um diese Veränderungsdynamik mit Abstand und ein wenig mehr Gelassenheit betrachten zu können.

In Situationen, die von starken Erschütterungen und Veränderungen geprägt sind – das können Situationen im politischen, gesellschaftlichen aber auch im privaten Umfeld sein – ist das Gefühl der stimmigen Verbundenheit mit sich und der Umwelt sehr oft gestört. Und zwar so lange, bis die Umstände, die zu der Situation geführt haben, wieder in Balance sind.

Was meinen Studierenden geholfen hat, ist das Bewusstsein über die verschiedenen Lebensdimensionen, in denen wir uns bewegen. Im Regelfall liegen die Erschütterungen und Veränderungen nämlich nicht auf einmal in allen Lebensbereichen, sondern werden in einem bestimmten Bereich verursacht, der dann Auswirkungen auf andere Lebensbereiche haben kann – aber nicht zwingend haben muss.

Die 5 Lebensdimensionen teilen sich wie folgt auf:

  1. Individuum: Das ist der Blick auf uns selbst, unsere Wünsche, Ziele, uns selbst als Mensch und individuelle Persönlichkeit.
  2. Körper, materielle Umgebung: In dieser Lebensdimension geht es um die Frage unseres Körpers, unserer körperlichen Gesundheit und der Möglichkeit, als Mensch autonom handeln zu können.
  3. Zwischenmenschliche Beziehungen: Zwischenmenschlichen Beziehungen spielen eine große Rolle, wenn es um Glück, Wohlbefinden und unsere Gesundheit geht.
  4. Kultur: In diese Lebensdimension fallen Beruf, Politik und Ökonomie. Jeder Stress am Arbeitsplatz hat beispielsweise Auswirkungen auf die Lebensdimension Kultur.
  5. Menschheit, Globalität: Bei aller Individualisierung, die wir in den westlichen Kulturen hegen und pflegen, sollten wir nicht vergessen, dass wir als Mensch in ein größeres Gefüge eingebettet sind, nämlich das Gefüge der Menschheit als Ganzes.

Je größer wir unser „Big Picture“ ziehen können – also je mehr Lebensdimensionen wir betrachten – umso reflektierter können wir Entscheidungen treffen und mit Veränderungen umgehen.

Je mehr Lebensdimensionen wir im Blick haben, umso eher können wir erkennen, welche Lebensdimension gerade einer Veränderung unterworfen ist und leidet – und demzufolge auch Aktivität von uns verlangt, das Leiden zu beheben

Meinen Studierenden hat diese Betrachtungsweise geholfen, ihr „Big Picture“ zu erweitern – und zwar stressfrei und selbstbestimmt.

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