5 Tipps, um den Status Quo zu ändern

Wie schwer oder wie leicht fällt es Ihnen, einen Status Quo zu verändern? Wie gern verlassen Sie Ihre Komfortzone – vor allem dann, wenn Ihnen aufgrund äußerer Umstände keine andere Wahl bleibt? Wie oft haben Sie erlebt, dass Führungskräfte und Top-Manager den Status Quo herausfordern oder die Mitarbeitenden bitten, „Out-of-the-Box“ zu denken? Es gibt gute Gründe, warum wir einen Status Quo bewahren – und es gibt noch bessere Gründe, warum wir genau das in der heutigen VUCA-Welt nicht mehr tun sollten.

Harvard Business Review ging im Jahr 2016 der Frage nach, inwieweit Führungskräfte zu Denken und Handeln außerhalb bekannter Normen ermutigen. Von mehr als 1.000 befragten Personen gaben weniger als 10 % an, dass sie in Unternehmen gearbeitet haben, die regelmäßig Nonkonformität förderten und nur 3 % sagten, dass sie aktiv zum „Out-of-the-Box“-Denken ermutigt wurden.

Die Zahlen überraschen nicht wirklich. Auch ich erlebe immer wieder, dass Unternehmen – theoretisch – Querdenker und Nonkonformisten suchen und prinzipiell auch erkennen, dass der Status Quo in einer VUCA-Welt nicht mehr in allen Bereichen aufrecht erhalten und daher pro-aktiv hinterfragt werden muss. Jedoch: Es hapert an der tatsächlichen Umsetzung. Der Theorie folgt höchst selten eine überzeugende Praxis.

Das bleibt nicht ohne Folgen. In dem Moment, wo in einem Status Quo verharrt wird, der nicht mehr die aktuelle Unternehmenswirklichkeit wiederspiegelt, setzt Stagnation ein. Change-Prozesse kommen zum Erliegen und die Change-willigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in die Demotivation getrieben.

Das große Dilemma dabei ist, dass die Veränderung eines Status Quo in der heutigen Zeit nicht selten das Unternehmens-Fundament in Frage stellt. Und dieses Unternehmen-Fundament ist im Regelfall vergleichbar mit einem unternehmerischen „Herz-Kreislauf-System“. Eine Veränderung des Status Quo ist damit – gefühlt – eine Operation am offenen Herzen. Und das macht zu Recht Angst.
In der Konsequenz wird daher dann zunächst versucht, das „Herz-Kreislauf-System“ durch Aufputschmittel am Laufen zu halten – oft sind das Kostensenkungen jeglicher Art oder halbherzige Produktveränderungen, die den Kunden als Innovationen verkauft werden. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes substituiert, bis der Arzt kommt – nur wenn er dann kommen muss, ist es meistens zu spät.

Dann bleibt nichts anderes übrig, als am Fundament zu rütteln, um das Organisationssystem am Leben zu erhalten. Nur besitzt das unternehmerische „Herz-Kreislauf-System“  jetzt nicht mehr die ursprüngliche Schlagkraft und Energie, weil alle erfolgten Aufputsch- und Substitutionsversuche an der Substanz genagt haben. Das Fundament ist bröckelig geworden.

Solide Fundamente unterstützen Substitutionshandeln in veränderungsarmen Zeiten oft für eine sehr lange Zeit, denn fast jedes Unternehmen hat im Regelfall lineare Organisationsstrukturen aufgebaut, die auf dem Status Quo der Gründung beruhen. Grundlagen für Agilität und Flexibilität, für Netzwerkorganisationen, die kooperative Zusammenarbeit unterstützen oder Fehlerkulturen, die Innovation fördern, finden sich in historisch gewachsenen Unternehmen kaum. Diese evolutionären Unternehmensstrukturen findet man stattdessen in einigen Unternehmensgründungen der jüngeren Geschichte – Facebook und Google beispielhaft genannt – und auch Start-Ups bemühen sich meist um agilere Strukturen. Doch diese Unternehmen gehören zu einer kleinen Minderheit.

Wir selbst haben unser erstes Unternehmen vor 20 Jahren als lineare Organisation aufgebaut und mussten erst neu gründen, um die Grundlagen für ein komplett agiles Unternehmens-Biotop schaffen zu können.

Ein Status Quo definiert also immer den Erhalt eines bestehenden Sachverhalts und unterstützt damit eine natürlich vorhandene Bequemlichkeit, ein ganz normales Beharrungsvermögen und das Denken in gewohnten Bahnen. Das ist viel einfacher und angenehmer als nonkonformes Denken und das Infrage-Stellen eines gewohnten Status Quo.

Was also ist zu tun, wenn alle Aufputsch- und Substitutionsversuche nicht zum gewünschten Ergebnis führen und am offenen Herzen so lange herumlaboriert wird, bis der Kollaps droht? Wie kann der Status Quo herausgefordert werden und trotzdem eine gesunde Transformation erfolgen?

Hier sind 5 Tipps:

  1. Übernehmen Sie Verantwortung.
    Egal ob Führungskraft, Mitarbeiterin oder Mitarbeiter: Status Quo-Veränderungen sind erfolgreicher, wenn es Menschen gibt, die Verantwortung für den Change übernehmen. Verantwortung zu übernehmen ist gleichzeitig auch eine notwendige Grundlage, um Vertrauen aufzubauen. Denn wenn es niemanden gibt, der sich verpflichtet fühlt, dafür zu sorgen, dass das jeweils Notwendige und Richtige getan wird, dann wird weder ein Gemeinschaftsgefühl entstehen, noch wird es Gefolgsleute geben, die sich dem Change positiv gestimmt anschließen.
  2. Seien Sie risikobereit.
    Sobald ein Status Quo hinterfragt und ein Change eingeleitet wird, winden sich viele aus der Verantwortung, weil sie das Risiko scheuen. Insbesondere in Null-Fehler-Kulturen gleicht Risikobereitschaft oft einem beruflichen Harakiri. Denn wer will schon seinen Ruf aufs Spiel setzen, wenn es keine wirkliche Unterstützung für das Risiko gibt?
    Aber wir leben in unsicheren Zeiten. Darum müssen wir lernen, das Unerwartete zu erwarten und leistungsstarke Umgebungen zu schaffen, in denen die Menschen unter Druck gut zusammenarbeiten und sich leicht an konstante Veränderungswellen anpassen können, um dem Markt und dem Wettbewerb zu folgen. Dazu gehört, Risiken einzugehen, wenn es sinnvoll ist und diese Risiken das Unternehmen voran bringen.
    Wägen Sie daher gut ab und entscheiden Sie selbst: Welches Risiko wiegt schwerer? Den Status Quo beizubehalten oder ihn zu verändern? Ist das Risiko kalkuliert oder unkalkuliert? Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie den Status Quo beibehalten? Und was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn Sie ihn in Frage stellen und verändern?
  3. Nicht warten, starten.
    Sie wissen nicht, wie man anfängt? Nun, im Zweifel starten Sie einfach irgendwo. Bleiben Sie auf keinen Fall untätig. Untätigkeit wird in VUCA-Zeiten sofort abgestraft, denn es gibt irgendwo auf der Welt immer Menschen und Unternehmen, die ähnliche Ideen und Business-Konzepte haben wie Sie – und die im Zweifel schneller sind. Bevor Sie der (unbekannten) Konkurrenz galant den Vorrang lassen, weil Sie noch Pro und Contra abwägen, fangen Sie lieber an. Brechen Sie Silo-Denken auf, werben Sie für die Veränderung, arbeiten Sie an einer emotionalen Vision, suchen Sie Unterstützerinnen und Unterstützer – und nehmen Sie ggf. externe Expertinnen und Experten zu Hilfe, die Ihnen zu optimalen Startbedingungen verhelfen.
  4. Operieren Sie nicht allein.
    Kein Chirurg operiert allein am offenen Herzen. Haben Sie also genug Ehrfurcht vor dem vor Ihnen liegenden Prozess und suchen Sie sich so viel Unterstützung wie nötig. Werben Sie für Kooperationen, initiieren Sie Arbeitsgruppen, nehmen Sie Expertenrat an, integrieren Sie Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und pflanzen Sie die Saat der Inspiration möglichst breitflächig.
  5. Seien Sie ein Vorbild.
    Wenn Sie sich die Punkte 1-4 zu Herzen nehmen und umsetzen, sind Sie ganz sicher eines geworden: ein Vorbild. Jetzt gilt es, das Rampenlicht auszuhalten, das auf Sie scheint. Bis hierhin haben Sie es sich verdient – nun arbeiten Sie daran, dass Sie es auch weiterhin verdienen. Seien Sie integer und authentisch. Seien Sie transparent und teilen Sie Wissen und Informationen. Behandeln Sie die Menschen, mit denen Sie arbeiten mit Anerkennung und Respekt, wertschätzen Sie deren Einsatz und Hingabe. Seien Sie sich nicht zu schade, sich auch weiterhin die Hände schmutzig zu machen.

Den Status Quo herauszufordern ist eine Herausforderung. Viele möchten genau das tun, aber nur wenige trauen sich. In vielen Fällen sind es nicht unsere Wettbewerber, die uns das Leben schwer machen oder unsere unternehmerische Entwicklung blockieren. In den meisten Fällen sind wir es selbst, weil wir an einem Status Quo festhalten, der uns zu Boden drückt, anstatt unserem Erfolg Flügel zu verleihen.

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