5 Schritte, um Druck von außen abzuwenden

Ich habe mit 39 Jahren eine Gürtelrose gehabt. Diese Krankheit bekommt man, so habe ich sehr schnell gelernt, entweder, wenn man alt ist – oder wenn man gestresst ist. Mit 39 Jahren fühlte ich mich nicht alt, aber ich stand massiv unter Druck. Das ist nun fünf Jahre her. Die Gürtelrose ist innerhalb weniger Wochen vollständig ausgeheilt, weil ich sie zum Anlass nahm, in meinem Leben wesentliche Dinge radikal zu ändern. Unter anderem suche ich – bis heute – nach verschiedenen Wegen, Druck von außen abzuwenden. Diese 5 Schritte helfen mir dabei.

Schritt 1: Ich erkenne die Erwartungshaltung hinter dem Druck.

Druck von außen ist vergleichbar mit einer Energiewelle, die auf einen zurollt. In ihr steckt ein fremder Wille, eine fremde Erwartungshaltung, eine fremde Anforderung. Fremd deshalb, weil sie entweder bewusst von anderen auf einen übertragen wird oder weil man bei sich selbst einen blinden Fleck hinsichtlich eigener Erwartungshaltungen hat. Daher besteht der erste Schritt darin; überhaupt zu erkennen, wer oder was den Druck ausübt und welche Erwartungshaltung mit ihr transportiert wird.

Schritt 2: Ich werde mir bewusst, welchen Anteil ich selbst am Druck habe.

Die Unterscheidung zu treffen zwischen „fremd“ und „selbst“ ist nicht immer einfach. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jede Fremderwartung immer auch einen Eigenanteil hat. Das Leben konfrontiert uns so lange mit Herausforderungen, bis wir sie für uns gelöst haben. Perfektionismus, Angst vor Fehlern, Angst, das Gesicht zu verlieren oder den eigenen bzw. fremden Erwartungen nicht entsprechen zu können und damit Menschen zu enttäuschen – all das kann eine Rolle spielen, mit Druck nicht umgehen zu können. Hinzu kommt, dass wir in Deutschland in einer Leistungsgesellschaft leben, die ein Scheitern nur schwer verzeiht. Belohnt werden wir hier im Regelfall für Ergebnisse – nicht für den Weg dahin. Je weniger wir uns daher auch von dieser gesellschaftlichen Erwartungshaltung abgrenzen können, umso belastender können Erwartungshaltungen werden.

Schritt 3: Ich reflektiere, was der Druck bei mir auslöst.

Die ersten beiden Schritte beinhalteten das kognitive Verstehen einer Situation. Hinzu kommt aber auch das emotionale Erleben. Druck wird deshalb schnell unerträglich, weil mit ihm Gefühle verbunden sind wie beispielsweise Angst, Ohnmacht oder Unsicherheit. Diese Stör-Emotionen beeinflussen uns massiv und sorgen dafür, dass wir Erwartungen sehr schnell mit negativen Erfahrungen verbinden. Daher ist es wichtig, dass wir uns unserer eigenen Emotionen bewusst werden – und sie im ersten Schritt einfach annehmen. Sie zu bekämpfen erhöht die eigene Erwartungshaltung und setzt im Regelfall einen Teufelskreis in Gang, der uns in einen Zustand von Dauerstress versetzt. Das verbraucht unglaublich viel Energie und Kraft und lässt uns in der Folge im wahrsten Sinne des Wortes ausbrennen, wie eine Öllampe, der der Brennstoff ausgegangen ist. Nehmen wir die Emotionen an und haben wir an der Stelle Mitgefühl mit uns selbst, lassen wir schon einen Großteil des Drucks ab.

Schritt 4: Ich nehme mir Zeit zu erkennen, dass ich einen freien Willen habe.

Wenn wir nun die eigenen und fremden Erwartungshaltungen kennen und unsere Emotionen sortiert haben, können wir ruhiger und reflektierter überlegen, ob wir den eigenen und fremden Erwartungen entsprechen wollen. In Drucksituationen vergessen wir sehr oft, dass wir immer noch über unsere ureigene Kraft des eigenen Willens verfügen. Das bedeutet, dass wir selbst in den belastendsten Druck-Situationen niemals Opfer sein müssen, sondern so lange wir leben und gesund sind, immer noch Handlungsoptionen haben. Nutzen wir daher unseren freien Willen und entscheiden wir, ob und wenn ja welchen Erwartungen wir entsprechen wollen.

Schritt 5: Ich setze klare Grenzen.

Sobald wir unseren freien Willen bewusst einsetzen und erkennen, dass wir bestimmten Erwartungen nicht entsprechen wollen oder können, müssen wir im letzten Schritt eine klare Grenze setzen. Und diese Grenze lässt sich mit einem einfachen Wort beschreiben: „Nein“. Schuld oder ein schlechtes Gewissen brauchen wir an der Stelle nicht, denn unser freier Wille hat uns geleitet und eine klare Richtung vorgegeben. Selbst wenn diese Richtung vielleicht nicht der externen Norm entspricht, der wir ursprünglich entsprechen wollten – sie entspricht aber unserer eigenen Norm. Und die ist – im Sinne unserer Gesundheit, unseres Wohlbefindens und unseres Gefühls der Würde – wichtiger!

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