Strategien in VUCA-Welten: dieser 4-stufige Ansatz hilft

Ich biete regelmäßig VUCA-Workshops für Führungskräfte an. Ziel dieser Workshops ist es, VUCA als Situationsbeschreibung für unsere heutige (Business-)Welt zu verstehen und den Umgang mit dieser VUCA-Welt als „Leadership-Handwerk“ zu erlernen. In diesem Rahmen reden wir immer auch über Strategien und die Frage, ob und wenn ja, welche Strategien in der heutigen VUCA-Welt noch möglich sind.

Viele Unternehmensstrategien sind für die heutige, volatile Zeit, zu kompliziert. Ihre Ziel- und Aufgabensetzung ist zu starr, zu wenig an den Unternehmenskontext angepasst und daher oft dazu geeignet, den ursprünglichen Unternehmensplan der langfristigen und nachhaltigen Zukunftssicherung aus den Augen zu verlieren.

Diese Strategie der „Heiligen Kuh“, wie ich sie bezeichne, wird behandelt wie ein langfristiges und unverrückbares Manifest. Sie basiert auf Zahlen, Daten und Fakten der Vergangenheit, die in die Zukunft fortgeschrieben werden. Und sie begründet meist ein bürokratisches Konstrukt, an das sich alle zwingend halten müssen.

Die Führungskräfte erkennen sehr schnell, dass eine solche Strategie in VUCA-Welten kaum noch funktioniert. Ganz ohne Strategien geht es aber auch nicht, dessen sind wir uns regelmäßig einig. Ich plädiere an der Stelle für eine „Chamäleon-Strategie“. Sie zeichnet sich aus durch kurz- bis mittelfristig angelegte Richtlinien, sie ist in einen aktuellen Kontext eingebettet, folgt einer langfristigen Vision, kann aber schnell und unbürokratisch situativ verändert und angepasst werden.

Chamäleon-Strategien erfordern von den Führungskräften einerseits langfristiges Denken in Form einer Vision, gleichzeitig aber so viel Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, dass die Strategie – ohne das Gesicht zu verlieren – im Notfall angepasst werden kann. Diese Art strategischen Denkens erfordert Nachdenken einerseits und ein stetiges Vergleichen von Ist- und Soll-Zustand andererseits.
Nachdenken und Vergleichen erfordert Intentionalität, also die Ausrichtung aller seelisch-geistigen Kräfte auf ein Ziel. Es erfordert mitunter eine Verschiebung oder ein Aussetzen der Prioritäten für kurze Zeit, um die Unternehmenssituationen zu betrachten und mit kühlem Kopf zu analysieren.

Die Umsetzung einer Chamäleon-Strategie führt zu einer bewussteren Planung, wenn gleichzeitig Entscheidungskompetenzen sowie Ziele von oben nach unten klar definiert sind. Chamäleon-Strategien erfordern ein hohes Maß an Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, aber keine hohe Komplexität. Im Gegenteil. Sie reduzieren die Komplexität, denn sie ermöglichen zu jederzeit Handlungsspielraum und Anpassungsfähigkeit. Sie erlauben Kreativität und Flexibilität – erprobte Kompetenzen, um mit Komplexitäten umgehen zu können.

Um eine Chamäleon-Strategie aufzubauen, kann dieser vier-stufige Ansatz helfen:

  1. Stufe: Was macht Ihr Unternehmen großartig? In dieser Stufe klären sie Ziel und Zweck Ihres Unternehmens. Erst wenn klar ist, was Ihrem Unternehmen die Daseinsberechtigung gibt, können Sie überlegen, wie Sie diese Daseinsberechtigung strategisch kurz-, mittel- und langfristig festigen. Binden Sie zur Beantwortung dieser Frage das gesamte Unternehmen ein und lassen Sie auch Ihre Stakeholder zu Wort kommen.
  2. Stufe: Was machen Ihre Konkurrenten? Hier geht es weniger um Benchmarking. Benchmarking verleitet Sie im Zweifel dazu, mehr vom bereits Vorhandenen zu machen. Interessant ist die Frage vor dem Hintergrund einer Definition Ihres eigenen Marktes. Gibt es Lücken und Nischen, die Sie besetzen können und an die Ihre Wettbewerber noch nicht gedacht haben?
  3. Stufe: Welche objektiven – gegenwartsbezogenen – Daten stehen Ihnen zur Verfügung, die Sie für Ihre Strategie nutzen können? Welche Daten aus der Vergangenheit können helfen, ohne zu einem starren Korsett zu führen? Achten Sie darauf, dass die bestehenden Daten immer in den aktuellen Unternehmenskontext eingebunden sind. Dazu ist es wichtig, auf eben diesen Kontext bewusst zu schauen. Wer sind beispielsweise Ihre Käufer? Welche Kunden kommen immer wieder und warum? Markttrends, Kaufverhalten, versteckte Produktivitätspotenziale oder noch nicht umgesetzte Ideen können hier eine Rolle spielen und sollten in Ihre Überlegungen einfließen.
  4. Stufe: Welche Muster existieren in den gesammelten Informationen der Stufen 1-3? Ergibt sich ein rundes Bild dessen, was Ihr Unternehmen großartig macht mit dem, was Sie in Stufe 3 an Informationen gesammelt haben? Was haben diese Muster zu bedeuten? Wo gibt es verstärkende Effekte? Wo gibt es Widersprüche? Bringen Sie vor allem hier externe Berater ins Spiel, die helfen können, versteckte Muster zu finden und Betriebsblindheiten aufzubrechen. Wir unterstützen an solchen Stellen beispielsweise gern durch so genannte „Creative Dinners“ mit Ideen und einer Fremdsicht von außen. Bei Interesse sprechen Sie uns gern an!

Die Antworten aus diesen scheinbar einfachen Überlegungen helfen, eine realitätsnahe, kontextbezogene Strategie zu entwickeln, die genügend Spielraum zur Anpassung lässt, wenn sich interne oder externe Faktoren verändern. Eine Chamäleon-Strategie erhöht die unternehmerische Anpassungsfähigkeit langfristig.

Bild_alle Bücher
Futability® bestellen | Neugier-Code bestellen | Mikromanagement bestellen