Der Mensch und Künstliche Intelligenz – mehr Emanzipation, bitte!

Emanzipation bedeutet die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit. Genau das benötigen wir, denn still und leise haben sich Künstliche Intelligenz, automatisierte Arbeitswelten, Internet der Dinge oder grenzenlose digitale Kommunikation in unseren Alltag geschlichen. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat die Mehrheit der 1.000 Befragten (61%) den Begriff Künstliche Intelligenz zwar schon einmal gehört, kann ihn aber nicht erklären. Für eine kritische Beurteilung und für eine längst überfällige Wertediskussion zur Turbo-Digitalisierung ist dieses Ergebnis verheerend.

Der Einzug von intelligenten Maschinen in unseren Alltag ist keine Utopie mehr. Die Robotik hat bereits weite Teile unserer Lebens- und Arbeitswelten grundlegend verändert und sie wird es auch in Zukunft noch viel weiter tun. Die Beziehung des Menschen zu neuen Technologien ist dabei oft ambivalent.

Das zeigt auch die Studie von PwC. 77 % der Befragten glauben, dass künstliche Intelligenz den Menschen helfen wird, ihren Alltag besser zu organisieren. 72 % hegen zudem die Hoffnung, sich dadurch „auf wichtigere Dinge im Leben“ konzentrieren zu können. Zugleich räumen allerdings 51 Prozent ein, dass ihnen die Entwicklung ein Stück weit auch Angst mache. Die Aussage „Die künstliche Intelligenz wird mehr Arbeitsplätze schaffen als vernichten“ trifft daher auch nur bei 35 % auf Zustimmung.

Dazu passt die Aussage von Sir Stephen Hawking, der zu seinem 75. Geburtstag Anfang 2017 vor sozialer Ungleichheit warnte und die Eliten zu mehr Demut aufforderte. In einem Artikel schreibt er:

„Die Automatisierung der Fabriken hat einen Großteil der Arbeitsplätze in den traditionellen Produktionsbetrieben vernichtet. Durch das Aufkommen und die Verbreitung künstlicher Intelligenz sind jetzt auch die Arbeitsplätze der Mittelschicht bedroht. Das wird die ohnehin weit verbreitete wirtschaftliche Ungleichheit in aller Welt noch weiter verschärfen.“

Umso wichtiger wäre es, die Menschen grundsätzlich über Vor- und Nachteile, Chancen und Risiken von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz aufzuklären – sie zu emanzipieren, um an diesem radikalen und tiefgreifenden Veränderungsprozess selbstbestimmt teilhaben zu können.

Die kommenden technologischen Veränderungen werden – wenn die heute vorhanden Möglichkeiten Künstlicher Intelligenzen weiter ausgebaut und massentauglich werden – eine Zäsur bedeuten. Sie werden einige Gewinner hervorrufen – aber auch sehr viele Verlierer, wenn die von Hawking geforderte Demut nicht bald dazu führt, die breite Masse der Menschen auf diese Reise in die Zukunft mitzunehmen.

Denn – auch das hat die PwC-Studie offenbart – die Fehlinformationen führen zu fehlgeleiteten Hoffnungen und falschen Bewertungen dessen, was Künstliche Intelligenz können kann und können sollte. 23 % glauben, Künstliche Intelligenzen werden bald in der Lage sein, einen Nummer 1-Hit zu schreiben, 22 % erwarten von Künstlichen Intelligenzen Lösungen für den Klimawandel, 21 % glauben, KI-System könnten zukünftig Krebs heilen, ein Drehbuch schreiben (13 %), ein wertvolles, anerkanntes Kunstwerk schaffen (12 %), einen Bestseller schreiben (12 %) oder den Nobel-Preis gewinnen (9 %).

Auch hier ist eine Emanzipation mehr als notwendig. In dem Moment nämlich, wo wir Künstliche Intelligenzen auf eine Stufe mit uns stellen, ihnen ein „Selbst“ und damit selbstständige Entwicklungs- und Gestaltungsmacht zuschreiben, degradieren wir uns in dieser Gleichung. Wir unterwerfen uns den Maschinen, wir hoffen, dass sie Lösungen finden, für Probleme, die wir selbst verursacht haben. Das ist paradox! Denn es ist ja nicht die Künstliche Intelligenz an sich, die das alles irgendwann können kann oder können sollte, sondern die Menschen, welche die Künstlichen Intelligenz programmieren.

Dass dieses Paradox jedoch schon versucht wird aufzulösen, sollte viel kritischer unter die Lupe genommen und einer globalen ethisch-moralischen Diskussion unterzogen werden. Das habe ich bereits in vielen Blogartikeln kommentiert (z.B. hier oder hier oder hier oder hier).

Wer, wenn nicht wir selbst, holt aus der digitalen, technologie- und wirtschaftsgetriebenen Revolution das Beste für die Menschen heraus? Und wie sieht das Beste aus?

Die Künstlichen Intelligenzen werden diese elementaren Fragen nicht für uns beantworten – und wenn, müssten wir sie vorher programmieren und ihnen den Befehl dazu geben. Von alleine, aus selbsttätigen Stücken, kommt eine Künstliche Intelligenz nicht darauf, denn ihre „Intelligenz“ ist eben nur künstlich, vom Menschen gemacht.

Dass wir dieser Künstlichen Intelligenz immer mehr menschliche Eigenschaften und Errungenschaften zuschreiben, ist auch kein Verdienst der Künstlichen Intelligenz, sondern der eines erfolgreichen Marketing-Feldzuges.

Auch das ist… paradox….!

Wir sind auf dem Weg, uns selbst so überflüssig zu machen, dass schließlich, mit viel Pech, nicht einmal mehr die von Hawking geäußerte Vermutung zutrifft, dass

„am Ende dann nur noch Stellen in der Intensivpflege, für Kreativarbeiter sowie für Management- und Aufsichtspersonal bleiben.“

Damit es nicht so weit kommt, und wir differenziertere Antworten für das Beste für den Menschen finden, brauchen wir mehr Aufklärung, mehr Emanzipation und viel mehr öffentliche Diskurse.

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