Hummer-Mut statt Hammer-Angst in VUCA-Welten

Es hat sich herumgesprochen: Unsere Welt ist VUCA – das Gegenteil von stabil, planbar, linear und sicher. In meinen Keynotes frage ich die Zuhörerinnen und Zuhörer immer, ob sie ihr direktes Arbeitsumfeld VUCA wahrnehmen – mindestens zwei Drittel antworten regelmäßig mit „Ja“. Die große Herausforderung ist jedoch nicht die VUCA-Welt an sich, sondern der Umgang mit ihr. Anregungen zur Handhabung gibt uns dieses Mal nicht Kollege Roboter, sondern wir schauen ins Tierreich, zu unserem Freund, dem Hummer.

Unsicherheiten zu erleben, nicht (mehr) zu wissen, was im beruflichen Kontext richtig oder falsch, verlässlich oder unberechenbar ist, Erfolg verspricht oder zum Scheitern verurteilt, macht Angst.

Um VUCA-Welten „bändigen“, also für uns selbst handhabbar machen zu können, benötigen wir daher vor allem eines: Mut. Hummer können uns einiges über Mut beibringen.

Hummer-Mut statt Hammer-Angst

Wenn ein Hummer wächst, verengt sich seine Schale, sie wird fest und unangenehm, denn sie wächst nicht mit dem Hummer mit. Daher muss der Hummer in regelmäßigen Abstanden seine Schale abwerfen, damit eine neue wachsen kann.

Wenn es also Zeit wird, die alte Schalte abzuwerfen, ist der Hummer für eine gewisse Zeit „nackt“ und damit schutzlos. Und zwar so lange, bis die neue Schale nachgewachsen ist. Während dieser Zeit der Verwundbarkeit versteckt sich der Hummer, um sich vor Raubtieren zu schützen.

Das macht der Hummer sein Leben lang – bis zu 44 Mal, bevor er ein Jahr alt ist. Erreichen Hummer ein Alter von sieben Jahren, häuten sie sich einmal jährlich und danach alle zwei bis drei Jahre. Dabei erfordert jeder Häutungsvorgang mehr Energie als der vorherige, weil der Hummer an Größe zunimmt.

Der Hummer hat bei diesem Wachstumsvorgang kein Mitspracherecht. Er kann seine eigene Natur nicht beeinflussen und plötzlich beschließen, dass seine Schale flexibel mitwächst.

Auch wir haben, was die generelle VUCA-Ausrichtung unserer Welt angeht, kaum ein Mitspracherecht. Wir können die Technologie-Schraube nicht zurückdrehen, die Globalisierung nicht anhalten oder den demografischen Wandel durch Knopfdruck ausstellen.

Ignorieren oder verweigern wir uns daher den Veränderungen, die im Außen geschehen, kann es sein, dass unser eigenes Wachstum dadurch beeinträchtigt wird – beruflich, persönlich, existenziell.

Unbehagen ist ein Katalysator für Veränderung

Der Hummer häutet sich, sobald sein äußeres Gehäuse zu eng wird. Er fühlt sich in diesem Moment gewissermaßen in seiner Schale nicht mehr wohl. Und auch wir sind immer öfter gezwungen, uns buchstäblich zu häuten, wenn wir uns in unserer Haut nicht mehr wohlfühlen, also das äußere Gehäuse nicht mehr passt. Zum Beispiel weil sich Arbeitsbereiche verändern, Abteilungen im Unternehmen verschwinden, Zukäufe stattfinden oder ein neuer Chef einem das Leben schwer macht.

Harren wir in solchen Situationen in unserem Unbehagen aus, wird uns das physisch und psychisch auf Dauer nicht gut tun. Durch das Verharren unterdrücken wir notwendige Veränderungen – und damit auch unser persönliches Wachstum.

Häuten wir uns – also begeben wir uns in den persönlichen Transformationsprozess – sind wir für eine gewisse Zeit ähnlich „nackt“ wie der Hummer. In dieser Zeit sind wir verwundbar – und genau das hält uns sehr oft davon ab, die notwendigen eigenen Transformationsprozesse zu durchlaufen.

Machen wir es daher doch an der Stelle ähnlich wie der Hummer: Seien wir achtsam, was unsere eigene Verletzlichkeit in Veränderungsprozessen der heutigen VUCA-Welt angeht, und suchen wir uns Schutz. Wie dieser Schutz aussieht und wie lange wir ihn brauchen, können und müssen wir individuell entscheiden. Wir werden es merken, wenn die äußere Schale wieder hart und kräftig genug ist und wir unsere eigene Deckung verlassen können.

Würde der Hummer nicht mutig immer wieder in den Häutungsprozess gehen, würde irgendwann seine Schale mit Gewalt platzen und ihn sicherlich verletzen.

Der „Hummer-Mut“ ist also notwendig, damit Wachstum und Veränderung möglich sind. Damit aus dem Hummer-Mut keine Hammer-Angst wird, wenn wir unserem tierischen Freund nacheifern, an dieser Stelle noch ein Hinweis zum Mut: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst oder von Schwierigkeiten. Ganz im Gegenteil. Mutig zu sein bedeutet, sich durch das Unbehagen, Unsicherheiten und die eigenen Phasen der Verletzlichkeit hindurch zu arbeiten und Schutz zu suchen, wenn es notwendig ist.

„Courage doens’t always roar.
Sometimes courage ist he quiet voice
at the end oft the day saying,
I’ll try again tomorrow.“
Mary Anne Rademacher

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