Raus aus dem Weltschmerz

Weltschmerz ist das oftmals diffuse Gefühl dem Leiden der Welt ausgeliefert zu sein. Die Unzulänglichkeiten der Welt werden bewusst. Das ist zunächst positiv, weil der Weltschmerz wichtige Erkenntnisse mit sich bringt und eine kraftvolle Veränderungsenergie entfalten kann. Problematisch wird es, wenn Menschen im Weltschmerz verharren.

Im Weltschmerz steckt neben dem eigenen auch das kollektive Leid. Daher kann Weltschmerz etwas Beruhigendes haben, weil man sich im wahrgenommenen Elend plötzlich wieder verbunden fühlt.

Und tatsächlich gibt es im Augenblick vieles, was Weltschmerz verursachen kann. Die Welt steht 2020 Kopf. Wir erleben eine historische Zeitenwende, vielleicht sogar einen Epochenwandel – denn beides geht mit einer Zäsur einher, wie wir sie durch die Pandemie derzeit in allen Lebensbereichen erleben. Aus der kollektiven Verbundenheit des Weltschmerzes können daher grandiose Projekte entstehen, wenn gemeinschaftlich nicht nur die Unzulänglichkeiten erkannt, sondern auch kollektiv und kollaborativ Lösungen gefunden werden.

Die Kehrseite vom Weltschmerz ist aber, dass er uns sehr schnell dazu veranlasst, die Verantwortung für die wahrgenommenen Unzulänglichkeiten nach außen abzugeben. Weil das Gefühl, ausgeliefert zu sein, so stark im Weltschmerz verankert ist, sind Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht fern. „Die anderen sind schuld“ oder „Die Welt ist ungerecht“, sind beiläufige, aber kraftvolle Gedanken, die den positiv-visionären Aufbruch verhindern. Denn: Je mehr wir Schuld und Verantwortung ans Außen abgeben, umso größer werden Ohnmacht und Hilflosigkeit. Im Weltschmerz liegt also ein hohes Maß an Selbstentmündigung und Abgabe von Selbstverantwortung. So entsteht eine Spirale der Verzweiflung, die IMMER in destruktiver Wut endet. Hier sind positive Lösungen dann kaum noch möglich, sondern hier warten Chaos und Zerstörung. Damit hätte sich dann der Kreis der „Self-fulfilling Prophecy“ geschlossen. Die Unzulänglichkeiten der Welt werden bestätigt.

Weil der Weltschmerz beides in sich trägt – sowohl den positiv-visionären Aufbruch, als auch die destruktive Zerstörung – ist ein „Raus aus dem Weltschmerz“ lebenswichtig – im wahrsten Sinne des Wortes! Um in chaotischen Zeiten wie jetzt, stark und kraftvoll bleiben zu können, brauchen wir vollen Zugriff auf unsere Selbstmacht.

Daher ist die Hinwendung zu dem, was noch funktioniert, noch positiv ist, sehr wichtig. Fragen Sie sich:

  1. Was ist mir wirklich wichtig – und was kann ich tun, damit mir dieses Wichtige erhalten bleibt?
  2. Wo und wie kann ich die Welt positiv verändern – und was bin ich bereit, dafür zu tun?
  3. Wie kann ich mich selbst und andere (wieder) ins Wachstum bringen?
  4. Welche Erkenntnis steckt hinter dem Weltschmerz? Was verändert sich gerade – und warum bewegt mich diese Veränderung so intensiv? (Von den Antworten dieser Frage heraus können Sie dann mit Frage 1 weitermachen.)