Wenn wir denken, warum handeln wir dann nicht?

Denken bedeutet, dass wir die Reflexions- und Kombinationsfähigkeit unseres Gehirns nutzen – und zwar im ersten Schritt bedingungslos. Das heißt, dass wir beim Denken zunächst alle Informationen zulassen, bevor wir uns eine Meinung bilden. Und wenn wir vor- und nachgedacht und uns eine Meinung gebildet haben, können wir reflektiert handeln. Doch warum tun wir genau das so oft nicht?

Eine Erklärung dafür ist, dass uns unser FÜHLEN bzw. unser NICHT FÜHLEN davon abhalten.

Sind mentale Probleme gelöst und ein kongruentes Handeln bleibt dennoch aus, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass Denken und Fühlen voneinander getrennt sind oder noch nicht miteinander in Einklang gebracht wurden. Der mentalen Erkenntnis, etwas tun zu können, muss auch das entsprechende Gefühl folgen, denn Handlungsmut und Tatkraft erwachsen erst aus dem Gefühl der Selbstwirksamkeit – also dem Vertrauen darauf, erfolgreich sein zu können mit dem, was wir tun.

Wir brauchen – wie schon Immanuel Kant feststellte – beides: Einerseits die empirisch sinnliche Wahrnehmung durch unsere 5 Sinne – und da gehört das FÜHLEN hinzu – und andererseits brauchen wir die Fähigkeit unseres Verstandes, um zu denken, zu kategorisieren und um Urteile zu fällen. Wenn nur eine von beiden Seiten fehlt, kommt keine Erkenntnis zustande, denn, so Kant: „Gedanken ohne Inhalte sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“

Und ohne Erkenntnis stecken wir entweder im ewigen Denken fest oder nehmen unsere Umwelt nur noch emotional wahr, ohne sie verstandesmäßig zu begreifen. Beide Extreme führen entweder zu Fehlhandlungen oder zur kompletten Unfähigkeit, überhaupt aktiv werden zu können.