Roboter sind keine Kollegen – sie sind Werkzeuge und Erfüllungsgehilfen!

Isaac Asimov verfasste 1942 in seinem Roman „Runaround“ die „Drei Gesetze der Robotik“ – eindrucksvoll in Szene gesetzt in der Verfilmung „I, Robot“ mit Will Smith. Asimovs Gesetze müssten schon lange Niederschlag gefunden haben in internationalen Abkommen und Gesetzesbüchern, denn als ich diesen Film im Jahr 2004 sah, hielt ich ihn noch für Fiktion. Heute bräuchten wir die Gesetze dringender denn je.

Die Asimov’schen Gesetze lauten:

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Die Gesetze sind hierarchisch aufgebaut und sollten – zum Schutz der Menschheit – universelle Geltung haben, die von niemandem in Frage gestellt werden darf.

Doch spätestens beim Einsatz von Robotern im Krieg wird schon das erste Gesetz gebrochen – wissentlich vom Menschen einprogrammiert. Würden wir uns an Asimovs Gesetzen orientieren, könnte es gar keine Kriegs-Roboter geben. Ich persönlich würde das begrüßen. Wenn wir immer noch nicht gelernt haben, in Frieden miteinander zu leben, dann sollten wir doch zumindest weltweit weiterhin in dem Bewusstsein Krieg führen, dass wir jedes Mal Menschen riskieren und keine Roboter.

Die Hemmung zu töten fällt in dem Moment, wo eine Maschine dazwischen geschaltet ist. Der Mensch drückt nur noch auf den Knopf oder betätigt einen Joystick (allein die Bezeichnung „Joystick“ ist in diesem Zusammenhang an Perversität kaum zu überbieten…). Die Tötungshandlung selbst findet am Bildschirm statt. So wird echter Krieg zu einem Computerspiel.

Das ist pure Menschenverachtung.

Doch wir können auch in unseren Alltag blicken und stellen fest, Asimovs Roboter-Gesetze finden kein Gehör – oder werden schlicht ignoriert.

Denn „Verletzung“ oder „Schaden zufügen“ findet schon in dem Augenblick statt, indem ein Roboter einen Arbeitsplatz übernimmt, der vorher für einen Menschen vorgesehen war. Unter dem Vorwand von mehr Produktivität, Fehlerreduktion, Effektivität – und natürlich höheren Gewinnmargen – werden Menschen wie Altlasten entsorgt.

Auch das ist in meinen Augen menschenverachtend.

Jedes Mal, wenn ein Roboter eine vom Menschen programmierte Handlung vollzieht, ist dieser Roboter nicht mehr und nicht weniger als ein Erfüllungsgehilfe und ein Werkzeug.

Egal wie niedlich und kindgleich Roboter aussehen – lassen wir uns doch nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Maschine uns im besten Fall zwar Tätigkeiten abnimmt, die wir nicht (mehr) ausführen wollen. Doch hat uns jemals jemand gefragt, welche Tätigkeiten uns zum Hals raushängen und welche wir – trotz aller Routine – vielleicht doch gern behalten würden?

Nein, diese Selbstbestimmung haben wir nie gehabt. Warum eigentlich nicht?

Im schlimmsten Fall beraubt die Maschine uns daher – ungefragt und ohne unser Einverständnis – unserer Existenz, nimmt uns das (Nach-)Denken ab, bemächtigt sich unserer Daten, manipuliert unsere Gedanken oder beeinflusst unsere zwischenmenschliche Kommunikation.

Weil es ein Roboter ist, der dies alles tut, und wir unbewusst vermutlich immer noch wissen, dass ein Roboter kein Mensch ist, nehmen wir das klaglos und gedankenlos hin. Einen Roboter können wir nicht verantwortlich machen – dafür gibt es bislang noch keine Gesetzesgrundlage.

Wir können einen Roboter nicht vor ein Arbeitsgericht ziehen. Wir können ihn vor kein Strafgericht zerren und auch vor dem Internationalen Gerichtshof müssen die ersten Verhandlungen gegen Roboter- oder Drohnen-Armeen erst noch geführt werden.

Doch selbst wenn das möglich wäre, Roboter und Drohnen sind nicht verantwortlich. Sie sind Erfüllungsgehilfen und Werkzeuge – nicht mehr und nicht weniger!

Verantwortlich sind die, die diese Roboter programmieren. Diejenigen, die den Hype um Künstliche Intelligenz gedanken- und im wahrsten Sinne verantwortungslos befüttern, die totale Digitalisierung fordern und an einen Technik-Gott glauben. Sie sind diejenigen, die einer humanistischen Wertehaltung den Rücken kehren.

Und das sind Menschen.

Menschen wie Sie und ich.

Doch sie sind nicht allein verantwortlich. Denn auch wir Nicht-Programmierer und DAUs (dümmsten anzunehmenden User) tragen Verantwortung. Eine Verantwortung darüber nämlich, dass wir uns von der Technik blenden und überrollen lassen, uns nicht kümmern – und dadurch wichtige, zukunftsrelevante Diskurse nicht führen, obwohl es dringend notwendig wäre.

Digitalisierung und die Nutzung Künstlicher Intelligenz ist ein globales, gesellschaftliches Thema. Kein technologisches, sondern ein menschliches.

Wann also beginnen wir einen zwischenmenschlichen Dialog über technologische Grenzen?

Wann sind wir selbst uns (wieder) so wichtig, dass wir Asimovs Gesetze aus der Science Fiction Realität werden lassen?

Wann endlich reduzieren wir Roboter auf das, was sie tatsächlich sind und hören auf, sie zu unserem Ebenbild oder zu einer höheren, perfekteren und intelligenteren Version unseres Selbst zu stilisieren?

0_anzeige-bucher
„Futability®“ bestellen | „Raus aus dem Mikromanagement“ bestellen
Advertisements

One comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s