Digitalisierung: 3 Denkweisen, die Sie unbedingt ablegen sollten | #IoT

Die digitale Transformation zwingt Unternehmen zum Umdenken. Diese Erkenntnis ist nicht neu und schon viel diskutiert. Drei Denkweisen sollten Sie im Rahmen von Digitalisierungsprozessen jedoch unbedingt ablegen, um unternehmerische Transformationsprozesse freier gestalten zu können.

  1. Legen Sie Hierarchie-Denken ab.
    Wirtschaftlich hätten wir uns nie soweit entwickeln können, wenn wir im Laufe unserer Evolutions- und Wirtschaftsgeschichte nicht irgendwann gelernt hätten, dass Unternehmen effektiver funktionieren und schneller wachsen, wenn sie hierarchisch strukturiert und geführt werden. Diese recht simple Gleichung trifft jedoch heute nicht mehr auf alle Unternehmen zu. Je digitalisierter und automatisierter Unternehmen werden, umso radikaler dematerialisieren sie Arbeitsplätze und „Produktionsstätten“. Es ist für viele Wissensarbeiter heute problemlos möglich, von jedem Ort der Welt aus zu arbeiten. In dem Moment jedoch, wo viele Menschen virtuell zusammenarbeiten, verschwinden die Insignien der Macht. Das tolle Einzelbüro in der obersten Unternehmensetage, der eigene Parkplatz vor dem Bürogebäude, der neue Dienstwagen – Insignien der Macht, die auch sichtbar unterschiedliche Hierarchie-Stufen demonstrieren, werden im virtuellen Raum unsichtbar. Man trifft sich auf Augenhöhe. Die Schwellen der Hierarchieebenen, die im „Real Life“ zu überwinden sind, spielen im Chat-Raum oder virtuellen Konferenzen kaum eine Rolle.
    Hinzu kommt, dass die heutige Arbeitswelt einen komplexeren Kompetenz-Kanon von jedem einzelnen von uns verlangt. Hirn, Hand und Herz müssen wir heute am Arbeitsplatz in sinnstiftender und wertschöpfender Einheit zum Einsatz bringen. Warum? Weil Digitalisierung und Automatisierung den Menschen mehr und mehr in Arbeits- und Funktionsbereiche drängen, die vom Kollegen Roboter nicht übernommen werden können. Diese Arbeits- und Funktionsbereiche verlangen Dienstleistungskompetenz, Empathie, die Fähigkeit zum vernetzten, unternehmerischen Denken. Mit anderen Worten: Ein hohes Maß an Kreativität, Kommunikation und Kooperation. Diese Kompetenzen können in einem hierarchischen Konstrukt schlecht wachsen und gedeihen. Sie brauchen Freiraum.
    Überlegen Sie daher gut und lange, welche Hierarchien Sie in Ihrem Unternehmen oder in Ihrer Organisation noch zwingend brauchen, damit Wachstum und Stabilität gesichert sind – und ersetzen Sie alle hemmenden Hierarchiestrukturen durch Netzwerke.
  2. Legen Sie Branchen-Denken ab.
    Kürzlich war ich bei einem Kunden – einem Unternehmen, das momentan radikale Veränderungsprozesse durchläuft. Ausgegliedert aus einem Konzern soll dieses nun größere mittelständische Unternehmen innovativer und agiler werden. Keine leichte Aufgabe. Als ich im Laufe meiner Veranstaltung die Teilnehmenden fragte, in welcher Branche nun eigentlich das neue Unternehmen tätig sei, gaben die Führungskräfte mir die erwarteten Antworten. Die Branche nämlich, in der sie als Konzernteil vorher schon tätig waren. Ich fragte sie dann, wer denn ihr größter Wettbewerber sei. Auch hier fiel die Antwort erwartungsgemäß aus. Sie nannten den Namen eines Unternehmens. Als ich ihnen dann sagte, dass sie sich hinsichtlich ihres Wettbewerbers täuschen würden, horchten sie auf. Ihr größter Wettbewerber war nämlich nicht das genannte Unternehmen, sondern Google – ein Branchenfremder, der meinem Kunden vermutlich in wenigen Jahren massive Konkurrenz machen wird. An Google wird sehr deutlich, was es heißt, wenn Branchengrenzen fallen. „Google X“, die Innovationsabteilung des Mega-Konzerns, forscht quasi in allen Branchen und Sektoren, die zurzeit denkbar sind. Der Chef von Google X kennt keine Grenzen – im positiven wie im negativen Sinne. Für ihn gibt es gedanklich keine Branchen mehr. Und das macht ihn nicht nur äußerst innovativ – sondern auch so gefährlich für alle, die das Niederreißen von Branchengrenzen unterschätzen.
    Als ich meinem Kunden alternative Branchen nannte, in dem ihr Unternehmen nach der Ausgründung ebenfalls aktiv sein wird oder sein kann, flossen plötzlich mühelos Ideen durch den Raum. Auf einmal war es allen Beteiligten möglich zu überlegen, welche Geschäftsoptionen sie in den jeweiligen Branchen hätten. Und ohne dass die Veranstaltung ein Kreativworkshop war, kamen nur durch ein erstes, spontanes Brainstorming an die 15 real umsetzbare Ideen zustande.
    Das Denken in Branchen schränkt unsere Kreativität ein. Branchendenken fordert uns auf, in bestimmten Mustern und Rahmen zu denken. Und wenn die gefühlt ausgeschöpft sind, wenn also in der Branche keine Bedarfe und Bedürfnisse mehr befriedigt werden können, erschöpft sich auch die Kreativität. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung sollte sich jedes Unternehmen überlegen, inwieweit es zukünftig zum Beispiel auch in der IT-Branche tätig sein wird – und mit welchen Produkten und Dienstleistungen.
  3. Legen Sie das Denken in Massenproduktion ab.
    Je digitalisierter und automatisierter Produktions- und Geschäftsprozesse ablaufen, umso leichter wird es, sie kundengerecht zu individualisieren. On-Demand-Produktion oder Just-in-Time-Prozesse führen fast schon mühelos zu „Customised Products“.
    Erleichtert werden diese Prozesse dadurch, dass wir in allen westlichen Industrienationen in stark individualistischen Gesellschaften leben. Jeder ist sich selbst der nächste, die Maslow’sche Pyramide haben viele bis zur obersten Spitze erklommen. Selbstverwirklichung ist das Ziel – und das beeinflusst auch das Kauf- und Konsumverhalten. Der Kunde ist Kaiser und möchte auch als solcher behandelt werden.
    Auch der 3D-Druck wird diese Entwicklung maßgeblich mit beeinflussen und zu hoch individualisierten (Einzel-)Fertigungen führen. Denkt man den 3D-Druck in seiner Radikalität mutig bis zu Ende, werden zukünftig vielleicht ganze Produktions- und Lieferketten überflüssig, wenn der Kunde sich seine Produkte zu Hause selbst drucken kann. Es gibt sogar Stimmen die sagen, dass dadurch der globale Handel in vielen Bereichen zu Erliegen kommen könnte.
    Egal, wie weit Sie in Ihren Gedankenspielen gehen möchten, klammern Sie „die Masse“ aus Ihrem Denken aus bzw. setzen Sie gleichwertig daneben die Zielgruppe n=1, nämlich das Individuum.

 

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5 comments

  1. Der Artikel trifft den Nagel auf den kopf. Exakt diese 3 Hindernisse stehen den meisten ManagerInnen, die ich in großen Unternehmen kenne, im Weg. Interessanterweise ist das für die Betroffenen kaum überwindbar, weil die Personen kaum offen und partizipativ im Internet unterwegs sind. Die Verweigerung der social media ist bei den meisten der Knackpunkt. Da wird ein wenig mitgemacht, aber ohne Begeisterung und Content. Danke für den tollen Artikel

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