Warum Lärm-Detox gesünder ist als ein grüner Smoothie

Der Alltag ist laut. Social Media kennt keine Stille, Twitter zwitschert 24/7, Nachrichten gibt es rund um die Uhr und die mobile Erreichbarkeit ermöglicht den permanenten Stand-by. Die heutige Welt steht nicht still – und sie ist auch nicht still. Dabei ist es weniger der Kommunikationslärm, der anstrengt und ablenkt, sondern vielmehr die Kakophonie der unterschiedlichsten Informationen und Informationskanäle, die unsere Aufmerksamkeit fordern. Und genau darum sind strukturierte Perioden der Stille heute wichtiger denn je.

Jedes Jahr im Juli und August und zunehmend auch drei bis vier Wochen zwischen den Jahren, gönne ich mir eine Entziehungskur. Ich ziehe quasi den Stecker und verabschiede mich aus den sozialen Medien, ignoriere, dass meine Mobilnummer permanente Erreichbarkeit nach außen signalisiert und schalte das Gerät auf stumm und beantworte eMails dann, wenn ich möchte und nicht, wenn ich glaube zu müssen.

Warum tue ich das?

Weil ich zunehmend merke, dass der Druck der permanenten Kommunikation, der ständigen Erreichbarkeit und dem sich täglichen Auseinandersetzen mit News und Informationen, Energie saugt und sich extrem negativ auf meine Kreativität auswirkt.

Und so habe ich irgendwann beschlossen, Pausen einzulegen. Im ersten Jahr war es eine gesundheitliche Zwangspause – in all den Jahren danach waren und sind es ganz bewusste Kreativ-Pausen. Es ist nicht so, dass ich in dieser Zeit untätig bin – ganz im Gegenteil. Im Windschatten des Lärms wartet die wunderbare Stille der Gedanken auf mich und so nutze ich die Zeit, um strategisch zu arbeiten, nachzudenken, zu schreiben und neue Projekte zu entwickeln.

Ich befinde mich mit dieser Praxis in guter Gesellschaft. Die Erfolgsautorin JK Rowling, der Biograph Walter Isaacson und auch der Psychiater Carl Jung sind bzw. waren auch Verfechter einer disziplinierten Kultivierung der Stille.

Diese Kultivierung der Stille ist gleichzeitig auch eine Periode des Schweigens. Und zwar des Schweigens in Bezug auf die Außenwelt. Ich nehme in dieser Zeit keine Termine an und initiiere keine Meetings. Das funktioniert, weil ich im Vorfeld diese Rückzugsphasen klar und transparent kommuniziere und um Verständnis bitte, dass Meetings oder Telefonate in Zeiten gelegt werden, zu denen ich sporadisch „auftauche“. Oft werde ich sehr neugierig gefragt, was ich denn in der Kreativ-Pause gemacht habe und gern gebe ich darauf Antwort, denn ganz häufig sind daraus schon wunderbare und sehr intensive Gespräche entstanden, die sowohl mich als auch meine Gesprächspartner jedes Mal inspiriert haben.

Dass solche Auszeiten wichtig sind, zeigen neuere Studien, die herausfanden, dass „Lärm-Detox“ das Nervensystem wiederherstellt, den Energiehaushalt reguliert und die Gedanken klärt. All das hilft, langfristig anpassungsfähiger auf die komplexen Umgebungen zu reagieren, in denen so viele von uns momentan leben und arbeiten.

Eine solch komplexe Arbeitsumgebung ist u.a. das Großraumbüro, das in Zeiten von New Work wieder chic geworden ist. Großraumbüros und offene Arbeitsumgebungen sollen die Kommunikation erleichtern, effektives Arbeiten ermöglichen, Silo-Denken aufbrechen und die Kreativität fördern. Allerdings haben diese offenen Arbeitsumgebungen auch deutliche Nachteile, wie eine Studie der Universität Sydney herausfand, welche die sogenannte „Indoor Environmental Quality (IEQ)“ – die Innenraumqualität – untersuchte und dazu 43.000 Arbeitskräfte befragte. Demnach werden Großraumbüros und offene Arbeitsumgebungen durch den unkontrollierbaren Lärm und die fehlende Privatsphäre auch als belastend empfunden. Hinsichtlich der Innenraumqualität schnitten geschlossene Büroräume in der Studie deutlich besser ab, was die Aspekte der Akustik, der Privatsphäre als auch Fragen der Proxemik (das Empfinden von räumlichen Distanzen und dem daraus resultierenden Raumverhalten von Menschen) betraf. Die Vorteile der verbesserten „Leichtigkeit der Kommunikation“ konnten die Nachteile des erhöhten Lärmpegels und der verringerten Privatsphäre in offenen Arbeitsumgebunden nicht aufwiegen.

Und Imke Kirste von der Duke Medical School hat vor kurzem festgestellt, dass Stille die Entwicklung neuer Zellen im Hippocampus fördert. Der Hippocampus ist der Teil unseres Gehirns, der entscheidenden Einfluss auf unsere Lernfähigkeit und unser Gedächtnis hat. Ihn zu stärken schadet also nicht…

Echte, anhaltende Stille, die klares und kreatives Denken erleichtert und fördert, ist also gesund und tut gut. Doch nicht nur das. Sie entspannt auch noch auf ganz andere Art und Weise, denn sie ermöglicht uns, für einen gewissen Zeitraum nicht darüber nachdenken zu müssen, was wir wann, wo und vor allem wie kommunizieren (müssen). Für einen gewissen Zeitraum können wir uns der Verantwortung zu kommunizieren entziehen.

Und in dieser kultivierten – sorgsam gepflegten – Stille entsteht Raum zum (nach-)denken und inne halten.

Hier sind vier Tipps, wie Sie Momente der Stille in einem arbeitsreichen Alltag unterbringen können.

  1. Fangen Sie klein an:
    Gönnen Sie sich ein oder zwei Mal am Tag 5 bis 10 Minuten Auszeit. Schließen Sie die Bürotür oder suchen Sie sich ein stilles Plätzchen im Unternehmen, atmen Sie im wahrsten Sinne des Wortes tief durch und genießen Sie die Stille.
  2. Machen Sie einen Termin mit „Dr. Frei“:
    „Dr. Frei“ ist kein Arzt im herkömmlichen Sinne, sondern ein imaginärer Mensch, mit dem Sie einen Termin vereinbaren bei dem Sie vor allem eines tun: Nichts. Und dieses Nichts ist begleitet von wohltuender Stille – im Wald, zu Hause im Garten oder im Park. Ob dieser Termin kurz oder lang ist, entscheiden Sie. Ob Sie diesen Termin einmal oder mehrfach pro Woche wahrnehmen entscheiden Sie ebenfalls. Wichtig ist nur: Ihr Telefon ist auf stumm geschaltet oder ist komplett außerhalb Ihrer Reichweite.
  3. Machen Sie eine Social Media-/eMail-Diät:
    Fasten Sie für mehrere Stunden, einen Tag – oder über mehrere Wochen. Wenn sie ein Social Media-Junkie sind, wird die Fastenzeit schmerzen und sie werden sicherlich erst einmal nur kurze Auszeiten nehmen. Ich habe diesen Drang zu Social Media nie verspürt. Mein Bedürfnis, mein Leben online zu teilen, hält sich sehr in Grenzen, daher fiel mir dieser Schritt nie schwer. Problematischer empfand ich vielmehr, dem Drang zu widerstehen, direkt auf eine eMail zu antworten – also ToDos auch mal virtuell liegen zu lassen. Aber so oder so, die Social Media-/eMail-Diät entschlackt ungemein…
  4. Probieren Sie es mal mit Meditation:
    Das war für mich sehr befremdlich und ich bin nach wie vor keine konstante Meditiererin. Jedoch schätze ich mittlerweile angeleitete Meditationen. Gute Videos dazu gibt es auf Youtube. Probieren Sie aus, welche für Sie am besten funktionieren. Hier wird die Stille zwar unterbrochen – jedoch ersetzt durch bewusst geleitete Entspannung, die bei mir ebenfalls hilft, dass Gedanken zur Ruhe kommen und sich Erlebtes setzen kann.

Diese vier Möglichkeiten helfen, vom Lärm zu „entgiften“. Und ich bin sicher, in der Ruhe, fernab des Lärms, kommen Ihnen bestimmt noch weitere Ideen, wie Sie mit einer immer lauter werdenden Welt umgehen und Oasen der Stille für sich finden können.

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