Das „Buffet der Möglichkeiten“: 3 Absacker zur Verdauung

Wir leben in einer Multioptionen-Gesellschaft. Wir haben jeden Tag irritierend viele Wahlmöglichkeiten und leiden in der Folge an einem permanenten Völlegefühl. Das typische Frühstücksbüffet-Problem: Schon morgens so viel zu essen bis der Magen platzt und dann den Rest des Tages über unter Völlegefühl und Sodbrennen leiden. Vor dem „Buffet der Möglichkeiten“ weicht der Genuss häufig dem Zwang, alles probieren zu wollen, schließlich hat man ja bezahlt und könnte ein Geschmackserlebnis verpassen.

„Multi“ ist der Appendix unserer globalisierten Welt und in der Tat verwöhnen uns gerade die westlichen Industriegesellschaften mit Multi-Optionen, Multi-Karrieren oder Multi-Kulturen. Auf „Multi“ wollen wir nicht mehr verzichten, „Multi“ wird aber in einer Welt der permanenten Veränderung zunehmend auch als fragwürdig, anstrengend, verwirrend und konfliktbehaftet angesehen.

Wir haben nie gelernt, mit den Multioptionen maßvoll umzugehen. Gleichzeitig ist der gesellschaftliche Druck nicht zu unterschätzen, „Multi“ bestmöglich und allumfassend zu nutzen.

Die Zerreißprobe, vor die uns einerseits ein notwendiger maßvoller Umgang und andererseits die gesellschaftliche Erwartung des „Take it all and take it now“ stellt, sehe ich jedes Semester sehr eindrucksvoll bei den Studierenden in meinem Lehrauftrag. Sie haben nicht selten mit Anfang 20 schon ein Pensum durchlaufen, das frühere Generationen in ihrem ganzen Leben nicht erreicht haben:  Auslandsaufenthalte, ein Studium, manchmal auch eine Ausbildung, Praktika, Nebenjobs, Sprachkenntnisse – und das alles im Turbogang.

Nicht wenige von ihnen sind im „Multi-Channel-Programm“ gefangen. Sie realisieren, dass ihre Wahlmöglichkeiten mit Ende des Studiums nicht kleiner, sondern größer werden und manche zappen wie verrückt durch die Programme, fühlen sich ausgelaugt und uninspiriert. Anstatt neugierig in die Zukunft zu blicken, resignieren sie. Ihnen fehlt der Überblick und die Kompetenz, mit Multi-Optionen umzugehen.

Diese 3 Absacker helfen ihnen bei der Verdauung der Multi-Optionen:

  1. Absacker: Intuition
    Eine Forschergruppe um Joseph Mikels, Assistenzprofessor an der DePaul University in Chicago, hat vor einigen Jahren den Nutzen von Intuition untersucht. Die Gruppe stellte fest, dass 65 % der Studienteilnehmer objektiv und subjektiv zum besten Ergebnis kamen, wenn sie auf ihre Intuition hörten. Nur 26 % wählten die beste Alternative, wenn sie rational entschieden. Die Autoren der Studie empfehlen, bei komplexen Entscheidungen und wenn es hart auf hart kommt, der eigenen Intuition zu vertrauen und die Alternative mit dem „guten Gefühl“ zu wählen. Mit anderen Worten: Das Frühstücks-Büffet scannen und schauen, was Appetit macht.
  2. Absacker: Vergleichen
    Wenn Sie vor dem Frühstücks-Büffet stehen, vergleichen Sie Ist- und Soll-Zustand. Was verändert sich positiv, wenn Sie den Ist-Zustand durch eine Multioption verändern? Wie wird der mögliche Soll-Zustand aussehen und ist er attraktiv genug, dass sich ein persönliches Investment lohnt? Wenn ja, dann greifen Sie beherzt zu. Wenn nicht, sollten Sie den 3. Absacker zu sich nehmen.
  3. Absacker: Verzichten
    Um am Frühstücks-Büffet der Multioptionen guten Gewissens verzichten zu können ist es wichtig, dass wir zuvor eine grundlegende Lebensvision definiert haben. Was möchte ich beruflich und privat erreichen? Welchen Fußabdruck möchte ich in der Welt hinterlassen? Welche Ziele sind für mich erreichbar und glückstiftend? Alle Multioptionen, die weder dem großen Ganzen dienen noch kurz-, mittel- oder langfristig Appetit machen, dürfen getrost auf dem Frühstücks-Büffet liegen bleiben.

Nur weil man alle Möglichkeiten hat, muss man sie nicht nutzen. Ab und an einen der drei Absacker zu sich zu nehmen hilft, dem Völlegefühl einer Multioptionen-Gesellschaft vorzubeugen.

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