„Heureka-Momente“ durch Creative Walking

In veränderungsarmen Zeiten können wir viele Probleme mit Logik, Sorgfalt und Erfahrung lösen. In Zeiten extremer Veränderungen, wie wir sie momentan erleben, reicht diese Vorgehensweise jedoch nicht aus. In heutigen Zeiten brauchen wir geniale Einfälle, Geistesblitze oder sogenannte „Heureka-Momente“, um Lösungen für Extremfragen zu entwickeln. Einer überlieferten Anekdote nach soll Archimedes von Syrakus unbekleidet und laut „Heureka!“ rufend durch die Stadt gelaufen sein, nachdem er in der Badewanne das nach ihm benannte Archimedische Prinzip entdeckt hatte.

Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit diesen Heureka- oder auch Aha-Momenten und versucht herauszufinden, was vorliegen muss, damit Menschen zu bahnbrechenden Erkenntnissen gelangen oder mentale Gordische Knoten durchschlagen können. Die Beantwortung dieser Frage ist wichtig, denn sie würde weiteres Licht auf die Funktionsweise kreativen Denkens werfen, die uns in vielen Bereichen immer noch Rätsel aufgibt.

Kreatives Potenzial hat jeder Mensch – und doch scheint Kreativität für viele eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Es sieht so einfach aus, auf Ideen zu kommen – bei vielen Ideen, die uns präsentiert werden, fragen wir uns nicht selten: „Wieso ist mir das nicht eingefallen?“ Das Problem der Kreativität ist nämlich, dass wir sie nicht erzwingen können. Wir können uns nicht hinsetzen und sagen: „Heute komme ich auf eine gute Idee.“ Weil Ideen oft gefühlt aus dem Nichts kommen, ist der erste Schritt der kreativen Reise schwierig und oftmals regelrecht einschüchternd. Man weiß nicht, wo man anfangen soll, wie das innovative Ende aussieht – und ob es überhaupt erreicht werden kann.

Doch jede Reise – auch die kreative – beginn mit einem ersten Schritt. Buchstäblich. Denn wer seine Kreativität ankurbeln und Heureka-Momente antriggern will, muss sich:

bewegen und raus an die frische Luft.

John Kounios von der Drexel University und Mark Beeman von der Northwestern University haben untersucht, was die sogenannten „Heureka-Momente“ oder Aha-Erlebnisse hervorruft bzw. antriggert. Heraus kam, dass Naturerlebnisse sehr dienlich dafür sind, einen Geisteszustand zu erzeugen, bei dem wir unsere Scheuklappen ablegen und Heureka-Momente erzeugen können.

Auch die Verhaltens- und Lernforscherin Marily Oppezzo konnte in mehreren Gruppenversuchen bestätigen, dass Wandern als kreativer Treibstoff dient. Die Gruppen, die spazieren gingen oder auf einem Laufband liefen, erzielten höhere Kreativität und kreativeren Output als diejenigen, die saßen. Körperliche Aktivität stimuliert das Gehirn und ermöglicht es den Menschen, produktiver zu sein.

Ein einfacher Spaziergang genügt, um die Wahrscheinlichkeit genialer Geistesblitze zu erhöhen. Wandern oder Spazierengehen ist ein halbmechanischer Akt des Gehens – wir führen ihn aus, ohne darüber nachdenken zu müssen, was wir gerade tun. Die eintönigen körperlichen Bewegungsabläufe sorgen dafür, dass unsere Gedanken leichter schweifen. Während wir uns in einem für uns angemessenen Tempo bewegen, fängt unser Geist an zu Joggen.

Folgende Punkte sollten Sie beim „Creative Walking“ beachten:

  • Bereiten Sie Ihren „Creative Walk“ vor. Überlegen Sie konkret, welche Fragestellung Sie auf den Spaziergang mitnehmen möchten. Sie denken also schon im Vorfeld absichtlich darüber nach, dass Sie während des Spaziergangs eine andere Perspektive für Ihre Fragestellung entwickeln wollen. So bereiten Sie Ihr Gehirn auf die kommende Kreativ- und Denkleistung vor.
  • Gehen Sie in einem angenehmen Tempo, während Sie Ihre Gedanken wandern lassen. Der „Creative Walk“ sollte nicht in Leistungssport ausarten, denn dann ist Ihr Gehirn zu sehr mit Ihrem Körper beschäftigt.
  • Geben Sie sich während Ihres Spaziergangs nicht mit der erstbesten Idee zufrieden. Je länger Sie laufen, umso mehr Ideen werden kommen.
  • Schalten Sie Ihr Smart-Phone aus, sonst können Sie laufen, bis Sie Blasen an den Füßen haben. Die Geistesblitze werden sich nicht einstellen, wenn Sie Ihr Gehirn durch Mails, Apps oder Kurznachrichtendienste ablenken.

 

Und was machen Sie, wenn die Geistesblitze während des Spaziergangs nicht kommen? Dann kehren Sie um und gehen nach Hause. „Creative Walking“ ist – wie jede andere Kreativtechnik – eine Frage der Übung, die Wiederholung verträgt, wenn es beim ersten Mal nicht zum gewünschten Ergebnis kommt.

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